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Agentur spricht von “entspanntem Arbeitsmarkt”

Nachdem die Erwerbslosigkeit im Juli wieder etwas angestiegen war - vor allem, nachdem junge Leute sich im Anschluss an eine schulische und betriebliche Ausbildung arbeitslos melden mussten – ging der regionale Arbeitsmarkt nach Auffassung der Agentur für Arbeit in Montabaur im August wieder auf „Entspannungskurs“. Insgesamt 7892 Personen waren demnach im Bezirk der Agentur (Westerwald- und Rhein-Lahn-Kreis) ohne Arbeit, das ist eine Quote von 4,6 Prozent. Im Vormonat waren es 8240 Arbeitslose (4,8 Prozent). Im August 2009 lag die Quote bei 5,5 Prozent, das waren 1597 Arbeitslose mehr.
Agentur spricht von “entspanntem Arbeitsmarkt”

Die Zahlen zum Arbeitsmarkt im Westerwaldkreis im August 2010. (Grafiken: Agentur für Arbeit Montabaur)

Montabaur. Die Situation am Arbeitsmarkt hat sich in den beiden Landkreisen Westerwald und Rhein-Lahn, dem Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit Montabaur, verbessert, allerdings unterschiedlich ausgeprägt. Der Rhein-Lahn-Kreis hatte bereits im Juli eine Quote von 4,6 Prozent. Sie sank nun auf 4,5 Prozent; vor einem Jahr hatte sie mit 4,9 schon unter der 5-Prozentmarke gelegen. An Rhein und Lahn haben derzeit 2885 Männer und Frauen keinen Job — das sind 40 weniger als im Juli und 269 weniger als im August 2010.

Im Westerwaldkreis sank die Quote im Monatsverlauf von 4,9 auf 4,6 Prozent, vor einem Jahr waren es 5,9 Prozent. Derzeit sind hier 5007 Menschen ohne Beschäftigung — 308 weniger als vor einem Monat und 1328 weniger als vor einem Jahr. Hier ist die Entlastung also sehr viel größer als bei den Nachbarn. Dies belegt einmal mehr, dass der Westerwaldkreis mit seinen Produktionsbetrieben viel stärker von der Wirtschaftskrise betroffen war als der pflege- und dienstleistungsorientierte Rhein-Lahn-Kreis.

Im Vergleich zum Vormonat schrumpfte die Zahl neuer Arbeitslosmeldungen von 674 auf 292. Gleichzeitig endete für 414 Personen die Zeit der Arbeitslosigkeit, weil sie einen Schul- oder Studienplatz bzw. eine Lehrstelle gefunden haben; im Juli waren es nur 20. „Vor allem diese Fluktuation mit positivem Saldo trug dazu bei, dass die Situation am Arbeitsmarkt sich im August entspannte“, sagt Agenturleiterin Heike Strack. „Nun kann die kontinuierlich gute Entwicklung der Vormonate sich fortsetzen.“ Auch im vergangenen Monat sind demnach mehr Menschen aus der Arbeitslosigkeit in einen neuen Job gegangen als umgekehrt. “Diese Tendenz verfestigt sich und ist ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Erholung“, so Strack.

Zuvor war der massive Auftragsrückgang vor allem im produzierenden Gewerbe zu Buche geschlagen, das immer noch eine Domäne der Männer ist. Sie hatten weitaus stärker unter der globalen Krise zu leiden als die Frauen. Andererseits profitieren sie jetzt in erster Linie von dem laut Arbeitsagentur “erfreulich raschen und ausgeprägten Konjunkturschub”. Das zeige vor allem der Vergleich zum Vorjahr: Gegenüber August 2010 ging die Zahl der Männer ohne Job um mehr als 20 Prozent zurück, bei den Frauen sind es knapp 13 Prozent. Größter „Gewinner“ sind junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. Bei ihnen verringerte sich die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres um mehr als 37 Prozent.

„In dieses Bild passt, dass der Arbeitsagentur deutlich mehr Stellen gemeldet werden“, erklärt Heike Strack. Mit 622 im zu Ende gehenden Monat waren es 149 mehr als im August 2009. Seit Jahresbeginn kamen insgesamt 5099 Jobangebote herein — 1063 mehr als im gleichen Zeitraum 2009. Seit Monaten liegt der Stellenbestand oberhalb der Tausendermarke, derzeit sind es 1150. „All dies zeigt uns, dass Personal gebraucht wird“, folgert die Agenturleiterin. „Wir freuen uns natürlich über sinkende Erwerbslosenzahlen, dürfen aber nicht die Kehrseite der Medaille vernachlässigen: Für die Betriebe wird es immer schwieriger, geeignete Kräfte zu finden.“

Ein richtiges „Rezept“ zukunftssichernder Personalpolitik sei die Ausbildung, betont die Agenturleiterin. „Aber sie allein wird den Bedarf nicht decken können – wir alle kennen die demographische Entwicklung.” Es gelte, verstärkt Potenziale zu wecken. Dazu zählten zum Beispiel die Langzeitarbeitslosen. Sie bleiben von der guten Entwicklung bislang offenbar ausgeschlossen und stellen mit 1970 Personen exakt ein Viertel aller Arbeitslosen. Heike Strack: „Diese Menschen müssen aktiviert und qualifiziert werden, um am Berufsleben teilnehmen zu können. Das hilft nicht nur ihnen selbst, sondern der ganzen Gesellschaft!“

Was die weiteren Aussichten für das Konjunkturbarometer angeht, warnt Heike Strack allerdings vor Euphorie: „Es gibt Aspekte, die bremsend wirken könnten und eine Vorhersage schwierig machen. So laufen sämtliche Konjunkturprogramme in diesem Jahr aus. Außerdem ist noch nicht abzusehen, wie stabil die Exportnachfrage sich gestaltet. Andererseits springt nach längerem Zögern jetzt auch der private Konsum an. Dass die Verbraucher wieder mehr Geld ausgeben, kann zum stützenden und verstärkenden Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung werden.“
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