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Nachricht vom 19.01.2018 - 17:37 Uhr    

Psychiatrische Versorgung für drei Verbandsgemeinden verbessert

Das St. Antonius-Krankenhaus in Wissen ist als psychiatrische Fachklinik schon lange ein fester Bestandteil der stationären psychiatrischen Versorgung in der Region. Die Tagesklinik in Kirchen präsentiert sich seit einem Jahr mit einem neuen Behandlungskonzept und –team. Sie sorgt mit der psychiatrischen Institutsambulanz in den neuen Räumen in der Brückenstraße 1 in Kirchen für ein umfassendes, psychiatrisches Behandlungsangebot für die Bürger/innen der Verbandsgemeinden Kirchen, Betzdorf-Gebhardshain und Daaden-Herdorf.

Gemeinsam wurde die psychiatrische Tagesklinik und die PIA vorgestellt. Foto: gw

Kirchen. Am Mittwochnachmittag, 17. Januar stellten der ärztliche Direktor, Chefarzt Dr. Nils Hollenborg, Oberarzt Norbert Rüther, sowie die Diplom Psychologin der Tagesklinik, Stephanie Bauer gemeinsam mit dem Team von Klinik und Ambulanz die Schwerpunkte ihrer Arbeit vor.

Dr. Hollenborg begrüßte die zahlreich erschienen Anwesenden und betonte wie wichtig es sei, im größeren Rahmen zeigen zu können was im letzten Jahr geschaffen wurde, wobei er die vorgestellten Behandlungsangebote in die Gesamtaufgabe der psychiatrischen Fachklinik St. Antonius-Krankenhaus Wissen einordnet. Dr. Hollenborg legt großen Wert darauf mit allen anderen ambulant Tätigen im Dialog zu sein und zusammen zu arbeiten. Er zeigt sich erfreut über die große Anzahl der interessierten Gäste, die mit der Psychiatrie kooperieren und zur Vorstellung der neuen Räume eingeladen waren.

Häufig werde die Psychiatrie mit den großen Landes- oder Unikliniken in Verbindung gebracht, so der Psychiater. Psychische Erkrankungen seien meist längerfristig, brauchten daher vermehrt eine längere Aufmerksamkeit und hätten oft mit dem sozialen Umfeld zu tun. Gebe es im ambulanten Bereich auch seit jeher ganz viele Angebote so sei doch in den letzten 20 Jahren klar geworden, dass die Entwicklung von Zwischenlösungen notwendig sei. Schließlich würden sich die Betreiber von Kliniken nicht mehr hauptsächlich über die Betten definieren, sondern ebenfalls über Angebote die man darüber hinaus ambulant anbieten könne. Die wichtigsten Standbeine für die Kliniken seien Tageskliniken und Institutsambulanzen, wobei die Tagesklinik das bekanntere, schon länger bestehende Modell sei, wo mit den Patienten hochfrequente intensive Therapie betrieben werde.

Als Problem der Institutsambulanz in Kirchen sehe er allerdings, so Hollenborg, das flächenmäßig große Einzugsgebiet, das ihn bei Patientenbesuchen oft zu langen Wegen zwinge: “Wenn ich mir vorstelle, dass jeder Patienten der zu uns kommt auch so einen langen Weg hinter sich hat, dann bin ich der Meinung, man muss sich etwas überlegen, das ist noch nicht optimal“. Der Chefarzt sieht als Möglichkeit das zu verbessern, auch noch an anderen Standorten Instituts-Ambulanzen aufzubauen. In Kirchen könnten natürlich durch die bereits bestehende Tagesklinik Synergien genutzt und eine enorme Bereicherung der Versorgung gewährleistet werden.

Der Oberarzt der Instituts-Ambulanz, Norbert Rüther erläutert die Funktionsweise der PIA (Psychiatrische Instituts-Ambulanz), eine Einrichtung die erstmals 1980 in NRW entstand für psychisch Kranke, für unruhige Geister oder wie Rüther es nennt „nicht wartezimmerfähige Patienten“. Über 500 dieser Einrichtungen gibt es mittlerweile in Deutschland. Die PIA in Kirchen ist integriert, was heißt, sie behandelt alle erwachsenen Patientengruppen und kooperiert auch intensiv mit dem Mehrgenerationenhaus, der Gelben Villa in Kirchen. „Hier ist ein kleines Zentrum entstanden wo Erkrankte eine Anlaufstelle haben“, so Rüther. Mittlerweile besuchen die PIA in Kirchen in jedem Quartal bereits über 300 Patienten. Eine rasche Terminvergabe (in der Regel innerhalb von 4 Wochen) wird möglich gemacht um eine Behandlung zeitnah einleiten zu können.

Die Mitarbeiter verschiedenster Berufsgruppen der PIA schilderten kurz ihre Aufgabenfelder. Dipl.-Psychologin Stephanie Bauer beschrieb die Aufnahmeprozedur in der Tagesklinik. Dipl. Psychologin Antje Müller erklärte den Anwesenden die psychotherapeutische Grundhaltung gegenüber allen Patienten im Rahmen des Behandlungsprozesses.

Krankenschwester Bettina Zelmer erläuterte anhand von Patientenbeispielen die Funktion der Ambulanzschwester, während Fachkrankenpfleger Udo Herzog das System der Bezugspflege und verschiedene inaktive Gruppenangebote vorstellte. Dipl.-Sozialarbeiterin Julia Schwan erläuterte die Beratungsangebote zu verschiedenen sozial-rechtlichen und beruflichen Fragestellungen. Die Ergotherapeutin der Tagesklinik, Ulla Spach, beschrieb das Verfahren der Ergotherapie und die körperorientierten Therapieangebote.

Zusammenfassend ist die Integration multimodaler Behandlungsangebote das Gemeinsame der beiden sich ergänzenden Behandlungspfade (Tagesklinik und Instituts-Ambulanz). Neben der medikamentösen Behandlung können die Patienten psychotherapeutisch orientierte Angebote wahrnehmen. Im Alltag begleitet qualifiziertes Pflegepersonal die Patienten unter anderem in Form von Hausbesuchen.
„Wir haben ein bio-psycho-soziales Krankheitsverständnis“, fasste es Oberarzt Rüther zusammen. „Körper, Psyche und natürlich das soziale Umfeld, das ist unser Blickwinkel“. (gw)

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