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Nachricht vom 10.01.2018 - 16:52 Uhr    

Warnstreik bei Federal Mogul in Herdorf

Die Tarifrunde 2018 bei der IG Metall ist in vollem Gange und um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen finden auch in der heimatlichen Region wieder erste Warnstreiks statt. Mittwoch, den 10. Januar wurde um die Mittagszeit bei der Firma Federal Mogul für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt, die Produktion stand still. Die IG Metall Betzdorf hatte den Warnstreik organisiert.

Eine Forderung der Streikenden sind 6 Prozent mehr Lohn. Fotos: anna

Herdorf. Rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Früh- und der Tagschicht trafen sich vor dem Firmengelände zum von der IG Metall Geschäftsstelle Betzdorf organisierten Warnstreik. Die Mitarbeiter der Nachtschicht beendeten diese eine Stunde früher. Außerdem erhielt die Belegschaft Unterstützung von 28 Kolleginnen und Kollegen der Firma Baumgarten aus Daaden.

Am Vortag war der erste Warnstreik der Region bei dem Unternehmen Schiefelbusch in Stahlhofen am Wiesensee mit 120 organisierten Metallerinnen und Metallern erfolgt. Die Forderungen der IG Metall in der aktuellen Tarifrunde lauten: 6 Prozent mehr Lohn, den juristischen Anspruch auf eine 28 Stundenwoche ohne Begründung für 24 Monate mit Rückkehrmöglichkeit zur Vollzeit plus Endgeldzuschuss für erziehende Eltern oder pflegende Angehörige, sowie zehn Freischichten für Schichtarbeiter mit einem Endgeldzuschuss von 750 Euro. Eine weitere Forderung ist ein freier Tag für die Auszubildenden vor ihren Prüfungen.

Zum Warnstreik nach Herdorf waren auch zwei Vertreter des DGB gekommen und Sebastian Hebeisen, der Regionalgeschäftsführer erklärte, dass der Dachverband hinter dem Arbeitskampf und den Forderungen der IG Metall stehe. Von den sechs im Dachverband organisierten Gewerkschaften sei die IG Metall häufig Vorreiter, was die Forderungen angehe und die übrigen Gewerkschaften schlössen sich diesen oft an.

Bruno Köhler, Betriebsratsvorsitzender und zweiter Bevollmächtigter sah in den sechs Prozent mehr Lohn eine berechtigte Forderung, denn allein die Energiekosten würden in dem laufenden Jahr um zehn Prozent stiegen und auch alles andere werde teurer. Freischichten für Schichtarbeiter dienten dem Erhalt ihrer Gesundheit, denn nichts sei so belastend wie die Schichtarbeit. Die zeitweise Absenkung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden sei besonders für pflegende Angehörige oder erziehende Eltern eine gute Möglichkeit die Doppelbelastung besser zu meistern, der Endgeldzuschuss sei wichtig, damit die Arbeitnehmer sich dies auch leisten könnten. Auch für Mitarbeiter über 60 Jahre sei die Absenkung der Wochenarbeitszeit eine gute Möglichkeit sich auf den Ruhestand vorzubereiten.

Uwe Wallbrecher, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Geschäftsstelle Betzdorf ergänzte dazu, dass die von Arbeitnehmern geforderte Flexibilität keine Einbahnstraße sein dürfe und nicht nur zu Gunsten der Unternehmen stattfinde. Bei der derzeit schon möglichen Absenkung der Wochenarbeitszeit hätten die Mitarbeiter nicht die Möglichkeit später wieder in Vollzeit zu arbeiten, dies wolle die IG Metall jedoch juristisch festgeschrieben haben. Warum ein Mitarbeiter seine Wochenarbeitszeit absenke, gehe den Arbeitgeber nichts an, dass sei einzig die Entscheidung des Mitarbeiters. Auch ein freier Tag vor den Prüfungen der Auszubildenden sei für diese ganz wichtig, um den Kopf frei zu bekommen, denn viele Azubis würden auch schon in Schicht arbeiten. Die Lohnerhöhung um sechs Prozent wertet Wallbrecher als notwendig, sogar angesehene Banker plädierten für eine Stärkung der Kaufkraft seitens der Arbeitnehmer. Jahrzehntelang hätten die Firmen weltweit im Ausland das in Deutschland erarbeitete Geld investiert. Jetzt wollten sie plötzlich im Inland in die Arbeitswelt 4.0 investieren, so Wallbrecher und wertete das als Ausrede.

Die Streikenden rief er zudem dazu auf, ihr Geld auch vor Ort in den Geschäften und Firmen auszugeben und nicht über Amazon und Co einzukaufen. Es sei wichtig die heimische Wirtschaft zu stärken und zu unterstützten. Bezüglich der aktuellen Tarifrunde sei es der Gewerkschaft wichtig, zügig voran zu kommen. Die Zeit drängt, der Karneval droht und dann wolle die IG Metall den Arbeitskampf beendet haben. Daher seien nur zwei Warnstreikrunden geplant.

Danach soll es ein Mitgliedervotum in Form eines Hammelsprungs geben um über einen 24 Stunden Warnstreik abzustimmen. Es könne sein, dass sich daran auch die Geschäftsstelle Betzdorf und vielleicht auch die Belegschaft der Firma Federal Mogul Herdorf beteiligen werde. Als symbolisches Zeichen dafür, wie die Zeit drängt, erhielten alle Streikenden einen roten Wecker mit der Aufschrift „mein Leben - meine Zeit“ überreicht. (anna)

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