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Nachricht vom 10.07.2026    

Kinder des Ahrtals: Die bleibenden Narben der Flutkatastrophe

Auch Jahre nach der verheerenden Flut im Ahrtal sind die Erinnerungen bei vielen Kindern lebendig. Sie erzählen von der Nacht, die ihr Leben für immer verändert hat.

Die Kinder der Flut. (Foto: Thomas Frey/dpa)

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Auswirkungen der Flutkatastrophe im Ahrtal sind tausenden von Westerwäldern im Gedächtnis geblieben. Denn sie haben sich freiwillig auf den Weg gemacht, um den betroffenen Bewohnern zu helfen. Dabei wurden sie zu Augenzeugen der verheerenden Ausmaße der Zerstörung.

Heute, fünf Jahre nach der Flutkatastrophe, tragen viele Kinder im Ahrtal noch immer die Erinnerungen mit sich. Der heute 13-jährige Kiyan lebte damals direkt an der Ahr. Als sein Vater ihn nachts weckte und durch das Wasser zum Auto trug, dachte er zunächst, er träume. "Ich habe es nicht mal geglaubt, als es passiert ist", erzählt er. Erst später, als seine Mutter ihm Videos des zerstörten Hauses zeigte, wurde ihm das Ausmaß bewusst. Seine Spielzeuge und Spielekonsolen waren verschwunden. "Dann war halt alles weg."

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 führte Starkregen zu einer verheerenden Sturzflut. 136 Menschen starben dabei. Die Flut riss Autos, Häuser und Leben mit sich und hinterließ eine Spur der Zerstörung.

Angst um Mama
Für viele Kinder sind neben den Bildern der Wassermassen auch die Ängste um Angehörige geblieben. Die zehnjährige Johanna erinnert sich daran, wie sie stundenlang mit ihrer Schwester am Fenster saß und auf ihre Mutter wartete, die beinahe von den Wassermassen erfasst worden wäre. "Irgendwie hatte ich Angst gehabt", sagt Johanna.

Der heute 13-jährige Max verbrachte die Nacht wach im Obergeschoss seines Hauses. Während das Wasser ins Erdgeschoss eindrang, verfolgte die Familie per Nachrichten die dramatische Lage der Großeltern, die auf dem Dach ihres Hauses festsaßen. "Das Haus daneben ist auch schon zusammengekracht", erzählt Max.

Die 13-jährige Josephine wurde nachts durch Geräusche geweckt. "Dieses Wasser und die ganzen Schreie", erinnert sie sich. Ihr gleichaltriger Freund Mattis erinnert sich an den Morgen danach: "Die Rollläden ließen sich wegen des Stromausfalls nicht öffnen, draußen lag ein beißender Ölgeruch in der Luft. Erst nach und nach wurde klar, was passiert war."




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Nachwirkungen der Katastrophe
Für viele Kinder wurde die Katastrophe vor allem in den Monaten danach spürbar. Spielplätze waren zerstört, Schulen beschädigt, Brücken unpassierbar. "Man konnte halt nichts machen", erinnert sich Josephine. Auch Mattis erzählt, dass gerade in einem Alter, in dem er seine Umgebung erkunden wollte, plötzlich nichts mehr möglich war. Doch mittlerweile können Mattis und andere Kinder wieder Tischtennis im Turn- und Sportverein Ahrweiler spielen, dank der Hilfsorganisationen, die Spenden fürs Ahrtal sammelten.

Regina Fredrich, Fachärztin für Kinder-/Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Bad Neuenahr-Ahrweiler, sagt: "Die soziale Infrastruktur ist nach der Flut zusammengebrochen. Behelfsschulen, keine Sportplätze, keine Freizeitangebote – es gab ja nichts mehr." Direkt nach der Flut wurden ein Traumahilfenetzwerk und ein Traumahilfezentrum aufgebaut. Doch viele Familien suchen erst jetzt Hilfe. "Die Hilfe war und ist nicht ausreichend", betont Fredrich.

Mehr Angststörungen
Der Bedarf an Behandlung ist immens gestiegen, Praxen sind überfüllt, Wartezeiten lang. "Wir sehen eine deutliche Zunahme von Angststörungen, Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen", berichtet Fredrich. Viele Kinder haben Verlustängste entwickelt, ausgelöst durch Corona und die Flut. Ein weiteres Problem sieht Fredrich in der hohen Belastung der Eltern, die weiterhin um finanzielle Sicherheit kämpfen. "Damit fallen die Eltern als Sicherheit für die Kinder weg", erklärt sie.

Fredrich fordert mehr Freizeitangebote und schnelle Hilfe für den Wiederaufbau. "Ein gutes Beispiel ist die Eisbahn, die im Winter gut angenommen wurde", sagt sie. Doch Schwimmenlernen ist weiterhin nur in einem kleinen, veralteten Schwimmbad möglich. Trotz aller Schwierigkeiten bleiben viele Familien oder kehren zurück, was Fredrich mit einer großen Heimatverbundenheit erklärt. (dpa/bearbeitet durch Red)


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