Großer Tag für Friedhelm Adorf: Eintrag ins „Goldene Buch“ der Stadt Neuwied
Ehre, wem Ehre gebührt: Als Anerkennung für seine herausragenden sportlichen Leistungen im Trikot der LG Rhein-Wied hat sich Altersklassen-Sprinter Friedhelm Adorf aus Heupelzen ins „Goldene Buch“ der Stadt Neuwied eintragen dürfen. Der 82-Jährige ist seit über 15 Jahren ein Medaillensammler par excellence.
Neuwied/Heupelzen. Die Zahl der Medaillen, die er auf nationaler und internationaler Bühne errungen hat, ist nach über 15 Jahren der leichtathletischen Betätigung mit 141 in einer astronomischen Höhe angekommen. Friedhelm Adorf (Heupelzen) eilt auch noch als 82-Jähriger in den Sprintdisziplinen von 60 bis 400 Meter, in Staffeln und anfangs auch im Weitsprung in den Trikots zunächst der ASG Altenkirchen und seit vielen Jahren nunmehr der LG Rhein-Wied und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes von Erfolg zu Erfolg – und das als Spätberufener, weil er erst im Alter von 50 Jahren seine Liebe für diese Art der sportlichen Betätigung und den sich daraus entwickelnden Wettkämpfen entdeckte. Den Namen des Vereins trägt er nach wie vor in die weite Welt hinaus und mit ihm auch den Hauptsitz des Klubs. Vor diesem Hintergrund ehrte ihn die Stadt Neuwied am frühen Freitagnachmittag (21. August): Er durfte sich im Rathaus unter den Augen von Oberbürgermeister Jan Einig und weiteren „Zeugen“ ins „Goldene Buch“ der großen kreisangehörigen Kommune eintragen. Seit über anderthalb Dekaden führen Siege in Altersklassen-Wettbewerben grundsätzlich nur über Adorf, der sowohl in der Halle als auch unter freiem Himmel seinen Widersachern meistens nur die „Hacken“ zeigt. So nennt der derzeit in der Klasse M 80 startende Ehrenbürger (seit 2022) der kleinen Gemeinde am Fuße des Beulskopfs in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld 32 WM-, 46 EM- und 63 DM-Plaketten sein Eigen. Dank dieser außergewöhnlichen Bilanz wurde zudem eine Mitarbeiterin der ARD auf Adorf aufmerksam. In einer 45-minütigen Dokumentation der Serie „ARD Wissen“, die sich mit der Frage, inwieweit der Alterungsprozess beeinflusst werden kann und welche Faktoren eine Rolle spielen, war er einer der „Hauptdarsteller“. Was wären die Adorf’schen Leistungen ohne Trainer Dieter Lösch (68)? Folgerichtig durfte auch er sich in dem speziellen „Geschichtsbuch“ verewigen. Ehemals selbst aktiver Sportler und mit drei Deutschen Titeln im Seniorenbereich (unter anderem Stabhochsprung) dekoriert, ist Lösch immer im Neuwieder Stadion als Übungsleiter unterwegs, wenn „seine“ sehr altersdurchmischte Gruppe an Leistungsverbesserungen feilt. Zudem schreibt er Trainingspläne, die Adorf in heimischen Gefilden regelmäßig „abarbeitet“, wenn er sich nicht auf der Kunststoffbahn im Rhein-Wied-Stadion von seinem Coach seit nunmehr zwölf Jahren unterweisen lässt.
Disziplin und Ehrgeiz
„Wenn irgendwo der Startschuss fällt, wollen Sie immer noch der Erste im Ziel sein“, stellte Einig das große Streben Adorfs mit Blick auf dessen Alter heraus. Niemand laufe mit über 80 Jahren einfach mal so die 100 Meter in 14,64 Sekunden. Niemand stelle einfach so Europarekorde auf, dafür müsse man trainieren. „Dafür braucht man auch Disziplin, und man braucht eine gehörige Portion Ehrgeiz, und man muss sich immer wieder aufraffen“, fügte Einig an und knüpfte die Verbindung zu Lösch: „Und man braucht Menschen, die einen begleiten. Und deshalb muss man auch einen Mann ehren, ohne den eine solche Erfolgsgeschichte nicht möglich gewesen wäre.“ Friedhelm Adorf habe ausdrücklich darauf hingewiesen, „dass auch Ihr Anteil gewürdigt wird“. Lösch investierte unzählige Stunden seiner Freizeit, das sei gelebtes Ehrenamt und Leidenschaft. „Wir sollten uns bei der Ehrung eines erfolgreichen Sportlers bewusst machen: Auf dem Siegerpodest steht immer einer, aber hinter dem Menschen stehen immer weitere“, betonte Einig, „Herr Adorf, Sie zeigen auf eine sehr eindrucksvolle Art, dass das Alter zunächst einmal eine Zahl ist und dass man selbst ziemlich viel dazu beitragen kann, was man sich in einem bestimmten Alter noch zutraut. Offenbar haben Sie noch nicht vor aufzuhören. Ihre Geschichte erzählt gleichzeitig, was möglich ist, wenn man seine Leidenschaft behält, wenn man sich Ziele setzt und wenn man bereit ist, etwas dafür zu tun.“ Wenn Adorf bei Deutschen Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften auf der Bahn stehe, „vertreten Sie uns und damit auch unsere Stadt. Wir ehren zwei Menschen auf ganz unterschiedliche Weise, den einen für eine außergewöhnliche sportliche Bilanz, den anderen für den jahrzehntelangen Einsatz, der solche Leistungen überhaupt erst möglich macht“. Einig äußerte den „Verdacht“, dass Adorfs Bilanz noch nicht ganz abgeschlossen sei.
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Die LG Rhein-Wied
Die LG Rhein-Wied ist laut eigener Homepage „die Startgemeinschaft der Stammvereine SG DJK 1909 Andernach, SSC Koblenz-Karthause, DJK Neuwieder LC, TG Oberlahnstein und VfL Waldbreitbach. Sie vereint über 3000 Mitglieder in den Stammvereinen, davon sind rund 1000 Leichtathleten. Die Deichstadt hat sich in der deutschen Leichtathletik-Szene einen exzellenten Namen gemacht. Immer neue Talente werden hervorgebracht, die es bei nationalen wie internationalen Meisterschaften zu Medaillen und Top-Platzierungen bringen. … Leichtathletik auf hohem Niveau kann in der LG Rhein-Wied betrieben werden. Der DJK Neuwieder LC arbeitet mit der SG DJK 1909 Andernach seit 1974 zusammen und bildete die Startgemeinschaft aus Andernach und Neuwied. Weitere Leichtathletik Vereine aus der Region schlossen sich der LG an und sind teilweise bis heute deren Mitglied: TV Heddesdorf, TV Engers, TV Niederbieber, TV Kärlich, VfL Waldbreitbach, TGO Oberlahnstein und der SSC Koblenz-Karthause. Ganz auf den Schwerpunkt Leichtathletik setzt der DJK Neuwieder LC (Leichtathletik-Club). Im Februar 1962 wurde der Verein gegründet. ...In der Vergangenheit sorgten Athleten wie Ulrike Kubla, Annette Ritter, Christiane Leukel, Uwe Manns, Klaus Peter Hildebrand, Edi Kaul, Marc Roos oder Norbert Dobeleit für positive sportliche Schlagzeilen. Ein Aushängeschild des DJK Neuwieder LC ist Kai Kazmirek. Der 1991 geborene vielseitige Athlet tritt in der Königsdisziplin an. Im Zehnkampf wurde der seit 2006 für den Leichtathletik-Club startende Allrounder im Jahr 2012 Deutscher Meister. 2013 wurde er mit 8366 Punkten im finnischen Tampere U23-Europameister. Mit einer Bestleistung von fast 8500 Punkten gehört er schon im Alter von 23 Jahren zu den deutschen Top-Zehnkämpfern. Bei den Europameisterschaften in Zürich im August 2014 lag Kazmirek lange auf Gold-Kurs und verpasste nur wegen eines unglücklichen Stabhochsprungs eine Medaille. Inzwischen ist er bei 8580 Punkten angekommen und gewann bei der WM 2017 Bronze. … Den größten Erfolg für die Leichtathletik-Gemeinschaft errang im Jahr 2012 eine Athletin, die sowohl Mitglied im Neuwieder LC als auch in der DJK Andernach ist: Bei den Olympischen Spielen in London 2012 erkämpfte sich Lilli Schwarzkopf die Silbermedaille im Siebenkampf“. (vh)
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