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EU streicht Fördermittel für Flüchtlingsarbeit

Kirsten Liebmann vom Fachdienst für Flüchtlinge und Migranten im Diakonischen Werk des Kirchenkreises Altenkirchen erfuhr auf einer Fachtagung in Mainz, dass die Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen vom Europäischen Flüchtlingsfonds nicht mehr gefördert wird. Das bedeutet für hilfesuchende Menschen in drei Landkreisen weite Wege und für die Mitarbeiter vor Ort den Arbeitsplatzverlust.
EU streicht Fördermittel für Flüchtlingsarbeit

Kirsten Liebmann erfuhr in Mainz von der Streichung der EU-Fördermittel.

Kreis Altenkirchen. Gemeinsam geht vieles leichter: Deshalb versuchen Einrichtungen und Gruppen, die sich um traumatisierte und psychisch belastete Flüchtlinge kümmern, weitgehend zu kooperieren. Darunter auch die Mitarbeiterinnen des Projektes „Phoenix“, die beim Diakonischen Werk (DW) im Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen angesiedelt war. Seit Jahren engagieren sie, sowie Kirsten Liebmann (Fachdienst für Flüchtlinge und Migranten im Diakonischen Werk Altenkirchen) und ihre Kollegen aus Rheinland-Pfalz sich in einer landesweiten Koordinierungsgruppe der Arbeitsgemeinschaft (AG) „Flucht und Trauma“ (www.ag-fluchtundtrauma.de).

Nun erlitt die Zusammenarbeit durch „gestrichene“ EU-Geldmittel einen herben Rückschlag. Bislang stellte die Arbeitsgemeinschaft an drei Standorten im Land – neben Altenkirchen sind dies Mayen und Trier - die psychotherapeutische Versorgung traumatisierter Flüchtlinge und Folterüberlebender im Land sicher. Nun wurde – ausgerechnet im Vorfeld einer wichtigen Konferenz – von EU-Seite bekannt gegeben, dass der Standort Altenkirchen nicht mehr gefördert wird.

„Dies heißt für das Land RLP, dass nur noch in der Erstaufnahmeinrichtung für Asylbegehrende und in Mayen die psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen und Folterüberlebenden sicher gestellt ist“, bedauert Kirsten Liebmann.

„Die Entscheidung den Standort Altenkirchen nicht mehr zu fördern, bedeutet sowohl für die Versorgungsstruktur eine große Lücke, (die drei Landkreise Altenkirchen, Neuwied und Westerwaldkreis wurden von hier betreut), als auch für die Lobbyarbeit für die betroffenen Flüchtlinge und natürlich auch für die betroffenen Mitarbeiter“.

Zwar finanziere der Evangelische Kirchenkreis Altenkirchen weiterhin eine Vollzeitstelle für die Beratung von Flüchtlingen, aber die anderen Mitarbeitenden - eine Psychotherapeuten-Stelle sowie eine halbe Stelle für die psychosoziale Beratung - die durch den Europäischen Flüchtlings Fond (EFF) gefördert wurden, gibt es künftig nicht mehr und die hilfesuchenden Menschen stünden vor der Situation, dass sie nicht wissen, wie sie die großen Entfernungen nach Mayen und Trier überwinden sollen. Außerdem gibt es dort – wegen der vielen lokalen Anfragen – auch fast keine Kapazitäten für die Menschen aus dem hiesigen Raum.

Um die hohe Qualität der Arbeit zu sichern und auf Bundesebene gut vernetzt zu sein, waren die Altenkirchener bislang in einer bundesweiten Arbeitsgemeinschaft (BAfF -Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer) aktiv.

Hier trifft man sich jährlich zu einer mehrtägigen Fachtagung zu einem bestimmten Thema, dass von einem der Mitgliedszentren der BAfF organisiert wird; zeitgleich findet jeweils die Mitgliederversammlung statt.

Duplizität der Ereignisse: Das „Streichkonzert“ des EU-Flüchtlingsfonds traf genau auf die jüngste Tagung, in Mainz, wo die unsicheren Arbeitsplätze aufgrund der immer nur kurzweilig bewilligten Gelder ein wichtiges Thema waren. Diesmal standen nämlich die Helfer im Mittelpunkt der Tagung.
Flüchtlingshelferin Kirsten Liebmann, Mitorganisatorin der Fachkonferenz, weiß aus ihrer täglichen Arbeit, dass die Mitarbeiter der Zentren permanent vielfältigen Belastungen ausgesetzt sind: „Einerseits werden sie in der täglichen Arbeit mit den harten Schicksalen ihrer Klienten konfrontiert, andererseits kämpfen sie mit der Unsicherheit hinsichtlich ihres eigenen Arbeitsplatzes“. Die Arbeit mit den traumatisierten Flüchtlingen geschieht in den Projekten, die vom Europäischen Flüchtlingsfond finanziert werden.

„Dann passiert es immer wieder – wie auch jetzt in Altenkirchen - dass Projekte nicht weiter gefördert werden und damit Arbeitsverträge auslaufen“. Diese Situation begünstige die Entwicklung eines „ Burn-Outs“ oder anderer psychischer Erkrankungen enorm, weiß die Fachfrau. Für die Mitarbeiter sei es deswegen besonders wichtig, achtsam mit sich umzugehen, um die eigene Gesundheit und damit Arbeitskraft zu erhalten. Häufig gehe dies jedoch im Arbeitsalltag verloren, und es sei zwingend notwendig gewesen, auf einer Fachtagung diesem Aspekt ausreichend Zeit einzuräumen und eine Vielzahl von Experten dazu zu hören. „Für die außer mir in Altenkirchen angesiedelten Helfer kamen die Hilfestellungen nur leider zu spät“ bedauert Liebmann. PES.

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