Achtung, Wildwechsel: Der Herbst fordert erhöhte Aufmerksamkeit im Straßenverkehr
Wenn die Tage kürzer werden und die Dämmerung in den Berufsverkehr fällt, steigt das Risiko für Wildunfälle deutlich an. Ob auf der Suche nach Futter für den Winter oder auf Partnersuche während der Herbstbrunft - Rehe, Hirsche und Wildschweine queren jetzt wieder häufiger unsere Straßen. Der Tierschutz Siebengebirge ruft deshalb zu erhöhter Wachsamkeit am Steuer auf.
Region. Das Risiko für Kollisionen mit Wildtieren besteht zwar das ganze Jahr über, schießt jedoch im Herbst spürbar in die Höhe. Ein Hauptgrund dafür ist das Zusammenspiel von Lichtverhältnissen und Berufsverkehr: Durch die kürzer werdenden Tage fällt die Dämmerung genau in die verkehrsreichen Morgen- und Abendstunden. Hinzu kommt die erhöhte Aktivität der Tiere. Ob auf Futter- und Partnersuche oder auf dem Weg in ein neues Versteck - Rehe, Wildschweine und Co. kreuzen jetzt häufig die Fahrbahnen. Taucht im Scheinwerferlicht plötzlich ein Tier auf, verharren viele Wildtiere durch das grelle Licht mit starrem Blick auf dem Asphalt. Autofahrer sollten zudem bedenken: Sieht man ein Reh oder Wildschwein, folgen meist noch weitere Herden- oder Rudelmitglieder.
Aber nicht nur Rehe oder Wildschweine verunglücken: Auch kleinere Tiere wie Füchse, Hasen, Igel und Kröten geraten häufig unter die Räder. Gleiches gilt für freilaufende Katzen, die bei ihren nächtlichen Erkundungstouren Fahrbahnen kreuzen.
Blick in die Statistik
Die neue Wildunfall-Statistik des Deutschen Jagdverbands zeigt das Unfallgeschehen in unserer Heimat: Im Erfassungszeitraum 2024/2025 wurden in Rheinland-Pfalz insgesamt 11.070 Fälle mit Rehwild, 1.080 mit Schwarzwild, 300 mit Rotwild und 60 mit Damwild registriert.
Statistisch gesehen passiert in Deutschland etwa alle zwei Minuten ein Wildunfall. Das summiert sich pro Jahr auf rund 250.000 Unfälle mit Schalenwild. Experten vermuten jedoch eine hohe Dunkelziffer und gehen davon aus, dass das tatsächliche Unfallgeschehen etwa fünfmal so hoch sein könnte. Ein entscheidender Faktor bleibt dabei die Geschwindigkeit, denn der Bremsweg verlängert sich drastisch: Während ein Fahrzeug bei Tempo 60 nach rund 35 Metern zum Stehen kommt, benötigt es bei 100 km/h bereits gut 79 Meter.
Appell an Verkehrsteilnehmer
Der Tierschutz Siebengebirge mahnt daher zur Vorsicht: Passagen entlang von Wäldern und Feldern bergen ein erhöhtes Risiko. Verkehrsteilnehmer sollten hier langsam fahren, ausreichend Sicherheitsabstand halten und stets bremsbereit sein. Ein wachsamer Blick auf die Fahrbahnränder schützt Mensch und Tier.
Sieht man ein Tier am Straßenrand, gilt: umgehend abblenden, kurz hupen und die Geschwindigkeit vorausschauend verringern. Erst das Ausschalten des Fernlichts ermöglicht den Tieren die Flucht, da sie im grellen Scheinwerferlicht sonst oft vor Schreck erstarren. Steht das Wild direkt auf der Fahrbahn und eine Kollision droht, sollte sofort eine Gefahrenbremsung eingeleitet und die Spur gehalten werden. Abrupte Ausweichversuche sind extrem riskant, da sie rasch zu schweren Folgeunfällen im Gegenverkehr oder am Straßenrand führen.
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Das richtige Verhalten am Unfallort
Lässt sich ein Zusammenstoß nicht vermeiden, steht der Eigenschutz beim Absichern der Unfallstelle an erster Stelle. Nach einer Kollision ist umgehend die Polizei zu informieren. Diese benachrichtigt den örtlich zuständigen Jagdpächter, welcher sich um die Versorgung des verunglückten Tieres oder die Bergung kümmert.
Aus Eigenschutz und zum Schutz des Tieres dürfen verunglückte Tiere nicht berührt werden. In Panik könnten verletzte Tiere angreifen oder sich bei Fluchtversuchen noch weiter verletzen. Ein Einpacken oder Mitnehmen verunglückter Tiere ist streng untersagt, da dies rechtlich als Wilderei gewertet wird.
Flüchtet ein verletztes Tier nach dem Zusammenstoß in den Wald, sollte der Fluchtpunkt des Tieres am Fahrbahnrand markiert werden - zum Beispiel mit einem Taschentuch an einem Stock - damit der Jäger das geflüchtete Wild nachsuchen kann.
Igel in Not im Wohngebiet
Der anhaltende Schwund natürlicher Rückzugsorte macht Igeln zunehmend zu schaffen. Besonders im Frühherbst sind viele Jungtiere in Wohngebieten unterwegs. Der im Frühjahr geborene Nachwuchs stöbert nun intensiv nach Futter und geschützten Quartieren für den Winterschlaf. Dabei müssen die Tiere oft Straßen im Siedlungsraum überqueren. Der Tierschutz Siebengebirge bittet Autofahrer daher um eine besonders vorausschauende Fahrweise, um das Überleben der Stacheltiere zu sichern.
Aktiv mithelfen: das Tierfund-Kataster
Um Unfallschwerpunkte langfristig zu entschärfen, wurden von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Landesjagdverband Schleswig-Holstein das "Tierfund-Kataster" ins Leben gerufen und im Jahr 2016 vom Deutschen Jagdverband (DJV) bundesweit ausgeweitet. Über die kostenlose Smartphone-App können alle Verkehrsteilnehmer Wildunfälle und Fundtiere standortgenau erfassen. Wissenschaftler werten diese Daten aus, um Straßen sicherer zu machen. (Red)
Quellen:
Presseinformation des Tier-, Natur- und Artenschutz Siebengebirge e.V. (www.tierschutz-siebengebirge.de)
Wildunfall-Statistik 2024/2025 des Deutschen Jagdverbands (www.jagdverband.de)
Bundesweites Tierfund-Kataster (www.tierfund-kataster.de)
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