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Nachricht vom 20.04.2017    

Wie sieht die digitale Zukunft im ländlichen Raum aus?

Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen lud CDU-Bundestagsabgeordneter Erwin Rüddel Marika Puskeppeleit, Geschäftsleiterin der Andreas Hermes Akademie als Gastrednerin zum 16. Forum ländlicher Raum am Mittwochabend, den 19. April ein.

v.l. Michael Wäschenbach, Maik Köhler, Marika Puskeppeleit und Erwin Rüddel diskutierten über den digitalen Wandel Foto: jkh

Kirchen. Im ländlichen Raum liegt der Breitbandausbau immer noch weit hinter den Städten. Doch die Digitalisierung schreitet immer weiter voran und geht auch nicht wieder weg. Als Beispiel zeigte Puskeppeleit ein Foto von der Papstwahl aus dem Jahre 2005. Eine Menschenmenge ist darauf zu sehen, die Kerzen und Feuerzeuge hochhält. Bei der Papstwahl 2013 sah das Foto aus der gleichen Perspektive dann bereits ganz anders aus. Statt der Kerzen halten die Menschen Smartphones und Tablets hoch- eine digitale Erleuchtung. Innerhalb von ein paar Jahren hat sich die Welt hin zur Digitalisierung gewandelt.

Das 16. Forums ländlicher Raum fand am Mittwochabend, den 19. April in Kirchen-Katznbach statt. Das Thema war „Zukunft heißt Digitalisierung – Wie definieren wir Übermorgen Realität“. CDU-Bundestagsabgeordneter Erwin Rüddel lud dazu Marika Puskeppeleit, Geschäftsleiterin der Andreas Hermes Akademie ein. Sie beleuchtete in ihrem Vortrag die Vor- und Nachteile der Digitalisierung. Anschließend konnten Fragen und Anregungen zu der Situation in den örtlichen Gemeinden gestellt werden. An der Diskussion nahmen unter anderem der Mudersbacher Bürgermeister Maik Köhler, MdL Michael Wäschenbach, die Landfrauen, die Frauenunion, der Bauernverband und der Bürgermeister sowie einige Bürger aus Linz am Rhein teil.

Der digitale Wandel bietet einige Chancen, sagte Puskeppeleit. Im Bereich Bildung beispielsweise ist es heute möglich einen „Classroom out of the box“ zu schaffen. Der Unterricht findet am Bildschirm statt und während man hier auf dem Land wohnt, kann man auch einen Abschluss in den USA erwerben. Diese neuen Möglichkeiten erzeugen mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Ebenfalls wird die Arbeit flexibler. Sie ist von Raum und Zeit unabhängig geworden und lässt so eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu. Die Arbeit 4.0 ist vor allem für junge Menschen attraktiv. Diese haben regelrecht eine Revolution in diese Richtung gestartet.

Lebenslanges Lernen war noch nie so wichtig wie heute. Wo Jobs wegfallen, wachsen ganz viele Neue nach. In denen ist jedoch Kreativität und eine hohe Bildung gefordert, statt Automatisierung. „Smart Data“ ermöglicht Qualitäts-, Optimierungs- und Effizienzsteigerungen sowie die Herstellung von spezifischen Produkten je nach den Wünschen der Kunden.

Zudem können mit Hilfe der Digitalisierung Netzwerke geschaffen werden. „Coworking“, was nichts anderes bedeutet, als Zusammenarbeit, könnte ein Heilmittel für die Probleme im ländlichen Raum sein, so Puskeppeleit. Defizitäre Infrastrukturen können stabilisiert werden.

Für die Gemeinschaft bietet die Digitalisierung auch viele Vorteile. Bekanntschaften und Beziehungen können über große Distanzen gepflegt oder ehrenamtliche Strukturen können besser aufrechterhalten werden. Die Gemeinschaft kennt keine Raumbegrenzung mehr.

Der digitale Wandel hat aber auch einige Nachteile. Eingegebene, persönliche Daten werden im Netz zur „Währung“ und verkauft. Suchmaschinen und soziale Netzwerke haben ein rein wirtschaftliches Interesse und listen Informationen ausschließlich nach diesem Kriterium auf. Die Werte stehen dadurch auf dem Prüfstand, sagte Puskeppeleit.

Die Arbeit ist zwar flexibler, aber soziale Kontakte durch den Kollegenkreis können ausbleiben. Arbeitgeber verlieren die Kontrolle über das Arbeitspensum ihrer Mitarbeiter. Und die neu gewonnene Flexibilität erfordert auch viel Eigenverantwortung und Motivation der Mitarbeiter. Zudem wird die ganze Welt zur Konkurrenz, was zu Lohndumping führt. Gewerkschaften und Arbeitgeber müssen sich daher den Herausforderungen stellen und sich neu orientieren.

Erwin Rüddel erwähnte die Wahl von Trump und wie diese mittels eines Systems aus England beeinflusst wurde. Puskeppeleit bestätigte dies: „Bei 400 bis 500 Likes in Facebook – heißt es – weiß es mehr über einen als man selbst.“ Der Wahlkampf wurde auf diesen gesammelten Daten ausgerichtet. Mag der Facebook-Nutzer beispielsweise die Farbe Gelb, wurde die Wahlkampf-Werbung in Gelb angezeigt. So wurden um die 1000 Varianten an Werbung für den Wahlkampf entwickelt. „Digitalisierung kann daher Chance oder Fluch sein. Es kommt darauf an wer Herr über die Daten ist.“, sagte Rüddel.

In Bezug auf die Region wurde jedoch wieder die fehlende Bandbreite von allen Seiten bemängelt. Man war sich einig, dass in Zukunft nicht nur die wirtschaftlich starken Regionen versorgt werden sollen, sondern flächendeckend. Dies schließt auch jedes ‚Gehöff‘ mit ein. Eine alternative Lösung zur fehlenden Bandbreite könnte Freifunk sein, schlug Rüddel vor. So könne man jedes noch so kleine Eckchen mit Wlan versorgen. „Es gibt viele kreative Möglichkeiten. Man muss nur wollen“, bemerkte er.

Köhler nannte die Internetverbindung als wichtigen Standortfaktor. Doch die Digitalisierung sei Segen und Fluch zugleich. Es ist das eine sonntags auf dem Sofa im Internet einzukaufen und das andere, dass dies dem örtlichen Handel schadet. Daher möchte Köhler den „Giebelwaldthaler“ einführen. Ein Gutscheinprogramm, das den Einzelhandel wieder stärken soll.

Wäschenbach beschimpfte den Internethandel, wie Amazon, als Schandtat. Es handelt sich um eine Umweltverschmutzung mit Dumpinglöhnen der Zulieferer und Packer. Er appellierte an die Leute nicht im Internet zu bestellen. Puskeppeleit schlug zu dieser Thematik vor ein eigenes Netz zwischen den Bauern oder den Einzelhändeln aufzubauen und so sein eigenes Amazon zu schaffen. So hätten alle eine stärkere Präsenz.

Darüber hinaus hatten einige die Sorge, dass das Familienleben und die Kommunikation auf der Strecke blieben, wenn alle nur noch auf ihr Smartphone starren. Puskeppeleit entgegnete, dass schon ihre Oma sagte als das Radio kam, dass sie nun nicht mehr miteinander sprechen werden. Letztendlich war es jedoch nicht so.

Zum Schluss fragte Wäschenbach Rüddel inwieweit er glaube, dass die Bundestagswahl durch Despoten der Welt beeinflusst werde. Dieser erwiderte, dass die Gefahr definitiv präsent sei und dass man dem wahrscheinlich nicht entgegen wirken kann. Es gibt so viele Informationen, die jedem heutzutage zur Verfügung stehen, dass kaum einer es schafft jede zu überprüfen, ob diese der Wahrheit entspricht. Heute bestimmen eh mehr Gefühle und Stimmungen die Wahlentscheidung, als Fakten. Eine endgültige Lösung würde es dafür nicht geben, lediglich zu versuchen den persönlichen Kontakt mit einigen Politikern aufzubauen, um wieder Vertrauen zu schaffen.

Wie die die digitale Zukunft jedoch aussieht, konnte nicht beantwortet werden. Vor zehn Jahren wusste niemand wie die Welt heute aussieht bzw. funktioniert und so wissen wir heute auch nicht wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird, sagte Puskeppeleit abschließend. (jkh)


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