Musikalische Meisterwerke: Villa Musica feiert 40 Jahre mit fulminantem Auftakt im Schloss Engers
Von Wolfgang Tischler
Schon nach dem ersten Teil des Konzerts war klar: Der Auftakt der Jubiläumssaison von Villa Musica im Schloss Engers war beim Publikum bestens angekommen. Im voll besetzten Diana-Saal erklangen Bravo-Rufe, schon am Ende des ersten Konzertteils setzte lang anhaltender Applaus ein.
Neuwied-Engers. Am 4. Oktober eröffnete die Landesstiftung Villa Musica Rheinland-Pfalz im Diana-Saal ihre Jubiläumssaison zum 40-jährigen Bestehen. In den kommenden elf Konzertmonaten stehen 120 Konzerte im gesamten Land auf dem Programm. Der Abend in Engers verband internationale Spitzenklasse mit jungen musikalischen Talenten und einem Programm, das von Strawinsky über Webern und Gideon Klein bis zu Dvořák reichte.
Ein Auftakt voller musikalischer Farben
Den Beginn machten Vadim Gluzman an der Violine und der Pianist Evgeny Sinaiski mit Igor Strawinskys Suite Italienne. Die Musik aus dem Ballett „Pulcinella“ verbindet historische musikalische Formen mit Strawinskys moderner Tonsprache und gab dem Konzert einen ebenso farbenreichen wie temperamentvollen Auftakt.
Anschließend wurde das Ensemble erweitert. Gluzman musizierte gemeinsam mit den Villa-Musica-Stipendiaten Julian Kainrath, Eike Coetzee und Klaudio Zoto Anton von Weberns Langsamem Satz für Streichquartett. Das 1905 entstandene Werk zeigte Webern von einer besonders gefühlvollen Seite. Weit entfernt von der später so konzentrierten und strengen Tonsprache des Komponisten entfaltete sich eine spätromantische, geradezu schwelgerische Klangwelt.
Musik wird zur Erinnerung
Einen Kontrast dazu setzte Gideon Kleins Streichtrio. Klein, ein tschechisch-jüdischer Komponist und hochbegabter Pianist, vollendete das Werk 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt. Nur wenige Tage später wurde er nach Auschwitz deportiert. Klein wurde Anfang 1945 im Alter von gerade einmal 25 Jahren ermordet. Sein Streichtrio gehört zu seinen letzten vollendeten Kompositionen und steht beispielhaft für die vielen jüdischen Künstler, deren Leben und Schaffen durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört wurden.
Die Aufführung in Engers erhielt dadurch eine besondere Bedeutung. Zwischen all der musikalischen Schönheit erinnerte das Werk daran, dass Musik auch Zeugnis ablegen und die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wachhalten kann.
Begeisterung bereits vor der Pause
Dass die musikalische Qualität des Abends das Publikum unmittelbar erreichte, zeigte sich schon vor der Pause. Nach dem ersten Konzertteil gab es aus dem voll besetzten Diana-Saal Bravo-Rufe und lang anhaltenden Applaus. Besonders auffällig war dabei die Spielfreude von Vadim Gluzman. Immer wieder zeigte sich während seines Spiels ein Lächeln auf seinem Gesicht. Die sichtbare Freude am gemeinsamen Musizieren übertrug sich offenbar auch auf das Publikum.
Stellenanzeigen | WesterwaldJobs
⇒ Mehr Westerwald Jobs entdecken | ⇒ Stellenanzeige schalten
Dvořáks großer Schlussakkord
Nach der Pause folgte mit Antonín Dvořáks Klavierquintett A-Dur op. 81 das umfangreichste Werk des Abends. Nun standen alle fünf Musiker gemeinsam auf der Bühne: Evgeny Sinaiski am Klavier, Vadim Gluzman und Julian Kainrath an den Violinen sowie Eike Coetzee an der Viola und Klaudio Zoto am Violoncello.
Dvořáks Quintett zählt zu den herausragenden Werken der romantischen Kammermusik. Es verbindet einen außergewöhnlichen Melodienreichtum mit den rhythmischen und melodischen Einflüssen der böhmischen Volksmusik. Die melancholische Dumka und das temperamentvolle Furiant verleihen dem Werk seine besondere Charakteristik.
Internationale Klasse trifft auf junge Talente
Mit Vadim Gluzman war zum Auftakt der Jubiläumssaison ein international gefeierter Geiger in Engers zu erleben. Der israelische Musiker konzertiert weltweit mit bedeutenden Orchestern und spielt auf einer historischen Stradivari aus dem Jahr 1690.
Ihm zur Seite standen mit Evgeny Sinaiski sowie die drei Villa-Musica-Stipendiaten, Musiker unterschiedlicher Generationen. Julian Kainrath, Eike Coetzee und Klaudio Zoto gehören zu einer jungen Künstlergeneration, die von Villa Musica gefördert wird und bei solchen Begegnungen wertvolle Erfahrungen an der Seite international etablierter Musiker sammeln kann.
Der Konzertabend im Schloss Engers zeigte damit eindrucksvoll, wofür Villa Musica seit 40 Jahren steht: musikalische Nachwuchsförderung, Begegnungen zwischen Generationen und Kammermusik auf höchstem Niveau.
Die Jubiläumssaison ist eröffnet. In den kommenden elf Monaten folgen mehr als 120 weitere Konzerte der Villa Musica an zahlreichen Spielorten in Rheinland-Pfalz. woti
Mehr dazu:
Veranstaltungsrückblicke
Feedback: Hinweise an die Redaktion
| Alle Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder): |
|
|






























