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Nachricht vom 17.07.2017 - 08:33 Uhr    

800 Jahre Kirchspiel Horhausen – Blick in das 13. Jahrhundert

Am Sonntagnachmittag konnten sich die Besucher der Ausstellung "Streiflichter der Vergangenheit", die im Kaplan-Dasbach-Haus Horhausen an diesem Tag offiziell eröffnet wurde, im Außenbereich in die Lebensweise und die Arbeitswelt jener Zeit zurückversetzen lassen. Einen faszinierenden Blick in das 13. Jahrhundert boten die Aussteller.

Ortsbürgermeister Thomas Schmidt (rechts) ließ sich von "Bader" Andreas Böhm die Arbeitsgeräte zeigen. Foto: kkö

Horhausen. Am Sonntag, 16. Juli wurde die Ausstellung „Streiflichter der Vergangenheit – 800 Jahre Horhausen“ offiziell eröffnet. Im Musikraum des Kaplan-Dasbach-Hauses (KDH) können Besucher sonntags von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr die Ausstellung besuchen. Nach Vereinbarung sind auch andere Termine möglich. Terminvereinbarung unter 02687/8370 oder 02687/926830, Veranstalter ist die Ortsgemeinde Horhausen.

Im Außenbereich des KDH hatten die Mitglieder der Gruppe „Tempora Nostra“ und befreundete Living-History-Gruppen die Möglichkeit geschaffen die Zeit des Mittelalters zu erleben und zu begreifen, wie die Organisatorin Gabriele Klostermann sagte. „Living-History, also gelebte Geschichte, heißt für uns möglichst authentisch die Arbeits- und Lebensweisen darzustellen“, so Klostermann weiter. Alle Beteiligten tragen die Kleidung der Zeit, die auch selber hergestellt wird. So werden die Stoffe für Kleider selber gewebt, gefärbt und dann verarbeitet.

Die Gruppenmitglieder legen Wert darauf, dass sie nicht in eine Rolle schlüpfen, sondern vielmehr Geschichte so nah wie möglich am Original zu zeigen. So wurden für die Garnrollen die Unterlagen aus jener Zeit sowie die Berichte über Funde von Gegenständen in London ausgewertet um sich Kenntnisse über die Herstellung zu verschaffen. „Bei unseren Veranstaltungen werden viele Fragen aufgeworfen aber auch beantwortet, dies ist natürlich gerade zu einem solchen Jubiläum passend, da wir das Zeitfenster um 1300 bearbeiten“, erklärte Klostermann.

Die Basis auf der sich die Gruppen bewegen ist durch historisch und archäologisch belegbare Fakten untermauert. Die Teilnehmer befassen sich mit der Rekonstruktion mittelalterlicher Kleidung und Gegenständen. Dazu gehören aber auch die Handarbeits- und Handwerkstechniken. Auch die zu jener Zeit sehr geringe Dichte von Ärzten und deren Honorarhöhe ist ein Bereich, der dem Besucher nahe gebracht wird. So zeigt Martin Böhm aus Bonn, im Zivilberuf Ingenieur der Nachrichtentechnik, die Gerätschaften des Baders. Dieser war im Mittelalter der für die "medizinische Grundversorgung“ Zuständige.

Böhm erklärte: „Der Bader war eigentlich der Chirurg des Mittelalters. Er zog Zähne, amputierte Gliedmaßen und war der Ansprechpartner des „einfachen Volkes“. Mediziner konnten sich nur die Herrschaften leisten. Zumal jemand der den Titel Arzt führen wollte, in Palermo eine Prüfung ablegen musste. Dies war zu jener Zeit eine Reise oder vielmehr ein Abenteuer. Zudem sehr kostspielig und zeitintensiv“.
Böhm zeigt auf seinem, natürlich nach überlieferten Techniken hergestelltem, Wagen unter anderem eine Knochensäge, Kautereisen, diese dienen dem Verschluss von Gefäßen, sowie Zangen und anderes zur Behandlung. Die Bezahlung bestand dann aus Naturalien.

Es wurden die Techniken des Spinnens, der Bearbeitung von Knochen (Gebrauchs- aber auch Schmuckstücke), die Schmiedekunst und einiges mehr gezeigt und auch erklärt. Bei vielen Dingen hatten die Besucher die Gelegenheit sich in den Arbeiten zu versuchen.

Gabriele Klostermann, im „zivilen Leben“ IT-Beraterin, befasst sich seit rund 20 Jahren mit der Mode des Mittelalters. „Auch in dieser Zeit war Kleidung ein Statussymbol. Der kleine und mittlere Adel konnte es sich leisten mehrere Kleider bei den Schneiderinnen zu bestellen. Das einfache Volk hatte eine Arbeits- und eine Festtagskleidung“, erzählte Klostermann. Auch hierbei achten die Schneiderinnen auf die Reproduktion nach alten Traditionen und Techniken.

Die Mitglieder und Freunde von „Tempora Nostra“ bedauern, dass es nicht mehr genug Veranstaltungen gibt, bei denen auf diese Form der Geschichtsvermittlung eingegangen wird. Böhm hierzu: „Die Budgets werden geringer es müssen publikumswirksame Darstellungen im Programm stehen. Wir hoffen dies mit solch kleinen Veranstaltungen ändern zu können“.

Das „Fenster in die Geschichte“ hat den Besuchern sehr gut gefallen und viele wünschen sich eine Wiederholung, wenn möglich noch in diesem Jahr. Es war hochinteressant und vor allem nicht so gedrängt und eng wie sonst auf Märkten ähnlicher Art, so viele Besucher. (kkö)

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