Fußballidol Mario Basler begeisterte als Alleinunterhalter im Herdorfer "Hüttenhaus"
Von Wolfgang Rabsch
Ausverkauftes Haus für einen, der nie ein Blatt vor den Mund nahm: Mario Basler war am Freitagabend, 25. September, mit seinem Soloprogramm „Basler ballert" zu Gast beim Kulturring Herdorf. Zwei Stunden lang erzählte der frühere Nationalspieler im „Hüttenhaus" Anekdoten aus seiner Karriere und teilte kräftig gegen den heutigen Fußball aus.
Herdorf. Wer Mario Basler für einen Auftritt engagiert, kann sicher sein, dass er auch bekommt, was er erwartet. In seiner aktiven Zeit war Basler ein überragender Mann im Mittelfeld, lieferte daneben aber mit Sprüchen und Eskapaden reichlich Munition für Schlagzeilen. Doch dazu später mehr.
Diesen Mario Basler hat der Kulturring Herdorf also zu einem Soloauftritt ins „Hüttenhaus" eingeladen. Er musste es nicht bereuen: Das Theater war ausverkauft. Kein Wunder, Basler hat viele Bundesligaspiele für den FC Bayern München und den 1. FC Kaiserslautern gemacht, und beide Vereine haben im Westerwald jede Menge Fans, die sich in Clubs organisieren. Als bekannt wurde, dass Basler kommt, waren die Tickets schnell weg. Entsprechend saßen vor allem Anhänger beider Vereine im Saal.
Vor dem Auftritt gab es ein Meet-and-Greet mit geladenen Gästen, bei dem Basler gut gelaunt zu allem Möglichen Rede und Antwort stand. Und als er dann die Bühne betrat, war schnell klar: Der Mann hatte ein Heimspiel. Der Applaus war groß, und Basler enttäuschte nicht. Er zeigte sich genau so, wie ihn alle erwartet hatten – authentisch, auf seine Art sarkastisch, manchmal auch zynisch. Ebenso, wie er sich in Fußball-Deutschland einen unverwechselbaren Namen gemacht hat.
Anekdote reiht sich an Anekdote
Zwei Stunden beste Unterhaltung, eine Geschichte nach der anderen, und im Publikum eine losgelöste Stimmung. Ganz wichtig dabei: Basler nahm sich selbst nicht zu ernst und hatte sichtlich Spaß an dem Abend. Seine Sprüche garnierte er mit Videoausschnitten besonderer Spielszenen und Interviews aus dem „Doppelpass" und dem „Aktuellen Sportstudio".
Dazu gehört natürlich das legendäre Torwandschießen bei Günther Jauch im April 1996. Weil ihn der Moderator mit seinen Fragen nervte, knallte Basler den Ball mit voller Wucht gegen die Wand. Der prallte zurück und zerlegte eine alte ZDF-Requisite. Man sah ihm an, dass er gar nicht treffen wollte, sondern einfach nur seine Wut abreagierte.
Alle Anekdoten des Abends wiederzugeben, ist schlicht unmöglich. Deshalb an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl.
Rehhagel klopft an die Tür
Zu seiner Zeit bei Werder Bremen übernachtete die Mannschaft vor jedem Heimspiel in einem Bremer Hotel. Basler hatte ein Einzelzimmer – und schleuste darin über die Tiefgarage Damenbesuch nach oben. Gegen 23 Uhr klopfte es dann plötzlich an der Tür: Trainer Otto Rehhagel wollte über die Taktik sprechen. Basler zur Tür, Rehhagel zwängte sich an ihm vorbei, und tatsächlich gelang es Basler, ihn von einem Blick aufs Bett abzuhalten. Nur dummerweise musste seine Besucherin beim Hinausgehen des Trainers niesen. Es folgte eine ordentliche Standpauke.
Am nächsten Tag gab es ein Bundesligaspiel, und Basler schoss drei Tore – den einzigen Hattrick seiner Karriere, wie er erzählte. Nach dem Spiel nahm ihn Rehhagel, der seine Spieler grundsätzlich siezte, zur Seite: „Mario, wenn Sie immer diese Leistung bringen, dann ist es mir egal, mit wem Sie vor dem Spiel die Nacht verbringen."
Kimmich und Fink sind nicht Baslers Freunde
Mit zwei Spielern haderte Basler den ganzen Abend über: Joshua Kimmich und Thorsten Fink. Kimmich sei eine Fehlbesetzung in der Nationalmannschaft und könne ihn überhaupt nicht überzeugen.
Am meisten aber ärgert ihn bis heute Thorsten Fink. Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United: Bayern führt 1:0 durch Baslers Freistoßtor. In der 80. Minute kommt Fink für Lothar Matthäus. Und dann, in der Nachspielzeit, bringt Fink nach einer Ecke den Ball nicht weit genug weg. Über Ryan Giggs landet er bei Teddy Sheringham, 1:1. Zwei Minuten später macht Ole Gunnar Solskjær das 2:1. Diesen Fehler hat Basler ihm bis heute nicht verziehen.
Auch als Raucher bekannte sich Basler, und er stand schon in seiner aktiven Zeit dazu – was seinen Trainern natürlich nicht gefiel. Vor dem Spielen sei er häufig auf die Toilette gegangen, um eine zu rauchen. Tiefenentspannt habe ihn das gemacht. Über manche Profis von heute, die mit riesigen Kopfhörern und Tattoos aufliefen, regte er sich dagegen hörbar auf.
Ein kurzweiliger Abend, den die Besucher regelrecht abfeierten – eine Reise back to the roots, wie Basler unter dem Beifall des Publikums sagte: in eine Zeit, in der noch eine klare, deftige Sprache gesprochen wurde, ohne zu gendern. Und je deftiger er wurde, desto mehr Spaß hatte der Saal.
Basler, das Original: seine bekanntesten Sprüche
„Eigentlich bin ich ein Supertyp. Ich kann aber auch ein richtiger Arsch sein!"
„Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt."
„Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt, Hauptsache ich spiele."
„Jede Seite hat zwei Medaillen!"
Nach einer Niederlagenserie: „Vielleicht sollten wir mal einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen."
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