Wissen: Stadtrat öffnet Waldfriedhof für neue Bestattungsformen
Von Klaus Köhnen
Auf dem kommunalen Waldfriedhof in Wissen sind künftig auch Tuchbestattungen möglich. Der Stadtrat stimmte dem Konzept am Donnerstag, 24. September, einstimmig zu. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger verfolgten die Sitzung im Foyer des Kulturwerks. In der Einwohnerfragestunde gab es Kritik daran, dass keine gesonderte Fläche für muslimische Gräber vorgesehen ist.
Wissen. Der Stadtrat von Wissen hat die Umgestaltung des kommunalen Waldfriedhofs beschlossen. Künftig sind dort neben den traditionellen Beisetzungsformen auch sogenannte Tuchbestattungen möglich. Der Rat stimmte dem Konzept in seiner Sitzung am Donnerstag, 24. September, einstimmig zu. Wegen dieses Themas waren zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer ins Foyer des Kulturwerks gekommen, wo der Rat tagte, wie bereits tags zuvor der Verbandsgemeinderat.
Vorausgegangen waren nach Angaben von Bürgermeister Berno Neuhoff zahlreiche Gespräche mit verschiedenen Gruppen, darunter dem Migrationsbeirat, dessen Mitglieder ebenfalls zur Sitzung gekommen waren. Den Hintergrund bildet das zum 27. September 2025 umfassend überarbeitete Bestattungsrecht in Rheinland-Pfalz. Im Zuge dessen hatten die zuständigen Ausschüsse ein Konzept zur Umgestaltung des Friedhofs erarbeitet. Es sieht vor allem weitere Bestattungsarten vor, um den unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden. Entstehen solle eine Ruhestätte, auf der jede und jeder unabhängig von Weltanschauung oder Religion in der gewünschten Form die letzte Ruhe finden könne, sagte Neuhoff.
Kritik in der Einwohnerfragestunde
In der Einwohnerfragestunde äußerte Selami Ziba seine Verwunderung über die Entscheidung. Er könne nicht nachvollziehen, dass keine gesonderte Fläche für muslimische Gräber ausgewiesen werde. Die Satzung sei sicherlich nicht in Stein gemeißelt, stellte er fest, und regte an, die Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu überdenken.
Wechsel im Citymanagement
Zu Beginn der Sitzung hatte der Rat eine Sachstandsinformation zur Neukonzeption des Citymanagements und des Tourismus erhalten. Der bisherige Citymanager Ulrich Noß geht zum 30. September in den Ruhestand. Seit dem 1. Juli 2026 ist Jacqueline Deckers im Amt und wird den Prozess zur Entwicklung der Innenstadt fortsetzen. Neuhoff sprach von einer personellen Veränderung, die nach seiner Hoffnung und der der Verwaltung positiv auswirken werde. Noß dankte der Verwaltung und dem Stadtrat für die Unterstützung, die er über die Jahre erfahren habe. Deckers stellte sich den Ratsmitgliedern vor.
Charlotte Möller vom beauftragten Beratungsbüro Stadt und Handel erläuterte die Abläufe des Entwicklungsprozesses. Ziel sei eine langfristige strategische Grundlage, um die Innenstadt attraktiver zu gestalten. Dazu gehörten neben dem Einzelhandel auch Ruheflächen, auf denen sich Bürgerinnen und Bürger treffen könnten. Eine entscheidende Rolle kommt dabei der Entwicklung des Rathausplatzes zu. Der Einzelhandel gerate, wie sich in vielen Städten zeigt, zunehmend unter Druck. Die Zusammenführung von Citymanagement und Tourismus sei daher ein mutiger, aber notwendiger Schritt. Stadtentwicklung müsse ganzheitlich gedacht werden, sagte Möller.
Kooperationsvertrag mit Jugendagentur verlängert
Einstimmig stimmte der Rat dem Kooperationsvertrag mit der Katholischen Jugendagentur Bonn zu, die im Auftrag der Stadt und der Verbandsgemeinde das Haus der offenen Tür betreibt. Der Verbandsgemeinderat hatte den Vertrag bereits am 23. September beschlossen. Der bestehende Vertrag war nach Angaben Neuhoffs zunächst nur für einen kürzeren Zeitraum geschlossen worden. Um wieder Stabilität und Planungssicherheit zu erreichen, erhält er nun erneut eine Laufzeit von fünf Jahren.
In diesem Zusammenhang wies der Bürgermeister darauf hin, dass der Streetworker ein Crowdfunding-Projekt gestartet hat. Ziel ist die Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs, um die offene Jugendarbeit sowohl in Wissen als auch in den Ortsgemeinden anbieten zu können. Bislang stand dafür lediglich ein Leihfahrzeug der Jugendagentur zur Verfügung.
Bebauungsplan mehrheitlich beschlossen
Über den städtebaulichen Vertrag zum Bebauungsplan „Am Rödderstein – Wohngebiet Auf der Sieghöhe" diskutierte der Rat intensiv. Am Ende nahm er den Antrag der Verwaltung mit 14 zu fünf Stimmen an. (kkö)
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