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Interview gewährt Einblicke in Start-up Placing-You
Wer hätte gedacht, dass mitten in der ländlichen Region ein hoch modernes Start-up entstehen könnte? Doch Daniel Maron stellte sich der Herausforderung und gründete Placing-You, dessen Hauptsitz in Betzdorf im WW-Lab ist. Die Kuriere führten ein Interview mit ihm und seinem Programmierer und Kollegen Mathis Haane.
v.l. Christopher Ebert (App-Entwicklung, Programmierung), Mathis Haane, Daniel Maron, Felix Thönnessen und Hartmut Lösch gehören zum Team von Placing-You Foto: jkhBetzdorf. Die Räumlichkeiten des WW-Labs entsprechen etwa den Vorstellungen einer typischen Start-up Atmosphäre. Die Möbel passen nicht ganz zusammen. Es gibt einen Konferenzraum, aber auch eine gemütliche Launch. Die technische Ausrüstung ist jedoch hoch modern. „Wollen wir uns auf die Couch setzen oder lieber in den Konferenzraum gehen“, fragte Daniel Maron, Geschäftsführer und Gründer von Placing-You. Den Konferenzraum schmückt ein großes Graffiti an der Wand. Junge dynamische Leute gehören zu dem Team. Daniel Maron ist 28 Jahre alt, kommt aus Kreuztal und ist gelernter Hörakustiker. Sein Kollege Mathis Haane ist 25 Jahre alt. Er kommt aus Köln und ist studierter Informatiker. Mitten in einer ländlichen Region gibt es nun ein Start-up. Placing-You wurde am 12. Juni letztes Jahr gegründet und stellt eine Jobvermittlungsplattform 4.0 in der Hörgeräteakustik und Augenoptik Branche dar.

Daniel Maron und Mathis Haane gaben den Kurieren ein Interview.

Kuriere: Herr Maron, wie kamen Sie darauf ein Start-up zu gründen?

Daniel Maron: Ich hatte auf eine Annonce hin ein Vorstellungsgespräch bei einem drei Stunden entfernten Fachgeschäft bekommen. In der Annonce stand „Modernes Fachgeschäft und gute Bezahlung“. Dies stellte sich jedoch als falsch heraus. Das Fachgeschäft wurde ca. 20 Jahre lang nicht renoviert und auch die Bezahlung war schlecht. Es wurden mir damals 1.650 Euro Brutto angeboten. Es war eine reine Zeitverschwendung für mich und auch den Inhaber. Damals dachte ich mir: ‚Wenn ich dies doch schon vorher gewusst hätte.‘ Zudem geht man nach der Lehre auch oft als Verlierer aus dem Bewerbungsgespräch hervor. Der Personalleiter verfügt doch meist über viel mehr Erfahrung.
Nach einiger Recherche wurde mir bewusst: Dies bekommt man doch viel besser und anonymer hin. Daraufhin kam immer mehr die Idee zu Placing-You auf. Während der Meisterschule habe ich mich mit zwei anderen hingesetzt und ein paar Ideen dazu erläutert. Auch wenn diese letztendlich nicht lange mitmachten, war ich seither infiziert von Placing-You. Anschließend habe ich die Meisterschule abgebrochen, um mehr auf das Projekt eingehen zu können.

Kuriere: Wie haben Sie die Finanzierung in den Griff bekommen? Gerade bei Start-ups ist dies oft ein Knackpunkt.

Daniel Maron: Dies war nie richtig ein Problem gewesen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres haben wir bereits einen sechs Stelligen Umsatz erwirtschaftet. Schon am Anfang war es ein Selbstläufer gewesen. Es hat schnell die Runde gemacht. Bereits als wir nur eine provisorische Internetseite hatten, wurde beispielsweise in Dänemark schon über uns auf Weiterbildungen geredet. Wir hatten schnell einige Kunden gewonnen und so nahm das Ganze seinen Lauf.

Kuriere: Herr Haane, wie kamen Sie auf Placing-You bzw. wie lernten Sie Daniel Maron kennen?

Mathis Haane: Ich habe Daniel über Hartmut Lösch, dem Gründer und Besitzer des Westerwaldlabs, in welchem wir auch unser Büro angesiedelt haben, kennen gelernt. Dann erzählte Hartmut mir von ein paar Jungs, die eine Geschäftsidee rund um die Personalvermittlung in der Hörakustik und Augenoptik planten. Das Team suchte einen Programmierer. Kurze Zeit später hatte ich mein erstes Treffen mit Daniel. Zu dem Zeitpunkt entschied ich mich jedoch gegen das aktive Mitwirken bei Placing-You, da ich mich auf meine Bachelorarbeit konzentrieren wollte. Anfang dieses Jahres konnte ich dann als Teilhaber bei Placing-You einsteigen.

Kuriere: Hätten Sie während des Studiums der Informatik gedacht, dass sie anschließend bei einem Start-up arbeiten werden?

Mathis Haane: Durchaus. Ich hatte definitiv geplant „Start-Up Atmosphäre" zu schnuppern, da ich mich auch privat für die „Gründerszene" interessierte. Dass ich jedoch direkt als Teilhaber aktiv werden würde, hätte ich nicht gedacht.

Kuriere: Ist das Start-up und dessen Programmierung eine Herausforderung für Sie?

Mathis Haane: Ich denke jedes größere bzw. umfangreichere Projekt stellt eine Herausforderung dar. Gerade am Anfang sollte man sich Gedanken machen, wie bzw. mit welchen Mitteln die Idee in die Tat umgesetzt werden könnte.
Bei Placing-You kam zusätzlich hinzu, dass es eigentlich noch keinerlei Vorgaben gab. So beschränkte sich mein Aufgabenbereich nicht nur auf das Programmieren, sondern auch das auswählen bzw. einführen gewisser Tools und Methoden.

Kuriere: Was war der erste spürbare Erfolg?

Mathis Haane: Der für mich erste, größere Erfolg war es, die halbfertige Version, die ich von dem vorherigen Programmierer übernommen hatte, auf meiner lokalen Entwicklungsumgebung lauffähig zu bekommen.

Daniel Maron: Als von jedermann, den man zu der Idee ansprach, positives Feedback zurückkam, ob Optiker, Hörakustiker oder Bekannte. Dann konnten wir ja sogar Felix Thönnessen überzeugen und natürlich der erste Umsatz, der reinkam.

Kuriere: Apropos, wie kamen Sie denn zu Felix Thönnessen? Er ist nicht gerade ein unbekanntes Gesicht, wenn es um Gründungen und Start-ups geht. Sogar bei der Sendung „Die Höhle der Löwen“ war er dabei.

Daniel Maron: Ich habe ihn auf Facebook angeschrieben. Dann haben wir uns in Düsseldorf getroffen. Er fand Placing-You direkt interessant. Vor allem, denke ich, konnten wir damit Punkten, dass wir beide Seiten – Arbeitgeber und –nehmer- gleichermaßen und gerecht abdecken. Dies ist bisher noch niemandem gelungen. Somit haben wir ihn mit ins Boot holen können.

Kuriere: Gab es auch Niederlagen? Bisher hörte es sich nach einer steilen Erfolgskurve an.

Daniel Maron: Natürlich gab es auch Niederlagen. Es war vor allem entmutigend, dass meine Partner schnell wieder aufgaben und das Projekt wieder verließen. Zudem fand ich erst keinen Programmierer. Mathis steckte damals noch im Studium und wollte sich auch darauf konzentrieren, wie er bereits erwähnte. Das akzeptierte ich, aber einen Programmierer fest einzustellen, konnte ich mir auch nicht leisten. Jetzt nachdem Mathis seinen Bachelor in der Tasche hat, ist dies jedoch kein Problem mehr und die Erfolgskurve steigt wieder an.

Mathis Haane: Mehr oder minder. Ich würde es eher als „Enttäuschung" bezeichnen, und zwar als ich die ersten Gespräche mit dem bis dato federführenden Entwickler über die Übernahme der Entwicklung bei Placing-You sprach und sich herausstellte, dass er sich gegen das von mir präferierte Grundgerüst der Website entschied.

Kuriere: Hätten Sie mit der Erfahrung von heute nochmal alles so gemacht?

Mathis Haane: Nein, ich denke nicht. Aus der Retrospektive hätte sicherlich ein paar Entscheidungen noch besser getroffen werden können, aber wie sagt man so schön: ,Nachher ist man immer schlauer‘. Wichtig ist es, dass wir daraus lernen und diese Erfahrung in Zukunft sinnvoll einsetzen können. Aber in der Summe bin ich zufrieden, denn es hätten oft auch weitaus schlechter Entscheidungen getroffen werden können.

Daniel Maron: Ja das stimmt, wahrscheinlich würden wir schneller zu dem heutigen Punkt kommen.

Kuriere: Haben Sie auch Kunden hier aus der Region?

Daniel Maron: Ja, einige Arbeitnehmer und auch Arbeitgeber aus dem Siegener Raum, aber auch im Kreis Neuwied. Hier auf dem Land gibt es jedoch nicht so viele Fachgeschäfte. Wer sich aufgrund des Interviews bei uns anmeldet, egal ob Arbeitnehmer oder –geber, schenke ich einen Gutschein für ein Eis.

Kuriere: Ist das Ihr ernst?

Daniel Maron: Ja natürlich, ich stehe zu meinem Wort. Mir liegt vor allem das Wohl der Kunden am Herzen. Einmal haben wir auch einer 62-jährigen Dame geholfen. Sie war so unglücklich und wollte gerne nochmal den Job wechseln. In dem Alter ist das jedoch nicht so einfach. Daraufhin verzichteten wir auf einen Teil der Provision und legten alles daran sie zu vermitteln. Dies war mir auch persönlich wichtig. Nun sind alle glücklich – ihr neuer Arbeitgeber und sie selbst auch.

Kuriere: Was sind Ihre Ziele und Wünsche für die Zukunft?

Daniel Maron: Die Grundsätze von Placng-You immer beibehalten zu können und fair zu bleiben. Ganz nach meinem Leitsatz: ‚Wir arbeiten nicht für Kunden und Benutzer, sondern mit Kunden und Benutzern.‘

Kuriere: Danke für das Interview.

Das Interview führte Julia Heinz
Nachricht vom 19.06.2017 www.ak-kurier.de