"September-Blues" in Altenkirchen: Manuela Lowak berührt mit feinsinniger Spätsommer-Poesie
Von Helmi Tischler-Venter
Melancholisch, tiefgründig und voller herbstlicher Vorfreude: Das Kunstforum Westerwald e. V. hat am Samstagabend, dem 19. September, zu einer besonderen literarischen Entdeckungsreise eingeladen.
Altenkirchen. Unter dem Titel „September-Blues“ präsentierte die Autorin Manuela Lowak, geboren und aufgewachsen in Wissen/Sieg und seit 1999 in Linz am Rhein lebt, im voll besetzten Ausstellungsraum von Hörakustik Siewert in Altenkirchen eine feinfühlige Auswahl ihrer Werke. Interessierte Zuhörer erlebten einen Abend, der den Übergang vom Spätsommer zum Herbst in all seinen Facetten beleuchtete.
Der Spätsommer zeigt sich derzeit von seiner schönsten Seite, doch mit den kürzer werdenden Tagen zieht auch eine leise Melancholie ins Land. Genau diesem faszinierenden Gefühlsspagat widmete sich die stimmungsvolle Autorenlesung. In einer Zeit, in der die Natur in leuchtenden Farben Abschied vom Sommer nimmt, entfaltete sich in den Räumlichkeiten von Hörakustik Siewert eine ganz besondere Atmosphäre. Der September – einerseits geprägt von reifen Früchten, warmem Licht und geselligen Weinfesten, andererseits vom Verstummen des Vogelsangs und der spürbaren Vergänglichkeit – bot die perfekte Kulisse für die vorgetragenen Texte. Das Publikum lauschte aufmerksam den vorwiegend eigenen Werken der Autorin, die fast vollständig aus ihrem aktuellen Gedichtband stammten.
Ein besonderer Höhepunkt des Abends war die Premiere des brandneuen Gedichts „Abschied vom Sommerhaus“. Mit bildstarken Zeilen über verblühende wilde Rosen, den Duft von Lavendel und das leuchtende Rot der Geranien auf der Fensterbank berührte der Text die Herzen der Anwesenden und fing das bittersüße Gefühl des Loslassens meisterhaft ein. Um den literarischen Begriff des „September-Blues“ perfekt greifbar zu machen, flocht Manuela Lowak zudem zwei unvergängliche Klassiker der deutschen Literatur in den Vortrag ein: Friedrich Hölderlins „Hälfte des Lebens“ und Rainer Maria Rilkes „Herbsttag“. Diese Werke, so betonte sie, seien für sie die schönsten Beispiele für das in Worte gefasste Lebensgefühl dieses besonderen Monats.
Die Reise durch die Gefühlswelten des Spätsommers führte die Zuhörer weiter über das lyrische Werk „Schweigeminuten“, das zu innerer Einkehr aufrief, bis hin zum Sehnsuchtsort „Andersland“. Dieses Gedicht schöpfte seine Inspiration aus der keltischen Mythologie, in der die „Anderswelt“ als magische, parallel existierende Realität hinter den Nebelschleiern beschrieben wird – im Kontext der Lesung ein starkes Sinnbild für die eigenen, unvergänglichen Erinnerungen. Dass Melancholie kein lähmendes Trauern, sondern ein schöpferischer, süßer Schmerz sein kann, bewies das feinsinnige Gedicht „Passé“, während das Werk „Erntezeit“ mit einer lebensbejahenden Note dazu aufrief, die Gaben des Lebens dankbar anzunehmen.
Zum Abschluss des literarischen Abends sorgte eine persönliche Kurzgeschichte für eine gelungene Abwechslung. Die Erzählung entführte das Publikum aus dem tristen Alltag eines fensterlosen Chemielabors hinein in die unbeschwerten Kindheitstage an der Ostseeküste. Die lebendigen Erinnerungen an Tante Stella, das gemeinsame Pflücken der geschichtsträchtigen Grisbirnen im ländlichen Ostholstein, kleine Missgeschicke auf der Streuobstwiese und das Knistern des Kartoffelfeuers am Abend ließen das Publikum schmunzeln und weckten bei vielen eigene nostalgische Bilder an vergangene Sommer.
Die Gäste bedankten sich mit herzlichem Applaus bei Manuela Lowak für einen Abend voller Poesie, der zeigte, dass der „September-Blues“ weit mehr ist als nur Wehmut – er ist eine kreative Einladung zum Innehalten und Genießen. Weitere Informationen zur Arbeit der Autorin finden Interessierte auch auf ihrer Webseite unter www.manuela-lowak.de. htv
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