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Nachricht vom 04.06.2026    

Vor 230 Jahren: Kanonendonner über dem Westerwald – als Altenkirchen zum Schlachtfeld Europas wurde

Von Axel Griebling

Wer dem Arc de Triomphe in Paris einen Besuch abstattet, entdeckt – eingemeißelt zwischen Biberach, Schliengen und Kehl – auf dem nördlichen Pfeiler dieses imposanten Denkmals den Namen Altenkirchen. Denn in der heutigen Kreisstadt fand vor 230 Jahren die Schlacht bei Altenkirchen statt, deren Ausgang ein wesentlicher Meilenstein für den Fortbestand der Französischen Revolution und den Ausgang des Ersten Koalitionskriegs war.

Schlacht bei Altenkirchen 1796. (KI-generiert)

Altenkirchen. Am 4. Juni 1796 wurde die Idylle der Einwohner von Altenkirchen jäh unterbrochen. Von einer Anhöhe oberhalb der Ortsgemeinde Almersbach aus feuerten zehn Kanonen der kaiserlich-österreichischen Armee mit geballter Kraft auf die Truppen der französischen Revolutionsarmee hinab. Ihr Ziel: das Vorrücken der Franzosen auf die heutige Kreisstadt zu verhindern.

Das strategische Ablenkungsmanöver
Die französische Sambre-Maas-Armee hatte zwei Tage zuvor bei Neuwied den Rhein überquert. Die Aufgabe dieser Armeeeinheit war strategischer Natur, denn sie sollte die Österreicher ablenken und so lange in Kämpfe verwickeln, bis die französische Rhein-Mosel-Armee bei Kehl ungehindert den Rhein überqueren und nach Süddeutschland vorstoßen konnte. Dadurch erhoffte man sich, den Ersten Koalitionskrieg vorzeitig beenden zu können. Hintergrund dieses Krieges war die Furcht der westlichen Adelshäuser, dass die Ideen der Französischen Revolution auf ganz Europa überspringen und ihre Herrschaft gefährden könnten.

Der taktische Fehler der Österreicher
Das Kräfteverhältnis von etwa 20.000 Franzosen gegen 10.000 Österreicher bei Altenkirchen, die von Truppen aus Darmstadt und Württemberg unterstützt wurden, bedurfte für die Österreicher einer besonderen Taktik. So postierten sich die österreichischen Soldaten in einer Frontlinie, die von Almersbach bis Hilgenroth reichte, in der Hoffnung, die französische Armee so in viele Einzelgefechte verwickeln zu können. Doch diese Aufstellung erwies sich als Fehler, denn die Franzosen griffen die Österreicher an drei Positionen bei Altenkirchen, Kroppach und Hilgenroth an und schnitten dadurch die Verbindungen der österreichischen Truppen untereinander ab. Die zehn Kanonen bei Almersbach wurden von einer französischen Kavallerieeinheit im Handstreich erobert. Die Reiter überquerten die Wied mit ihren Pferden, statt – wie von den Verteidigern erwartet – die bewachte Wiedbrücke zu passieren.



Flucht, Plünderungen und Flammen im Westerwald
Den Österreichern blieb nichts anderes übrig, als ihr Heil in der Flucht zu suchen. Ein Teil floh über die Köln-Frankfurter Straße, ein anderer folgte über die Köln-Leipziger Straße nach Hachenburg, um von dort über die Westerwälder Seenplatte weiter zum vereinbarten Treffpunkt nach Freilingen zu gelangen. Die Bilanz dieser Schlacht war verheerend: mehr als 2.000 gefallene oder gefangene österreichische und etwa 150 getötete französische Soldaten. Das Kloster Marienstatt, damals als Lazarett genutzt, wurde von den Franzosen geplündert, aber nicht zerstört. Plünderungen, hauptsächlich zur Nahrungssuche, fanden auch bei den Bauern in der Umgebung statt. Schlechter erging es dem Jagdschloss Luisenlust bei Müschenbach: Es fing wohl durch Unachtsamkeit französischer Soldaten Feuer und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Auch das Sumpfgebiet der Westerwälder Seenplatte forderte seinen Tribut, sodass dort etliche Pferde sowie mit Munition und Proviant beladene Wagen der Österreicher im Morast stecken blieben und aufgegeben werden mussten.

Ein Etappensieg, der den Ausgang des Krieges veränderte
Aus Sicht der Franzosen war die Schlacht bei Altenkirchen ein voller Erfolg. Denn der französischen Rhein-Mosel-Armee gelang durch die Kampfhandlungen der Sambre-Maas-Armee bei Altenkirchen tatsächlich die Überquerung des Rheins bei Kehl. Dies ebnete den Weg für den späteren französischen Erfolg im Ersten Koalitionskrieg, der 1792 begann und mit dem Frieden von Campo Formio im Oktober 1797 endete. Dabei spielte auch die Tatsache keine Rolle, dass die französische Sambre-Maas-Armee nur 15 Tage später, am 19. Juni 1796, in der Schlacht bei Kircheib von den Österreichern geschlagen wurde und sich infolgedessen, den Rhein bei Siegburg überquerend, nach Düsseldorf zurückzog.


Lokales: Altenkirchen & Umgebung
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