Pressemitteilung vom 29.09.2026 
Armut im Kreis Altenkirchen: Butterwegge zeigt konkrete Folgen auf
Armut ist auch im Kreis Altenkirchen Realität. Bei einem Vortrag in Altenkirchen erklärte Prof. Dr. Christoph Butterwegge, wie sich relative Armut im Alltag zeigt und welche Herausforderungen für Betroffene besonders schwer wiegen.
Altenkirchen. Prof. Dr. Christoph Butterwegge hat in Altenkirchen über die unterschiedlichen Formen und Folgen von Armut gesprochen. Unter dem Titel "Armut bei uns? -Das gibt's doch nicht" erläuterte der Sozialwissenschaftler und Autor, wie sich relative Armut im Alltag bemerkbar macht.
Als Beispiel führte Butterwegge die Situation einer Mutter an, die froh darüber sei, dass ihr Kind nicht zum Kindergeburtstag eines Schulkameraden eingeladen werde. Dadurch müsse sie auch kein Geld für ein Geschenk aufbringen. An diesem Beispiel werde deutlich, dass relative Armut trotz ihrer statistischen Definition eine sehr konkrete Not bedeuten könne.
Armut zeigt sich auch in Deutschland
Butterwegge machte deutlich, dass Armut je nach Region und gesellschaftlichem Umfeld unterschiedlich aussehe. Gleichzeitig verwies er auf die Zahlen zur Einkommensverteilung in Deutschland. Er stellte die Frage, warum in einem der reichsten Länder der Welt 16 Prozent der Bevölkerung über ein Einkommen verfügten, das weniger als 60 Prozent eines mittleren Einkommens betrage und damit an oder unter der Armutsrisikoschwelle liege.
Zu dem Vortrag hatten der Caritasverband Rhein-Sieg, das Diakonische Werk Altenkirchen, der DGB und die Kreis-Volkshochschule eingeladen. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Seniorenbeirat der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld sowie vom Katholischen Bildungswerk in der Region Rheinland-Pfalz.
Armut ist auch im Landkreis sichtbar
Caritas-Vorstand Harald Klippel betonte in seinem einführenden Grußwort, dass die Folgen von Armut in den Diensten der Caritas unmittelbar zu erleben seien. Menschen kämen mit der Situation zu den Beratungsstellen, dass ihr Geld nicht bis zum Monatsende reiche.
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Dabei sei ihm wichtig, dass die Mitarbeitenden keinen Fall behandelten, sondern einem Menschen mit unveräußerlicher Menschenwürde begegneten.
Auch Josip Jagatic, Leiter des Sozialamtes, berichtete von Armut im Landkreis. Anders als in großen Städten konzentriere sie sich dort nicht auf bestimmte Straßenzüge oder Stadtteile. Dennoch sei sie vorhanden.
Diskussion über mögliche Lösungswege
Im Anschluss an den Vortrag diskutierte Butterwegge gemeinsam mit dem Vorsitzenden des DGB-Kreisverbandes Axel Karger, der Jobcenter-Geschäftsführerin Ramona Mittler und Tatjana Bär-Otto, Fachberaterin der Caritas-Wohnraumsicherung, über mögliche Lösungswege.
Die Fragen aus dem Publikum zeigten, wie unterschiedlich die Perspektiven und Herausforderungen sind. Dabei ging es sowohl um konkrete Erfahrungen von Betroffenen als auch um strukturelle Grenzen, Zuständigkeiten und die Frage, wo tatsächlich Handlungsspielräume bestehen.
Butterwegge hatte bereits während seines Vortrags zwei zentrale Probleme für die soziale Zukunft benannt: Altersarmut und Wohnungsknappheit. Eine Zuhörerin griff insbesondere das Thema Wohnraum auf und fragte nach einer Wohnungsgenossenschaft, die es im Kreis Altenkirchen bislang nicht gibt.
Workshop zu weiteren Lösungsansätzen
Um diese Idee und weitere mögliche Lösungswege weiterzuverfolgen, kündigte Holger Telke, Moderator des Abends und Leiter der Kreis-VHS, einen gemeinsamen Workshop mit verschiedenen Partnern an.
Der Workshop mit Alexander Wicker findet am Samstag, 10. Oktober 2026, von 11 bis 16 Uhr statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen sind über die Internetseite möglich.(PM/bearbeitet durch Red)
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