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Warnstreik bei Faurecia Scheuerfeld vermutlich erfolgreich
Warnstreik bei Faurecia Scheuerfeld: Der Kampf um die Arbeitsplätze hatte am Dienstag deutlich an Fahrt aufgenommen, zumal sich die Konzernspitze völlig unbeweglich zeigte. Die IG Metall und der Betriebsrat setzten ein Zeichen. Die Verhandlungen führten dann am späten Abend zu einem Ergebnis, das heute in einer Pressekonferenz in Betzdorf ausführlich dargestellt wird.
Betriebsratsvorsitzender Volker Knautz rief zur Besonnenheit auf. Fotos: annaScheuerfeld. Die Situation bei Faurecia stand Dienstag, 5. Februar derart "Spitz auf Knopf", dass die IG Metall und der Betriebsrat sich kurzfristig entschlossen hatten, während der laufenden Verhandlungen nochmals einen Warnstreik am Nachmittag durchzuführen. Der sollte um 15 Uhr beginnen, wurde dann aber kurzerhand vorgezogen, da LKWs vorgefahren waren um Waren abzuholen.

Der IG Metall Bevollmächtigte Claif Schminke sprach mit dem Fahrer und erklärte die Situation. Dieser zeigte sich solidarisch und fuhr sein Fahrzeug zurück auf Warteposition. Der Warenrückhalt sei ihr Pfand, so Schminke. Derzeit befinde man sich in einer hoch empfindlichen Phase. Die Geschäftsleitung wolle die Sozialpläne herunter fahren und habe die Belegschaft vor die Wahl gestellt, die „Giftliste“ anzunehmen oder das Werk werde geschlossen.
Dann würden 530 Menschen ihre Arbeit verlieren, sowohl die Stammbelegschaft, wie die Befristeten und die Leiharbeiter. Man wolle keinen Abriss des Unternehmens. Die IG Metall erwarte für ihre Leute, dass so viel wie möglich weiter vor Ort beschäftigt bleiben und dies zu annehmbaren Konditionen. Die Menschen müssten schließlich von ihrer Arbeit leben können.
Eine Werksschließung in Deutschland käme den Konzern billiger, als eine Schließung in Frankreich. Auch darum wolle man kämpfen und ein politisches Zeichen setzten, denn dass könne in einem einheitlichen Europa so nicht hingenommen werden, erklärte Schminke.
Am vorausgegangenen Donnerstag hatten die Verhandlungen zwischen der Belegschaft, vertreten durch Betriebsrat und IG Metall, sowie der Geschäftsleitung begonnen. Ein Ergebnis konnte nicht erzielt werden.

Dienstagvormittag wurde eine Betriebsversammlung anberaumt, von der Uwe Zabel (Gewerkschaftssekretär Bezirk Mitte) später während des Warnstreiks sagte, dass er noch nie eine derart lange Betriebsversammlung erlebt habe und lobte das Verhalten der Belegschaft. Er gehe davon aus, so Zabel, in den weiteren Verhandlungen ein Angebot der Arbeitgeberseite zu bekommen.
Der Stillegungsbeschluß müsse zurückgenommen werden ebenso wie die „Giftliste“ und stellte die Frage: „Wo sind wir angekommen, wenn die Arbeitnehmer nun schon für ihre Arbeitsplätze bezahlen sollen“? Der Konzern habe mit einer solchen Machtauseinandersetzung der Belegschaft einer kleinen Zentrale nicht gerechnet. Man werde ab sofort Wachposten aufstellen, um das Beladen von LKWs zu verhindern, nach einem erfolgreichen Abschluss könnten diese dann beladen werden.

Der Betriebsratsvorsitzende Volker Knautz meinte in Richtung der Geschäftsleitung: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“. Gleichzeitig appellierte er an die Belegschaft, Ruhe zu bewahren und Besonnenheit. Niemand solle durch unüberlegtes Handeln der Geschäftsführung eine Steilvorlage liefern.

Knautz begrüßte die Kollegen der Firma Rexnord, die an dem Warnstreik teilnahmen und bedankte sich für deren Solidaritätsbekundung. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Yüksel Ötztürk bekräftigte nochmal, dass kein Teil das Werk verlassen werde, so lange nicht eine Einigung erzielt worden sei. Die Kollegen bei Daimler, Volvo und Opel müssten dies verstehen. Zabel verlas eine E-Mail von seinem Handy, worin die Opelmitarbeiter den Kollegen von Faurecia ihre Solidarität bekundeten und Mut zum Durchhalten machten.

Schminke versicherte, dass er der erste sei, der mit anpacken werde um einen LKW zu beladen, sobald ein akzeptables Verhandlungsergebnis vorliege. Man stehe zwar in der Kälte, doch im inneren des Gebäudes herrsche auch Kälte, eine soziale Kälte. Schminke erinnerte nochmals an die Solidarität auch aus den Reihen der Politik.
So waren am Vormittag MdB Sabine Bätzing-Lichtenthäler, MdB Erwin Rüddel, MdL Michael Wäschenbach, Landrat Michael Lieber, Bürgermeister Bernd Brato und die Ortsbürgermeisterin Kathrin Klein vor Ort gewesen. Die Ministerpräsidentin Malu Dreyer habe sogar einen schriftlichen Appell nach Frankreich zur Konzernzentrale gesendet.

Gerardo Tulimero bekundete ebenfalls die Solidarität der Belegschaft von Rexnord mit den Leuten von Faurecia. Wir werden mit euch marschieren und wir werden einen ganzen Tag für euch grillen. „Gemeinsam sind wir stark“.

Schminke bedankte sich und meinte es sei gut zu wissen, dass man nicht alleine steht. Er erklärte, er habe die Nase voll davon immer zu hören die Mitarbeiter seien zu teuer. Es sei erwiesen, dass die Manager viele Fehler machten, die die Unternehmen eine Menge Geld kosteten.

Zudem findet Schminke es eine Schweinerei, dass man immer versuche die Kollegen in Europa gegeneinander aufzuhetzen. „Wir sind ein Europa und brauchen da keine französischen Unruhestifter“. An der Schließung des Werkes hänge noch viel mehr, das beträfe den Bäcker und den Metzger, die Gastronomie und weitere Geschäftsleute. Damit blute die Region immer mehr aus. „In diesem großen Betrieb ist nichts kaputt gegangen, niemand ist beleidigt worden. Wir haben mit den Füßen abgestimmt und gesagt was wir wollen. Zukunft für Faurecia“.
Am späten Abend wurde eine Einigung erzielt, die heute in einer Pressekonferenz in Betzdorf ausführlich vorgestellt wird. Dazu werden wir nachberichten. (anna)
       
       
Nachricht vom 06.02.2013 www.ak-kurier.de