Zölibat im Fokus: Priester zwischen Amt und Liebe
In Rheinland-Pfalz stehen katholische Priester gelegentlich vor der schwierigen Entscheidung, ob sie ihrem Amt treu bleiben oder sich für die Liebe entscheiden sollen. Der Pflichtzölibat stellt dabei eine entscheidende Hürde dar.
Mainz. Ein Gespräch, eine wachsende Nähe - irgendwann kann ein Priester vor einer lebensverändernden Entscheidung stehen: Bleibt er in seinem Amt oder folgt er dem Ruf seines Herzens? In Rheinland-Pfalz gibt es keine genauen Statistiken darüber, wie viele Priester ihr Amt aus Liebe aufgeben. Das Bistum Mainz berichtet von 19 Priestern seit 1980, die wegen einer Beziehung ihre Position aufgegeben haben. Eine allgemeine Statistik existiert jedoch nicht. Die Diözese betont, dass der Zölibat nicht der einzige Grund für den Amtsverzicht sei.
Hilfe beim Neuanfang
Für Priester, die das Amt verlassen, endet nicht nur eine berufliche Karriere, sondern oft auch die finanzielle Sicherheit. Das Bistum Mainz bietet Unterstützung durch Übergangsbeihilfen und Hilfe bei der beruflichen Neuorientierung. Manche ehemalige Priester finden Anstellungen als Religionslehrer. Auch im Bistum Trier gibt es Fälle von Priestern, die den Zölibat nicht mehr leben wollten, jedoch ohne spezifische Erfassung der Zahlen. Im Bistum Speyer wurden in den letzten zehn Jahren drei Priester laisiert.
Nach 37 Jahren kommt die Liebe
Pfarrer Andreas Unfried aus dem Taunus zeigt, wie konsequent eine solche Entscheidung sein kann. Nach 37 Jahren im Dienst gibt er seine Pfarrei auf, um zu heiraten. Sascha Jung, ehemals Pfarrer in Flörsheim am Main, beschreibt seinen Weg ähnlich. Heute ist er verheiratet und arbeitet außerhalb der Kirche. Sein prägnanter Satz dazu lautet: "Ich habe Ehelosigkeit versprochen, aber keine Lieblosigkeit."
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Ein Versprechen mit langer Geschichte
Der Zölibat, die Verpflichtung zur Ehelosigkeit, wurde erst im Laufe der Kirchengeschichte verankert. Innerhalb und außerhalb der Kirche wird immer wieder diskutiert, ob dieser notwendig ist. Edgar Büttner von "Wir sind Kirche" kritisiert den Pflichtzölibat und spricht von einem Verlust an Glaubwürdigkeit der Kirche. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil seien etwa 2.000 Priester im deutschsprachigen Raum wegen Heirat aus dem Amt ausgeschieden.
Zwischen Berufung und neuem Leben
Der ehemalige Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer plädierte dafür, den Pflichtzölibat aufzuheben, da viele gute Priester diesen nicht leben könnten. Die Geschichten dieser Priester erzählen nicht vom Scheitern, sondern von persönlichen Entscheidungen und der Frage, welchen Raum die Kirche für individuelle Lebensentscheidungen lässt. (dpa/bearbeitet durch Red)
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