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Nachricht vom 26.07.2026    

Buchtipp: Eintauchen in emotionale Welten - "Das Nachtcafé" von Svenja Haupt

Von Helmi Tischler-Venter

Die vielseitige Westerwälder Autorin Svenja Haupt kann nicht nur Kriminalromane, sie kann auch für die Leserschaft, die genau wie ihre Oma nicht so gerne Krimis liest, sehr einfühlsame Beziehungsromane schreiben. Beide Genres berühren und verfolgen die Leser. „Das Nachtcafé“ wirkt emotional und rational nach.

Buchtitel. Foto: Wolfgang Tischler

Asbach-Buchholz. Das Buch kennt nur drei Protagonisten: Die Schriftstellerin flüchtet jede Nacht in ein kleines Café, heimlich weg von ihrem seit zwanzig Jahren schnarchenden Mann und seiner Gleichförmigkeit. Manfred Greier, der Besitzer des Cafés, ist immer da, er sieht und analysiert seine wenigen Gäste, ohne sie mit Worten zu belästigen. Eigens für die Schriftstellerin, deren Gewohnheiten er genau kennt, stellt er ein Bücherregal mit alten Bänden in den Gastraum. Manfred gehört „zu den Männern, die zuhören, ohne dass man etwas sagen muss“. Eines Nachts stolpert ein junger Mann herein. Er liest die „Schatzinsel“ und wird daher von der Schriftstellerin gedanklich als „der Schiffbrüchige“ geführt. Er könnte altersbedingt ihr Sohn sein.

Die Schriftstellerin und der Schiffbrüchige lesen in ihren Büchern oder schreiben und beobachten sich dabei aus den Augenwinkeln gegenseitig. Die Schriftstellerin erlebt bisher unbekannte Empfindungen: „Aber das Eigentliche, das, was zählt, beginnt erst um Mitternacht. Dann verwandelt sich meine Welt und ich darf endlich wirklich blühen.“ Nach Wochen erst reden sie miteinander, aber sie will seinen Namen nicht wissen, denn „wenn er einen Namen hätte, dann hätte er ein Leben außerhalb.“ Wegen ihrer Lektüre nennt er sie „Jane Austen“.

Die Schriftstellerin formuliert fünf Regeln: „Jeder von uns sagt fünf Dinge über sich. Mehr werden wir nie übereinander erfahren. Egal, was passiert.“ Aus diesen fünf scheinbar banalen Fakten erfährt die Schriftstellerin mehr über seine Persönlichkeit, als es jeder Name könnte. Nur Manfred weiß, wie die beiden wirklich heißen, aber er behält es für sich, „um ihnen den nötigen Raum zu lassen.“



Die beiden Nachtcafégäste unterhalten sich über Literatur und offenbaren dabei ihre Gedanken. Schließlich kommen sie sich auch körperlich näher, ganz leicht, mit zarten und verschämten Berührungen. Wenn sie zusammensitzen, fühlen sich beide frei. Die zunehmende erotische Spannung wird zwischen den Zeilen lesbar.

Die Beziehung spitzt sich zu, als Manfred eines Abends nicht in seinem Café auftaucht. Die verwaisten Gäste gehen am Fluss entlang spazieren und werden vom Regen überrascht. Sie küssen sich. Am nächsten Abend setzt er sich im Café neben sie. Sie diskutieren leidenschaftlich über Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“. Der Schiffbrüchige versteht, dass er verliebt ist: „Und ich beschließe, dass ich es ihr sagen muss. Ich werde es ihr sagen, wenn sich der nächste Moment ergibt, an dem es ehrlich klingt. Und wenn sich keiner ergibt, werde ich einen erschaffen.“

Svenja Haupt denkt sich empathisch in die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Protagonisten und erschafft eine sensible, liebevolle Sprache, die die Leser packt und 144 Seiten lang mitleiden lässt.

Das Taschenbuch ist erschienen in Haupts eigenem Oryn-Verlag, ISBN 9-783912-650181. htv


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