Nicole nörgelt...über das PISA-Rekordtief
Von Nicole
KOLUMNE | Die neue PISA-Studie wurde am 8. September 2026 veröffentlicht und jetzt ist es amtlich: Deutschland schafft tatsächlich noch einen weiteren Abstieg in allen drei Kernbereichen – Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. Auch wenn es viele nicht glauben wollten, schlimmer geht immer.
KOLUMNE! Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000 hat es Deutschland geschafft, den niedrigsten Wert zu erreichen, der je gemessen wurde. Etwa ein Drittel der 15-Jährigen in Deutschland kann nicht ausreichend lesen oder rechnen. Nur um das mal klarzustellen, wir sprechen hier von Jugendlichen die bereits neun Jahre die Schule besucht haben. Wie kann das denn sein, dass Schüler ohne ausreichende Lese- oder Rechenkompetenz jedes Jahr trotzdem am Ende des Schuljahres versetzt werden?
Versetzung ohne entsprechenden Leistungsnachweis
Liegt es vielleicht daran, dass sich in manchen Bereichen Lehrkräfte gar nicht mehr trauen, die Versetzung zu verweigern, weil sie sofort mit rechtlichen Konsequenzen der Helikopter-Eltern rechnen müssen? Oder daran, dass Tests und Klassenarbeiten regelmäßig in der Wertung angehoben werden müssen, weil der Schnitt sonst zu schlecht ist und die Noten entsprechend nichts mehr über den realen Leistungsstand aussagen? Unangekündigte Überprüfungen wurden ja sicherheitshalber schon einmal abgeschafft und Leistung ist ja sowieso böse. Es muss ja alles Spaß machen und auf gar keinen Fall dürfen dabei Pflichten auftauchen.
Wahrscheinlich werden jetzt primär wieder die Lehrkräfte für die ganze Misere verantwortlich gemacht. Ausgerechnet die Leute, die den Kindern unter den widrigsten Bedingungen in überfüllten und lauten Klassen nach der Einschulung oft erst einmal die grundlegenden Dinge beibringen müssen, die Kinder früher zur Einschulung mitbringen können mussten. Schuhe binden, einen Stift richtig halten, sich konzentrieren, Regeln befolgen, Rücksicht aufeinander nehmen, das sind alles Dinge, die Aufgabe des Elternhauses sind. Klappt scheinbar nicht, dafür kennt aber jedes Kind seine Rechte. Dazu kommt, dass in manchen Teilen Deutschlands mehr als die Hälfte der eingeschulten Kinder die Unterrichtssprache Deutsch nicht genug beherrscht, um den Unterricht folgen zu können. Das bremst dann aber gleichzeitig die normal entwickelten Kinder aus, die dabei dann auch auf der Strecke bleiben.
Höchste Zeit für Lösungen
Es muss sich etwas tun und das Problem ist nicht damit gelöst, dass das System immer weiter aufgeweicht wird – keine Leistungskontrolle, keine Disziplin, keine Möglichkeiten für die Lehrer, sich gegen Attacken von Schülern und Eltern zur Wehr zu setzen. Warum gibt es denn einen akuten Lehrkräftemangel und warum verlassen immer mehr Lehrer lange vor dem Ruhestand die Schule? Liegt es vielleicht daran, dass sie an manchen Schulen ihres Lebens nicht mehr sicher sind und niemand etwas unternimmt, um sie und die anderen Schüler zu schützen? Oder daran, dass junge Lehrkräfte Knebel- und Zeitverträge bekommen, die ihnen neben den erschwerten Arbeitsbedingungen noch nicht einmal wirtschaftliche Sicherheit bieten? Ähnlich wie in vielen anderen Bereichen ist das Arbeiten an der Schule alles, aber nicht mehr attraktiv, sondern viele Menschen haben einfach nur noch das Gefühl, das "Nutzvieh" der Gesellschaft zu sein, damit andere alles bekommen.
Und es liegt auch nicht nur an der sozialen Ungleichheit, auf der im Moment bevorzugt herumgeritten wird. Denn viele aus der Generation, die schon seit Jahrzehnten mit beiden Beinen voll im Arbeitsleben stehen, kamen auch nicht aus "privilegierten" Haushalten, sondern waren einfache Arbeiterkinder. Und trotzdem haben sie ihre Schule abgeschlossen, ihre Ausbildung oder Studium gemacht und arbeiten ohne Pause seit sie Anfang zwanzig sind.
Selbst wieder Verantwortung übernehmen
Möglicherweise sollten wir Deutschen mal wieder anfangen, nicht immer die Schuld bei anderen zu suchen, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen. Und das fängt bei der Kindererziehung an. Obwohl in Studien nachgewiesen wurde, dass jede Minute Bildschirmzeit bei Kindern im Alter unter drei Jahren zu massiven kognitiven Entwicklungsverzögerungen bis hin zu bleibenden Schäden wie Konzentrationsschwächen, Sehproblemen, Legasthenie oder Dyskalkulie führen kann, werden weiterhin Tablet, Handy und Fernseher als Babysitter eingesetzt, damit die lieben Kleinen ruhig sind und nicht nach Beschäftigung verlangen. Möglicherweise liegt es aber auch mit daran, dass die Elterngeneration selbst nicht mehr ohne den ständigen Blick aufs Handy leben kann.
Möglicherweise hat es einen Grund, dass Länder wie Schweden und Dänemark das Tablet und die digitalen Medien wieder aus der Vor- und Grundschule verbannt haben, nachdem das Karolinska-Institut festgestellt hat, dass durch den Einsatz die Lese- und Schreibkompetenz, das Textverständnis und der Wortschatz der Kinder litten.
In diesem Sinne, liebe Politiker und Eltern, überlegen Sie vielleicht wirklich einmal, was unsere Kinder wirklich brauchen – Zeit mit ihren Eltern, kognitive Förderung mit Spielen und Bewegung oder den viereckigen Babysitter.
Ihre Nicole
Was ist eine satirische Kolumne?
Die satirische Kolumne ist ein regelmäßig erscheinender Meinungsbeitrag, der unter einem festen Namen und mit einer unverwechselbaren, persönlichen Handschrift wechselnde – meist aktuelle – Themen aufgreift. Sie gibt ausdrücklich die subjektive, oft satirisch zugespitzte Sicht der Autorin wieder und erhebt bewusst keinen Anspruch auf ausgewogene Berichterstattung. „Nicole" ist dabei eine fiktive Kunstfigur, durch die gesellschaftliche Themen pointiert kommentiert werden.
Mehr dazu:
Nicole nörgelt
Feedback: Hinweise an die Redaktion
































