Pressemitteilung vom 13.08.2026 
Zukunft des Rheins: Wie kann Niedrigwasser bewältigt werden?
Der Rhein, eine der bedeutendsten Wasserstraßen Deutschlands, steht vor einer Herausforderung: Extremes Niedrigwasser könnte in Zukunft häufiger auftreten. Experten diskutieren verschiedene Ansätze, um mit den Folgen umzugehen und die Schifffahrt sowie die Natur zu unterstützen.
Koblenz. Kann man verhindern, dass der Rhein bei großer Trockenheit immer weniger Wasser führt? Reicht es, die Fahrrinne für Schiffe zu vertiefen? Fachleute sind sich einig, dass es keine einfache Lösung gegen Niedrigwasser und seine Folgen gibt. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) erklärt, dass extreme Niedrigwasserereignisse auch künftig unvermeidbar sind. BfG-Experte Enno Nilson betont: "Hydrologische Extremereignisse waren und sind unter allen zukünftigen Entwicklungen möglich und werden eintreten." Er weist darauf hin, dass sowohl Hoch- als auch Niedrigwasser durch den Klimawandel zunehmen könnten. Eine Möglichkeit, das Problem zu mindern, sei die Eindämmung des Klimawandels durch Klimaschutzmaßnahmen.
Speicherung von Wasser
Ein Ansatz zur Bewältigung von Niedrigwasser ist die Speicherung von Wasser für trockene Zeiten. Laut BfG könnte Wasser stärker gespeichert werden, um in trockenen Monaten verfügbar zu sein. Nilson erklärt: "Sommerliche Abnahmen werden - auch unter Annahme von Hochemissionsszenarien - durch winterliche Zunahmen im Jahresmittel kompensiert." Technische Speicher wie Stauseen könnten dabei helfen, Wasser zeitlich umzuverteilen. Natürliche Lösungen, wie das Halten von Wasser im Boden oder sogenannte "Schwammlandschaften", werden ebenfalls erforscht.
Natürliche Flächen wie Auen und Seitenarme können laut dem Naturschutzbund Nabu eine entscheidende Rolle spielen. Nabu-Pressesprecher Jérôme Lombard erläutert: "Intakte Ökosysteme wirken wie ein Schwamm. Sie halten Wasser zurück und geben es in Trockenzeiten langsam wieder ab." Der Verband fordert, Flüsse wieder mehr Raum zu geben und natürliche Wasserspeicher zu schützen.
Naturschutz und Schifffahrt
Für die Schifffahrt könnte eine Vertiefung der Fahrrinne am Mittelrhein Vorteile bringen. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) plädiert dafür, die Fahrrinne zwischen St. Goar und Budenheim um 20 Zentimeter zu optimieren. Dies könnte es Binnenschiffen ermöglichen, bei niedrigen Wasserständen etwa 200 bis 250 Tonnen mehr Ladung aufzunehmen. Der Nabu sieht diese Pläne jedoch kritisch, da tiefere Fahrrinnen die ökologischen Probleme der Flüsse verschärfen könnten.
Laut Nabu sind Naturschutz und Schifffahrt keine unvereinbaren Gegensätze. Beide seien auf stabile und funktionsfähige Flüsse angewiesen. Eine nachhaltige Wasserpolitik müsse daher die Widerstandsfähigkeit der Flüsse stärken und nicht nur auf technische Anpassungen setzen.
Seit dem Niedrigwasserjahr 2018 sind mehr niedrigwasseroptimierte Schiffe unterwegs. Diese Schiffe haben weniger Tiefgang und können auch bei niedrigeren Wasserständen fahren. Beispielsweise hat der Chemiekonzern BASF das Spezialschiff "Stolt" angeschafft, das bei mittlerem Niedrigwasser eine doppelt so hohe Transportkapazität wie konventionelle Binnenschiffe bietet. Der BDB fordert, den Umbau von Schiffen weiter zu fördern und kritisiert geplante Kürzungen der Fördermittel ab 2027. (dpa/KI/Red)
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