Pressemitteilung vom 27.10.2026 
Kinderschutzbund warnt vor mehr Cybergrooming-Fällen in Rheinland-Pfalz
Der Kinderschutzbund Rheinland-Pfalz schlägt Alarm: Die Zahl der Fälle von Cybergrooming nimmt zu. Besonders besorgniserregend ist das Schweigen vieler betroffener Kinder und Jugendlicher.
Mainz. Der Kinderschutzbund Rheinland-Pfalz warnt vor einer steigenden Zahl an Fällen von Cybergrooming. Von sexuellen Übergriffen im Internet betroffene Kinder oder Jugendliche schwiegen häufig, sagte Vorstandsmitglied Joachim Türk in Mainz. Einige glaubten nicht, dass ihnen die Eltern helfen könnten, andere hätten Angst, ihr Smartphone zu verlieren. Neben sozialen Netzwerken seien etwa Computerspiele "Einfallstore" für Cybergrooming. Dort nähmen Täter über Chats Kontakt zu Kindern oder Jugendlichen auf, es würden Dinge versprochen oder geschenkt, später werde eine Gegenleistung dafür verlangt, sagte Türk. Bandenmäßig organisierte Gruppen sprächen Kinder an, setzen sie unter Druck. "Die Kinder sind wirklich in einer Notlage."
KI macht Opfer erpressbarer
Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) seien Opfer noch leichter erpressbar, sagte Türk - etwa durch Deepfakes, also künstlich erstellte oder technisch veränderte Bilder und Videos mit Darstellungen von Kindern und Jugendlichen. Angesichts dieser Entwicklung sei es wichtig, schon im frühkindlichen Bereich dieses Thema anzugehen. Im Grunde müsse, wie auch von der von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzten Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" empfohlen, von Geburt an mit Eltern gearbeitet und klargemacht werden, "was da abgeht".
Landeskriminalamt sieht großes Dunkelfeld
Das LKA vermutet ein erhebliches Dunkelfeld bei Cybergrooming. Täter nutzen soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und Gaming-Plattformen, um Kontakt aufzunehmen. Joachim Türk vom Kinderschutzbund bezeichnet insbesondere Chats in Computerspielen als "Einfallstore" für Täter. Diese versprechen Geschenke, fordern aber später Gegenleistungen.
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Täter gehen unterschiedlich vor
Carina Kneip, Präventionsexpertin beim LKA, erklärt, dass Täter Vertrauen aufbauen oder direkt sexuelle Themen ansprechen. Intime Aufnahmen können als Druckmittel verwendet werden. Künstliche Intelligenz, etwa durch Deepfakes, erleichtert Erpressungen. "Die Kinder sind wirklich in einer Notlage", betont Türk.
Jugendliche können Minderjährige manipulieren
Nicht nur Erwachsene, auch Jugendliche können andere Minderjährige manipulieren, warnt Kneip. Laut einem Forschungsbericht des Bundeskriminalamtes sind die meisten Opfer weiblich und zwischen acht und 13 Jahren alt. Mädchen sind öfter betroffen als Jungen, jedoch nicht so häufig, wie das Hellfeld vermuten lässt.
Risikobewusstsein spielt große Rolle
Fehlendes Risikobewusstsein erhöht die Gefahr von Cybergrooming. Kinder sollten keine Klarnamen verwenden und Freundschaftsanfragen kritisch hinterfragen. Kneip rät, verdächtige Kontakte sofort zu beenden und Forderungen zu ignorieren. Volljährige Täter handeln oft aus sexuellem Interesse, während jugendliche Täter meist aus Langeweile agieren.
LKA-Expertin: Kinder im Digitalen nicht allein lassen
Kinder benötigen im digitalen Raum Schutz und Begleitung, mahnt Kneip. Medienkompetenz ist entscheidend, um Privatsphäre zu schützen und Sicherheitseinstellungen zu nutzen. Der Kinderschutzbund bietet in Rheinland-Pfalz Materialien und Theaterstücke an, um das Thema zu vermitteln. "Diese Fähigkeiten zu vermitteln, ist Aufgabe der Erwachsenen."
(dpa/bearbeitet durch Red)
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