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Nachricht vom 07.02.2018 - 06:50 Uhr    

Kinderparlament der Kita "Wirbelwind" zeigt wie es geht

In der Kindertagestätte Wirbelwind in Kirchen-Freusburg gibt es seit Oktober ein Kinderparlament. Während in Berlin jedoch auch noch drei Monate nach der Wahl über die Regierungsbildung verhandelt und diskutiert wird, waren die Nachwuchspolitiker in Freusburg schon sehr fleißig und es gibt Resultate.

Abstimmungen im Kinderparlament, da könnte so mancher von lernen. Foto: Kita

Kirchen-Freusburg. Am 14. Oktober sind Malin, Maxi, Benni und Salome ins Parlament gewählt worden. Mit Wahlversprechen wie „Mehr Milchreis für Alle!“; „Mehr Knete und Papier in der Gruppe!“; „Mehr Kinder in die Powerbude!“, sind sie in die Wahl gegangen, haben überzeugt und nur zwei Wochen danach sind diese Wahlversprechen auch schon umgesetzt. Diese vier Kinder, die Parlamentarier der Kita Wirbelwind, sind die Interessenvertretung für alle Kinder der Einrichtung.

Einmal die Woche treffen sie sich dafür zur Kita-Vollversammlung, der Kinderkonferenz. Dort haben die Erzieher jedoch nicht viel zu melden. Das Erfragen von Ideen und Bedürfnissen, das für Ruhe sorgen um vor einer großen Gruppe gehört zu werden, obliegt alleine in der Verantwortung der Kinder. Die Erzieher geben nur minimale Anreize. Die wichtigste Aufgabe der Erwachsenen ist es, sich raus zu halten. Und das fällt den Großen manchmal sogar ziemlich schwer. Am nächsten Tag trifft sich dann das Kinderparlament um die Vorschläge und Ideen der Vollversammlung zu besprechen und eine Entscheidung zu treffen.

So stand auch schon so manche Herausforderung auf der „to-do Liste“ der Nachwuchspolitiker. Die vier haben sich mit der Küchenfee Silke zusammengesetzt, und prompt durchgesetzt, dass diese nun mindestens einmal im Monat Milchreis und Pizza für die Kinder kocht. Die gesponserte Spielhütte des Fördervereins, wird auf Grund des Beschlusses der Kinder nun rosa und grün gestrichen. Dafür mussten sie sich auch erst einmal mit Vertretern des Fördervereins zusammensetzen und gemeinsam aushandeln, welche Möglichkeiten bestehen. Auch das Begleiten bei einem Bewerbungsgespräch, gemeinsam mit der Einrichtungsleitung, gehört zu den Aufgaben des Parlaments. Gemeinsam mit einer Erzieherin erstellen die Kinder vor einem Bewerbungsgespräch Fragen an den Bewerber/in und werden danach zu ihrer Meinung zu der jeweiligen Person befragt. Die Kinder sollen erfahren, dass ihre Meinung wichtig ist und ernst genommen und ggf. umgesetzt wird.

Damit jedes Kind im Kindergartenjahr auch einmal die Möglichkeit hat, ins Parlament zu kommen, ist jedes Parlament nur sechs Wochen Regierungsfähig, danach stehen wieder Neuwahlen an.

Für die Kinder ist das Entscheidungen treffen, Lösungen finden und auszuhandeln, die eigenen Interessen vor Anderen, sowohl Erwachsene als auch Kinder, zu vertreten und zu formulieren, zu einer Entscheidung mit allen Konsequenzen zu stehen, vor einer großen Gruppe zu sprechen, eine große Herausforderung und ein gutes Lernfeld seine eigenen Stärken und Grenzen zu erfahren. Hinzu kommt, dass sie lernen die gewünschten Dinge umzusetzen. Das heißt wenn mehr Knete gewünscht ist, wie komme ich an sie heran? Fahren wir einkaufen? Rufen wir einen Spielzeughersteller an? Auch diese Aufgaben übernehmen, begleitet durch die Erzieherin, die Kinder.

Die Kompetenzen die sie sich dabei erarbeiten, sind sicherlich nicht nur Fähigkeiten die sie auf die Schule vorbereiten, sondern welche die auch wir Erwachsenen in zwischenmenschlichen Beziehungen oder im Berufsalltag benötigen und uns nur allzu oft schwerfallen. So sagt z.B. Johanna, 5 Jahre alt: „Ich finde gut, dass wir da Sachen besprechen können, aber manchmal ist es auch anstrengend, weil wir lange zuhören müssen!“ Paula, 5 Jahre alt, sagt: “Ich finde gut, dass, ich mir Sachen für die Gruppe wünschen kann.“ Maximillian, 5 Jahre alt:“ Ich finde ganz gut, dass man die Kinder in der Konferenz drannehmen kann und die manchmal auf mich hören!“

Natürlich hat die Teilhabe und Mitbestimmung der Kinder auch ihre Grenzen. In sicherheitsrelevanten Angelegenheiten haben immer die Erzieher das letzte Wort. Es wurde z.B. gewünscht, dass die Erzieher ihre Erzieherstühle an die Kinder abtreten oder dass die Wände im Gruppenraum komplett neu gestrichen werden sollen. Dies bezüglich wurde von Erzieherseite ein klares Veto eingelegt, was aber mit einer nachvollziehbaren Erklärung für die Kinder hinnehmbar war.

Mittlerweile ist schon das zweite Parlament, bestehend aus Johanna B., Zoe M. , Janna M. und Lina–Emilia V. an der Regierung. Alle sind gespannt, welche harten Entscheidungen in dieser Regierungsperiode von unseren kleinen Nachwuchspolitikern gefällt werden. (PM)


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