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Weberit GmbH übernimmt Kautex Textron Wissen

Weberit Werke Dräbing Blasformtechnik GmbH Wissen - so wird offiziell am 1. August in Wissen die neue Firma starten, die dann die Ära Kautex Textron beendet. Das Familienunternehmen mit dem Stammsitz in Oberlahr übernimmt einen Teil der Produktion und 18 Arbeitsplätze. Wie die Zukunft aussehen wird, erläuterte Annette Dräbing, denn das Unternehmen hat am Standort Wissen einiges vor. Das Thema "Leichtbau" wird dabei im Mittelpunkt stehen.
Weberit GmbH übernimmt Kautex Textron Wissen

Annette Dräbing freut sich auf Wissen und gab ein klares Bekenntnis zur Region. Die Firma Weberit Werke Dräbing Blasformtechnik GmbH kaufte das Kautex Textron Werk und will hier insbesondere mit der Serienproduktion von Leichtbauteilen starten. Fotos: Helga Wienand-Schmidt

Wissen. Ab 1. August wird das Kautex Textron Werk Wissen zur Geschichte. Die Weberit Werke Dräbing Blasformtechnik GmbH schlägt dann das neue Kapitel des Werkes im malerischen Siegbogen auf.
Das mittelständische Unternehmen mit Sitz in Oberlahr kaufte das Werk und übernimmt Teile der Produktion. 18 Mitarbeiter (vier mehr als ursprünglich vorgesehen) werden übernommen. Über die Kaufsumme ist gegenseitiges Stillschweigen vereinbart worden.
Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz, zu der die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Kreises geladen hatte, stellte Annette Dräbing das Unternehmen und die Pläne für den Standort Wissen vor. Die Produktpalette der Firma ist automobillastig, neue Geschäftsfelder sollen erschlossen werden. Das Thema „Leichtbau“ hat eine große Zukunft und die Entwicklung der neuen Technik, wo Kunststoffe an sogenannte Organobleche angespritzt werden, ist weit fortgeschritten. Weberit kann hier in die Serienproduktion gehen. Dafür braucht es viel Platz.

Die Enge am Firmenstandort Oberlahr, wo es keine Chancen auf Erweiterung gibt, führte dazu, dass sich das Unternehmerehepaar Dräbing bundesweit umschaute und im Mainzer Wirtschaftsministerium von Kautex Wissen erfuhr. Schnell waren die Kontakte geknüpft, und im Juni begannen die Verhandlungen.
An den ersten Besuch in Wissen erinnerte sich Annette Dräbing: „Es war wie ein Besuch bei Freunden, und ein Gefühl nach Hause zu kommen“. Der Teilbetriebsübergang bedeutet, dass die Weberit die Ersatzteilversorgung ebenso wie Teile der Produktion übernimmt. Mehr als 40 Produktionsmaschinen und 18 Mitarbeiter gehen an Weberit über.
Annette Dräbing machte deutlich, dass die Auswahl der Mitarbeiter vom Betriebsrat und der Kautex im Rahmen einer Sozialauswahl getroffen wurde. Es sei ein rabenschwarzer Tag gewesen, als die Kündigungen ausgeteilt wurden und die 18 verbleibenden Personen ihre Zusagen erhielten, gab die Firmenchefin sichtlich bewegt bekannt.
Der Betrieb wird sich neu ausrichten und will langsam wachsen. Darin liege auch die Chance für weitere neue Arbeitsplätze in der Zukunft, führte Dräbing aus. „In Oberlahr, am Firmensitz, bleibt alles wie es ist, niemand wird hier seinen Arbeitsplatz verlieren oder nach Wissen verlagert“, sagte Dräbing. Die Verwaltung der Tochtergesellschaft in Wissen wird von Oberlahr aus erfolgen. Verständnis für die Ängste der Belegschaft zeigte die Unternehmerin, sie bekräftigte erneut, dass niemand in Oberlahr den Arbeitsplatz verliere.

Das 1951 auf dem ehemaligen Gelände der Grube Luise gegründete Unternehmen hat 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie fünf Auszubildende. Mit einem Umsatz von 9 Millionen Euro im Jahr 2010 setzt das Unternehmen auf solides Wachstum und will in den nächsten fünf Jahren ein Umsatzvolumen von 25 Millionen erreichen. Mit einem deutschen Partnerunternehmen ist eine Produktionsstätte in China geplant und in Mexiko ist der Aufbau in der Planung. Seit 1993 ist Norbert Dräbing Geschäftsführer. Entwicklung, Werkzeugbau und Produktion von technischen Kunststoffteilen gehört zum Kerngeschäft. Seit 2008 ist der Automobil-Leichtbau in den Fokus gerückt. Angefangen hat alles mal mit Gummistiefeln – bis heute unvergessen.
An der Pressekonferenz nahmen Bürgermeister Michael Wagener, Dieter Hartmann und Karl-Heinz Henn von der Wissener Verwaltung teil. Die Freude darüber, dass aus dem Kautex-Werk im reizvollen Siegbogen keine Industriebrache wird, konnte Wagener nicht verbergen. Sein Dank galt dem Unternehmerehepaar Dräbing für das Engagement in Wissen und sagte die weitere Unterstützung zu. Wagener erinnerte an die wechselvolle Geschichte des Werkes, die 1966 begann. Die schlechten Erfahrungen mit Großkonzernen, die in Wissen ihre Hinterlassenschaften liegen ließen ohne Verantwortung für die Region, blieben nicht unerwähnt.
Umso freue sich die Stadt und die Verwaltung, nun ein regional verwurzeltes mittelständisches Unternehmen willkommen heißen zu können, führte Wagener aus.
Die Freude teilt die WFG, Geschäftsführer Berno Neuhoff sprach vom glücklichen Moment, als im Dezember die Verträge unterzeichnet wurden.

Im Januar 2011 hatte die Kautex Textron, Werk Bonn mitgeteilt, das Werk Wissen zu schließen (der AK-Kurier berichtete). Zu diesem Zeitpunkt gab es 160 Mitarbeiter. Nach einem Sozialplan wurden die Kündigungen ausgesprochen, mit Abfindungen für die jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der Weberit nicht übernommen werden können. Darüber gab und gibt es keine offiziellen Auskünfte. (hws)
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