Kinder im digitalen Zeitalter: Leben zwischen zwei Welten
Von Klaus Köhnen
Vereinsamung, ein Leben in der “Blase“, wachsende Abhängigkeit: Beim Informations- und Mitmachabend am Dienstag, 27. Oktober, in der Stadthalle Altenkirchen zeigten Astrid und Wilfried Brüning, welche Gefahren digitale Medien für Kinder bergen können. Die rund 80 Besucher erfuhren auch, was Eltern dagegen tun können.
Altenkirchen. Wie gefährlich können digitale Medien für Kinder werden, und was können Eltern tun? Darum ging es am Dienstag, 27. Oktober, in der Stadthalle Altenkirchen. Zu Gast waren die Medienpädagogen und Filmemacher Astrid und Wilfried Brüning; ihr Vortrag trug den Titel “Zwischen zwei Welten – Kinder im medialen Zeitalter“. Der Abend richtete sich an Eltern und Kita-Mitarbeiter, rund 80 Besucher waren gekommen. Beginn war um 18.30 Uhr, der Eintritt war frei. Veranstaltet wurde er in Kooperation mit der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld und dem Caritasverband Rhein-Sieg e. V. und der Grundschule Weyerbusch.
Die Brünings sind durch den Film “Wege aus der Brüllfalle“ bekannt”. Er zeigt realitätsnah und ohne erhobenen Zeigefinger den klassischen Teufelskreis im Familienalltag: Eltern bitten ihr Kind freundlich, etwas zu tun, etwa aufzuräumen. Das Kind reagiert nicht. Nach wiederholtem Bitten und wachsender Frustration verlieren die Eltern die Geduld und beginnen zu brüllen.
Auch mal mit Kratzern nach Hause
In seinem Grußwort ging Bürgermeister Fred Jüngerich darauf ein, dass er kein Experte für Digitalisierung sei. “Als dreifacher Vater habe ich jedoch eigene Erfahrungen gesammelt. Es ist wichtig, die Kinder in der digitalen Welt zu unterstützen, ohne sie zu überfordern. Ein Ausgleich durch das Näherbringen der sogenannten ‚realen Welt‘ gehört aber untrennbar dazu. Kinder sollten nach Jüngerichs Worten mehr in der Natur spielen, sich ausprobieren und “ja, auch mal mit Kratzern nach Hause kommen“.
Wie das kindliche Gehirn lernt
Die Entwicklung des menschlichen Gehirns im Kindesalter sei ein sehr komplexer Vorgang, so die Referenten. Unterstützt von Kita-Mitarbeitern zeigten sie im weiteren Verlauf, wie sich das kindliche Gehirn entwickelt. Kinder lernen durch Erfahrungen, die sie selbst spüren und erleben, so die Aussage. Nur so sind Lernen und das Speichern von Erfahrungen möglich. Das sei wissenschaftlich belegt, unter anderem durch den bekannten deutschen Kinderarzt, Autor und Wissenschaftler Herbert Renz-Polster, der sich intensiv mit artgerechter Erziehung, frühkindlicher Entwicklung und evolutionärer Pädagogik beschäftigt, sowie durch Gerald Hüther. Beide befassen sich in einem Buch mit der Bedeutung des freien Spiels.
Diskussion: Die Balance finden
Eine anschließende Diskussion setzte sich mit der Balance zwischen digitalen Medien und den realen Erfahrungen der Kinder auseinander. Es liege nicht in ihrem Sinne, die modernen Möglichkeiten zu “verteufeln“, betonten die Referenten; die Nutzung sollte aber mit Übersicht erfolgen. Mediennutzung sei heutzutage alltäglich und in Maßen auch sinnvoll. Sie stellten jedoch die Frage, was bei der Mediennutzung der Kinder schiefgelaufen sei. Ihre Antwort: die zunehmende Abhängigkeit (Sucht) von digitalen Medien.
Als weitere Gefahr nannten sie die Vereinsamung: Kinder zögen sich zurück und hätten fast ausschließlich über die Medien Kontakt. Von einer “Blase“ sprachen die Referenten, wenn sich jemand immer mehr in einer “Scheinwelt“ befinde. Wie sich das Nutzungsverhalten verbessern lässt, sei die Aufgabe aller. Eltern sollten dazu gemeinsam mit ihren Kindern spielen und zum Beispiel malen.
Kinder unter drei Jahren sollten, so die Experten, keine Bildschirmmedien nutzen. Nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten Kindergartenkinder den Medienkonsum durch reales Spiel ausgleichen. Empfohlen wird ein Verhältnis von 1 : 4 pro Tag: Auf einen Teil digitaler Medien sollten vier Teile des realen Spiels kommen.
Fazit: Mit Bedacht und dosiert
Am Ende wurde deutlich, dass Erziehung immer noch die Förderung der Fähigkeiten bedeuten sollte. Das Spiel in der Natur und der Umgang mit Freunden können durch digitale Medien nicht ersetzt werden. Deutlich wurde aber auch, dass Kinder heute mehr Möglichkeiten haben als vor 40 Jahren. Diese Möglichkeiten müssten aber mit Bedacht und in Maßen genutzt werden, so die Referenten zum Abschluss. (kkö)
Lokales: Altenkirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion
| Alle Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder): |
|
|
|
|





























