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Nachricht vom 03.10.2026    

Tina Hüsch, Wundertüten-Poetin aus Passion, therapierte ihr Publikum im Stöffel-Park

Von Wolfgang Rabsch

Es mussten Stühle herbeigeschafft werden: Die Wundertüten-Poetin Tina Hüsch hat die Alte Schmiede im Stöffel-Park in ein humorvolles Sanatorium verwandelt und ihrem Publikum die Angst vor dem Älterwerden genommen. Am Ende tanzte der Saal. Gesammelt wurde für das Tierheim Ransbach-Baumbach.

(Fotos: Wolfgang Rabsch)

Enspel. Volles Haus, beste Unterhaltung und fantastische Stimmung: Bei der Veranstaltung in der Alten Schmiede im Stöffel-Park herrschte so großer Andrang, dass kurzerhand zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Einen solchen Besucheransturm hat die Alte Schmiede lange nicht erlebt, und das musste ja einen Grund haben. Die „Schuld" daran trug zweifellos Tina Hüsch, die weit über den Westerwald hinaus bekannte Wundertüten-Poetin, die nach längerer Pause wieder einen Auftritt zelebrierte – diesmal im Zusammenhang mit ihrem neuen Buch.

Lachen ist die beste Medizin
Ihr neuer Gedichtband heißt „Kaleidoskop meiner Gesternsehnsucht". Dazu verwandelte Tina Hüsch die Bühne kurzerhand in ein humorvolles Sanatorium, in dem sie selbst als einfühlsame Therapeutin agierte und den Gästen jegliche Berührungsängste vor dem Älterwerden nahm. Mit unbändiger Lebensfreude, Herzlichkeit und spritzigem Humor sorgte sie für regelrechte Lachattacken im Publikum, nicht zuletzt durch ihre teilweise skurrilen Verse. Die Poetin verfügt über die unnachahmliche Fähigkeit, unangenehme Lebensweisheiten verklausuliert und in einschmeichelnde Worte verpackt auszudrücken. Lachen ist ihrer Meinung nach die beste Medizin gegen trübe Alltagssorgen – und hat zudem den unschlagbaren Vorteil, dass es nichts kostet, sofort wirkt und jederzeit rezeptfrei erhältlich ist.

Das Lachen hat bereits Generationen beschäftigt, deshalb finden sich in der Sammlung altbekannter Sprichwörter viele Zitate zu diesem Thema. Zum Beispiel: „Lach doch, wenn es zum Weinen nicht ganz reicht." Oder, Victor Hugo zugeschrieben: „Das Lachen ist die Sonne, die aus dem menschlichen Antlitz den Winter vertreibt." Oder: „Wer den Tag mit Lachen beginnt, hat ihn bereits gewonnen."

Tina Hüsch, ein im Februar geborenes „Winterkind", wie sie sich selbst bezeichnet, blickte mit charmantem Augenzwinkern auf die Welt. Für sie besteht alles aus Buchstaben – aus Gedanken, Worten und Gefühlen werden Zeilen und Reime, die das Leben ein Stück bunter machen. Mit ihrer leidenschaftlichen Vorliebe für Schokolade, Musik und Cowboystiefel bewies sie einmal mehr, dass man dem Älterwerden am besten schräg, frech und mit reichlich Humor begegnet.

Genieße dein Leben, solange du kannst
Auch die Erkenntnis, dass die menschliche Restlaufzeit leider keine gut sichtbare Akkuanzeige hat, nahm sie mit spitzer Feder und viel Herz aufs Korn. Ihr poetisches Rezept dagegen: einfach mal die Batterien aus der inneren biologischen Uhr nehmen, im Kopf jung bleiben und ausprobieren, statt zu bereuen.

Zwischen ihren Gedichten streute Tina Hüsch Lebensweisheiten ein, die für viele Menschen bedeutungsvoll sind, zum Beispiel: „Irgendwann und irgendwie ist ein anderes Wort für nie." Oder: „Der Tod ist nur eine Veränderung des Lebens." Für Menschen, die mit zunehmendem Alter mit ihrem Äußeren unzufrieden sind, hatte sie ebenfalls einen tröstenden Spruch parat: „Früher war mein Körper ein Tempel, heute kommt er mir vor wie eine denkmalgeschützte Ruine."



Das Älterwerden machte Tina Hüsch ebenfalls zum Gegenstand, verstand es aber, mit viel Humor gespickt, poetisch und auch frech, diese Sorgen und Ängste zu normalisieren und Trost zu spenden: „Der liebe Gott hat bei mir alles für das Innere verbraucht, für das Äußere war dann nicht mehr viel übrig." Sie selbst findet sich perfekt unperfekt und kann mit diesem Zustand sehr gut leben. Wenn die Augenlider Augenlider bekommen und die Haut langsam welkt, sei das zwar unschön – einen „Welkschmerz" müsse man deswegen aber nicht erleiden.

Es wurde gelesen, gedudelt, gelacht und nachgedacht – ein Abend zwischen der Sehnsucht nach gestern und der Neigung zur Unvernunft. Bei aller Ausgelassenheit und allem Lachen meisterte Tina Hüsch auch die Balance zu ernsteren Hintergründen, die berührten und zum Nachdenken anregten. Eine wunderbare Ergänzung des Auftritts gelang Ulli Heidenreich, der mit zwei dem Thema angepassten Gedichten viel Beifall und Anerkennung fand.

Musikalische Begleitung vom Allerfeinsten
Am Ende des beeindruckenden Auftritts lässt sich ohne Wenn und Aber festhalten: Die Therapie hat dem Publikum sehr geholfen. Denn zum Schluss verwandelte sich die Alte Schmiede in eine regelrechte Partyzone, als Armin Fiedler und Arne Schuppner von „Bigfoot" unplugged „All Right Now" von der britischen Rockband Free anstimmten. Das Publikum sprang auf, hüpfte, tanzte und sang den Refrain mit. Etwas ruhiger wurde der Abend von der Gedudel-Band, begleitet von Ralf Kortus an Gitarre und Günter Weigel an Keyboard, die den Auftritt musikalisch dezent mit Hintergrundmusik garnierten.

Zu guter Letzt richtete Tina Hüsch Worte des Dankes an Carmen Engel, die Leiterin des Stöffel-Parks, und an Johannes Schmidt vom Kulturbüro der Verbandsgemeinde Westerburg, die die Durchführung der Veranstaltung tatkräftig unterstützten.

Spenden für den guten Zweck
Der Eintritt war frei. Im Anschluss an das Programm wurde für das Tierheim Ransbach-Baumbach gesammelt, um den zahlreichen Tieren in Not zu helfen. Tina Hüsch stellte der Spendenaktion ihre Bücher zur Verfügung, auch der Erlös aus dem Verkauf kam dem Tierheim zugute.

Das Fazit: Ein Abend voller Konfetti für die Seele – schräg, frech, berührend und absolut wiederholungsbedürftig.


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