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Nachricht vom 11.07.2018 - 19:01 Uhr    

Standortfragen: Stadtbürgermeister Berno Neuhoff geht in die Offensive

Es geht nicht voran in Wissen: Das Rathaus soll ins Katasteramt, das bisherige Grundstück des Rathauses für die Stadtentwicklung vermarktet werden. Wissen wartet auf das Land. Stadtbürgermeister Berno Neuhoff drängt nun bei Innenminister Roger Lewentz auf rasche Klärung – und präsentiert einen Vorschlag, der auch den drohenden Leerstand im Regio-Bahnhof beseitigen kann.

Wissens Stadtbürgermeister Berno Neuhoff will jetzt Antworten vom Land, damit es weiter geht in der Innenstadt. Im Regio-Bahnhof könnte die Verbandsgemeindeverwaltung ein Service-Center einrichten. (Foto: as)

Wissen. „Alles hängt mit allem zusammen.“ Ob man diesen Satz nun vom Universalgelehrten Alexander von Humboldt nimmt oder vielleicht doch eher vom Fußball-Philosophen Dettmar Cramer: Selten war er so treffend wie bei der Entwicklung der Stadt Wissen. Und deshalb fiel er am Dienstagvormittag (10. Juli) auch einige Male. Stadtbürgermeister Berno Neuhoff, in diesen Tagen seit einem Jahr im Amt, hatte zu einem Pressegespräch in das Bistro „lakö“ im Regio-Bahnhof geladen. Auf der Agenda: drei Fragezeichen – eines über eben diesem Bahnhof, eines über dem bisherigen Rathaus, eines über dem möglichen neuen. Mit einer einzigen Antwort aus Mainz lassen sich auch die anderen beiden auflösen. Neuhoff drängt jetzt offensiv auf genau diese Antwort.

Was hängt also womit zusammen?
• Das „lakö“ schließt zum Jahresende. Der AK-Kurier berichtete hierzu. Die seit März dauernde Suche nach einem Nachmieter für die beiden Ladenlokale mit einer Gesamtfläche von rund 320 Quadratmetern plus Terrasse lief bisher erfolglos. Weder namhafte Bäckereiketten noch Systemgastronomien können sich für den Standort begeistern, auch Interessenten aus der örtlichen Gastro-Szene haben abgewunken – aus ebenso unterschiedlichen wie nachvollziehbaren Gründen: Mal war es die Parkplatzfrage, mal der Mangel an verfügbaren Fachkräften, mal spielte die Gesundheit des Interessenten nicht mit. Auch Kontakte mit dem Hotel- und Gaststättenverband seien nicht zielführend gewesen. Zudem habe sich die Gastronomie-Landschaft in Wissen verändert, konstatierte Neuhoff. Derzeit wird die Suche mit Hilfe eines Gastronomie-Experten nochmals intensiviert. Die Zuversicht bei Neuhoff ist allerdings nicht sehr ausgeprägt.

• In der Schlossstraße, fußläufig in weniger als fünf Minuten vom Bahnhof aus erreichbar, wartet das ehemalige Katasteramt – eine Immobilie des Landes – auf seine Zukunft. Der Wissener Verbandsgemeinderat hat sich dazu klar positioniert: Es soll das neue Rathaus sein, es bräuchte allerdings noch einen kleinen Anbau. Allein: Es geht nicht voran beim Land. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier prüft derzeit die Bezuschussung und die so genannten Lebenszykluskosten – allerdings nicht nur die für eine Nutzung des Katasteramtes, sondern auch weiterhin die eines Neubaus und einer Komplettsanierung des bisherigen Rathauses. Beim Land bzw. der ADD schiebt man gerne den Landesrechnungshof vor, der derlei Projekte peinlich genau begutachtet. Zuviel Geld hat das Land offensichtlich über die Jahrzehnte verbrannt. Gleichwohl: Seit eineinhalb Jahren kommt man zu keinem Ergebnis. Und davon hat Stadtbürgermeister Berno Neuhoff „mittlerweile die Schnauze gestrichen voll.“ Bevölkerung und Mitarbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung hätten nach über zehn Jahren endlich Klarheit verdient und ein Recht darauf, zu wissen, wohin die Reise geht, vor allem vor dem Hintergrund, dass man sich (partei-)politisch einig sei in Wissen: Einen Neubau wird es nicht geben. Und ein „Zurück“ zum Standort Rathausstraße ebenfalls nicht. Neuhoff: „Die Verantwortung, dass es nicht weiter geht, liegt nicht bei Stadt und Verbandsgemeinde.“

• Und so kommt ein weiteres Glied der Wirkungskette ins Spiel: Das heutige Rathausareal gilt als Filetstück für die Stadtentwicklung. Sowohl Handel als auch innerstädtisches – beispielsweise barrierefreies – Wohnen sind dort nicht nur denkbar. Es gibt auch konkrete Interessenten, insbesondere aus dem Bereich des Handels, die ihre Planungen in den städtischen Gremien bereits vorgestellt haben und somit zur Entwicklung und Belebung der Innenstadt beitragen können und wollen. Namentlich sind dies die Discounter Netto und Norma, Neuhoff sprach zudem von weiteren Investoren. Allerdings: Mögliche Investoren warten eben nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, an dem vom Land endlich grünes Licht kommt für den Rathausstandort Schlossstraße. Zudem: Alles, was in der Rathausstraße geschieht – Sanierung und Ausbau stehen bekanntlich an –, muss immer auch mit Blick auf das Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ betrachtet werden, das nur noch bis 2022 läuft. Und mit einem neuen Eigentümer des Rathausgrundstücks gebe es auch einen weiteren Zahler von Anliegerbeiträgen im Zuge des Ausbaus.

Was jetzt passieren soll
Stadtbürgermeister Berno Neuhoff will den städtischen Gremien nun einen Vorschlag machen, der am Ende zu einer Win-win-Situation für die Stadt als Bahnhofseigentümerin und die Verbandsgemeinde führen soll. Er wird der Verbandsgemeinde die beiden derzeitigen „lakö“-Lokale zur Miete anbieten. Das Ziel: Die Verbandsgemeinde kann dort die publikumsträchtigen Bereiche der Verwaltung unterbringen, beispielsweise ein Bürgerbüro oder Service-Center mit Pass- und Meldewesen und anderen bürgernahen Leistungen. „Mit der benachbarten Post, dem Bahnschalter und der Wisserland-Touristik kann ein kleines Dienstleistungszentrum entstehen“, so Neuhoff – das alles obendrein barrierefrei. Stichwort Bürgernähe: Die Verwaltungsbereiche, die häufig und unmittelbar von den Bürgern genutzt werden, rückten damit in die Innenstadt. Die Stadt hätte keinen Leerstand im Bahnhof, sondern eine wirtschaftlich sichere und dauerhafte Lösung. Obendrein könnte man auf Seiten der Verbandsgemeinde nach seiner Ansicht auf einen Anbau beim Katasteramt verzichten, benötigt dort nicht nur weniger Parkplätze, sondern spart auch Geld für den nötigen Ankauf benachbarter Flächen. Zudem schaffe man eine Perspektive für das derzeitige Rathausgrundstück und die weitere Innenstadtentwicklung: „Wissen braucht Impulse am alten Rathausplatz, um neue Planungen umzusetzen und der Stadt an dieser Stelle ein neues Gesicht zu geben.“ Dazu muss aber eben zuerst die Standortentscheidung für die Verwaltung fallen. Das Land ist am Zug.

Brandbrief an Innenminister Lewentz
Allerdings will Neuhoff es eben nicht bei den Vorschlägen an Stadt- und Verbandsgemeinderat belassen. In einem „Brandbrief“ an Innenminister Roger Lewentz, der auch an Landrat Michael Lieber un die Landtagsabgeordneten Peter Enders (CDU) und Heijo Höfer (SPD) gehen wird, drängt er auf eine schnelle Entscheidung auf Landesseite in Sachen Rathaus zugunsten des Katasteramtes. Schnell heißt dabei: im Herbst 2018. Dazu will er bei Lewentz um ein Gespräch auf höchster Ebene bitten. Die Endlos-Prüfungen blockierten die komplette Stadtentwicklung: „Eine weitere ‚Nichtentscheidung‘ ist für die Stadt als Mittelzentrum und Sitz der Verbandsgemeinde Wissen inakzeptabel und wird nicht tatenlos hingenommen, denn sie führt zu einem weiteren Leerstand und kostet den Steuerzahler im Übrigen viel Geld.“

Zwar habe er Verständnis für detailreichen Kostenprüfungen. Allerdings: „In Wissen gibt es den klaren politischen Willen für das Katasteramt und gegen einen Neubau. Die Verbandsgemeinde Wissen ist bereit, dem Land eine leer stehende Immobilie abzunehmen, die Stadt könnte eine Immobilie wiederum an die Verbandsgemeinde vermieten. Auch das muss der Rechnungshof werten“, so Neuhoff. Ergo: Was bringen die besten Lebenszykluskosten für einen Neubau, wenn am anderen Ende der Stadt Gebäude und Ladenflächen der öffentlichen Hand leer stehen? Vor diesem Hintergrund hält er eine Entscheidung der städtischen Gremien und ein formales Mietangebot der Stadt an die Verbandsgemeinde und Abgabe einer entsprechenden Willenserklärung in den nächsten Monaten für denkbar und sinnvoll. (as)

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Kommentare zu: Standortfragen: Stadtbürgermeister Berno Neuhoff geht in die Offensive

3 Kommentare

win win win?
Bürokratieabbau = Demokratieabbau !
Wo bitte ist da der Gewinn für alle?
Viele haben es offenbar immer noch nicht verstanden.
Wenn wir irgendwann alle zum Bereich "Nördliches Rheinland-Pfalz" zusammengefasst sind und uns einen einzigen "Ansprechpartner" für ein halbes Bundesland teilen müssen, hat es vielleicht ja auch der Letzte dann mal endlich geschnallt.

Sollte die Zusammenlegung mit Hamm doch kommen, sollten bis dahin viele weitere objektiv überzeugende Gründe gefunden werden, das Zentrum auch der neuen VG in Wissen zu halten (eigentlich keine Frage).

#3 von Ingeborg Merzhäuser, am 12.07.2018 um 07:32 Uhr
Eine sehr löbliche Überlegung seitens Herrn Neuhoff: Aber ist es nicht sinnvoll die Verhandlungen mit der VG Hamm zwecks einer Fusion zu intensivieren um hier die von Herrn Schmidt benannte WIn Win Win Situation abzuklopfen? Hiervon ist in dem Artikel keine Rede und wird scheinbar von Herrn Neuhoff nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Wenn eine solche Fusion noch aktuell sein sollte und diese in den jetzigen Planungen einfach ausgespart wird - dann kommt meines Erachtens nach der "dicke Knall" bei einer möglichen Zwangsfusion in 10 oder 20 Jahren und es wird noch mehr Geld verbrannt, weil dann wiederum Teile der Aufgaben einer VG Hamm/Wissen oder Wissen/Hamm wieder aufgeteilt werden!
#2 von Klaus Rödder, am 11.07.2018 um 14:36 Uhr
Der Vorschlag des Stadtbürgermeisters Berno Neuhoff ist allemal eine Überlegung wert. Niemand zweifelt wohl an der Notwendigkeit einer Verbesserung der räumlichen Verhältnisse der Rathausmitarbeiter.
Und den Kritikern einer dezentralen Unterbringung der Verwaltung sei nahegelegt sich vorab bei anderen Kommunen über deren Erfahrungen zu informieren.

Aber es gibt auch noch eine weitere Möglichkeit, die zu einer WIN,WIN,WiN Chance für Stadt, Verbandsgemeinde und Kreis werden könnte.
Niemand diskutiert bisher in der Öffentlichkeit über die zukünftige Verwendung des Realschulgebäudes, das im Eigentum des Kreises steht. Die Erhaltung des Ist-Zustandes verursacht auch Kosten und wehe wenn die ersten Fensterscheiben kaputt geworfen sind.
Die Kreisverwaltung lagert jetzt schon Sachgebiete in angemietete bzw. gekaufte Immobilien mangels Platz im Hauptgebäude um.
Durch Outsourcing der größten Abteilung mit annähernd 100 Mitarbeiter nach Wissen, wären diese Platzprobleme gelöst.
Zusammen mit dem Rathaus Wissen und interessierten Dienstleistern wäre allen geholfen.
Eine gemeinschaftliche Bewirtschaftung des Gebäudes sowie die Nutzung des Schützenplatzes als Parkplatz kann man vertraglich klären.
Die Verantwortlichen im Kreis und Verbandsgemeinde sollten sicht ernsthaft mit dieser Alternative beschäftigen.

#1 von Michael Schmidt, am 11.07.2018 um 13:28 Uhr

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