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Nachricht vom 12.09.2011 - 00:19 Uhr    

Als die Postreiter in Birnbach Station machten

Zum Tag des offenen Denkmals in der Verbandsgemeinde Altenkirchen hatten zahleiche Denkmäler in der Verbandsgemeinde für Besucher geöffnet. In der Kreisvolkshochschule gab es eine Sonderausstellung zum Thema "Kulturdenkmäler im Landkreis Altenkirchen" zu sehen. Seltene Einblicke in historische Gebäude erhielten Besucher in Mammelzen, Obererbach oder in Birnbach, wo Willi Meuler Einblicke in die ehemalige Poststation der fürstlichen Postlinie gewährte.

Die Ausstellung "Kulturdenkmäler im Landkreis Altenkirchen" präsentiert noch bis zum 6. Oktober 2011 Fotografien von 40 Denkmälern aus dem gesamten Kreisgebiet. Fotos: Thorben Burbach

Region. Dunkle Wolken haben sich über dem Fachwerkhaus in der Kirchstraße 25 in Birnbach zusammengezogen, es regnet wie aus Kübeln. Auf engen Treppen geht es hinunter ins Kellergewölbe, das noch aus dem 16. Jahrhundert erhalten geblieben ist. Die Mauern stammen aus dem Jahre 1530, Anfang 1531, erzählt Willi Meuler, das habe er vor einigen Jahren untersuchen lassen. Es sind die Überreste der Poststation, die wohl schon im 15. und 16. Jahrhundert für den Postverkehr genutzt wurde. Für die Postboten standen Pferde zum Wechseln und Futter für die Tiere bereit. Wertvolle Fracht erreichte im Jahre 1690 die Station in Birnbach, wie Heimatforscher Dieter Sommerfeld herausgefunden hat. Eine Delegation machte in Birnbach Halt, die die Krönungsinsignien zur Krönung von Joseph I. zum Deutschen König von Aachen nach Augsburg überbrachte. Nach Angaben von Sommerfeld verlor dann im 18. Jahrhundert die Poststation an Bedeutung, als die kaiserliche Post das alleinige Postbeförderungsrecht inne hatte. Postkutschen steuerten nun allein die Station in Weyerbusch an. Heute stehe das Gebäude, das von außen wie ein gewöhnliches Fachwerkhaus anmutet, unter Denkmalpflege, bestätigt Meuler, der sein ganzes Leben in dem Haus verbracht hat.

Gleich neben an ragt die dreischiffige Basilika in den Birnbacher Himmel, die zum Tag des offenen Denkmals in der Verbandsgemeinde Altenkirchen, wie zahlreiche andere Denkmäler in der Verbandsgemeinde auch, für Besucher geöffnet hat. Von der Kirche, die 1131 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird, weiß Dieter Sommerfeld viele Anekdoten zu erzählen. Die Basilika sei bis zur Reformation eine katholische Kirche gewesen, betont der Heimatforscher. Im Zuge der Reformation in der Grafschaft Sayn wird sie 1561 zunächst lutherisch. Als der Calvinismus 1605 Birnbach erreicht, wird sämtlicher Schmuck aus der Kirche entfernt. Heiligenbilder verschwinden, der Altar wird durch einen schlichten Tisch ersetzt. Trotz Zerstörungen, Renovierungen und Umbauten im Laufe der Geschichte, sind viele Bestandteile der ursprünglichen Steinkirche bis heute erhalten geblieben. Neben den romanischen Strukturen und der Kanzel aus der Barockzeit gibt es verschiedene Grabsteine zu entdecken, die in die Außenmauern der Kirche eingelassen sind. Schließlich wollte man Gott so nah wie möglich sein, erklärt Sommerfeld.

Überall in der Verbandsgemeinde Altenkirchen standen Führungen durch romanische Kirchen und historische Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Zum ersten Mal nahm auch die Volkshochschule Altenkirchen (VHS) am Tag des offenen Denkmals teil. In das restaurierte Gebäude der VHS in der Rathausstraße 12 lockte eine Sonderausstellung zum Thema "Kulturdenkmäler im Landkreis Altenkirchen", die noch bis zum 6. Oktober 2011 für Besucher geöffnet ist. Die Fotoausstellung des Kreisarchivs und der VHS beinhaltet 40 Fotografien zahlreicher Denkmäler aus dem gesamten Kreisgebiet. "Wir wollen die historische und architektonische Vielfalt im Kreis Altenkirchen dokumentieren", betonte Bernd Kohnen, Leiter der VHS. So sind die "Alte Schule" in Mehren, die Freusburg oder die evangelische Kirche in Herdorf auf den Fotos zu bewundern. Stark beeinträchtigt wurde der Tag des offenen Denkmals durch den Dauerregen, der sich merklich auf die Besucherresonanz auswirkte. (Thorben Burbach)


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