Pressemitteilung vom 05.11.2026 
Landräte fordern einfachere Fachkräfteeinwanderung und bessere Bleibeperspektiven
Internationale Fachkräfte sollen leichter nach Rheinland-Pfalz kommen und dauerhaft bleiben können. Die Landrätekonferenz Nord fordert dafür verlässlichere Verfahren und stärkere kommunale Strukturen. Ihr Positionspapier nimmt auch Abwanderung und Rückkehr in den Blick.
Altenkirchen/Rheinland-Pfalz. Die Landrätekonferenz Nord fordert, die Fachkräfteeinwanderung stärker an den Anforderungen der Praxis auszurichten. Bei ihrer jüngsten Sitzung im Kreishaus Altenkirchen verabschiedeten die vertretenen Landrätinnen und Landräte dazu ein weiteres gemeinsames Positionspapier. Neben diesem Forderungskatalog beschlossen sie auch eine Erklärung zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts.
Im Mittelpunkt des Papiers stehen zuverlässige Verwaltungsabläufe, eine engere Zusammenarbeit zwischen Bund, Land und Kommunen sowie die dauerhafte Bindung von Fachkräften. Nach Auffassung der Landrätekonferenz ist Einwanderung erst dann erfolgreich, wenn daraus eine verlässliche Beschäftigung und eine langfristige Perspektive entstehen.
Deshalb müssten sämtliche Beteiligten ihre Verfahren konsequent an den Bedürfnissen der Fachkräfte, der Arbeitgeber und der Kommunen ausrichten. Ob internationale Fachkräfte tatsächlich in Deutschland arbeiteten und dauerhaft blieben, entscheide sich nicht allein mit der Visumerteilung. Entscheidend sei vielmehr der gesamte Weg: von der Anwerbung über die Anerkennung beruflicher Qualifikationen bis zur Eingliederung am Arbeitsplatz und im täglichen Leben.
Kommunen brauchen Personal und verlässliche Finanzierung
Der Vorsitzende der Landrätekonferenz Nord, Landrat Achim Hallerbach, bezeichnet internationale Fachkräfte als unverzichtbar für die Wirtschaft und die kommunale Daseinsvorsorge. Das gelte beispielsweise für Krankenhäuser, Pflege, Handwerk und Bildung.
Gleichzeitig hätten die Landkreise bei der Umsetzung der Fachkräfteeinwanderung zahlreiche Aufgaben zu bewältigen. Hallerbach nennt insbesondere die Tätigkeit der Ausländerbehörden, die Integration vor Ort und die Unterstützung von Familien. Hinzu kämen die Versorgung mit Wohnraum, Mobilität und die Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Diese Einschätzung teilt die Landrätekonferenz Nord mit dem Landkreistag Rheinland-Pfalz. Beide sehen Bund und Land in der Verantwortung, die kommunalen Strukturen für diese Aufgaben angemessen auszustatten.
Andreas Göbel, Geschäftsführender Direktor des Landkreistages Rheinland-Pfalz, betont, neue gesetzliche Einwanderungsmöglichkeiten dürften nicht zu zusätzlichen Aufgaben für die Ausländerbehörden führen, ohne zugleich ausreichend Personal, eine verlässliche Finanzierung und geeignete digitale Verfahren bereitzustellen.
Durchgängig digitale Abläufe statt Mehrfacharbeit
Die geforderten digitalen Verfahren sollen Auslandsvertretungen, die Bundesagentur für Arbeit und die beteiligten Behörden miteinander verbinden. Dafür brauche es eindeutig geregelte Zuständigkeiten, gemeinsame Standards und nachvollziehbare Angaben zum jeweiligen Bearbeitungsstand. Auf diese Weise sollen Verzögerungen und die mehrfache Bearbeitung derselben Aufgaben vermieden werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Positionspapiers ist die schnellere Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Besonders in Pflege- und Gesundheitsberufen, aber auch bei pädagogischen Tätigkeiten, hänge der tatsächliche Einsatz internationaler Fachkräfte davon ab, wie zügig und zuverlässig Anerkennungsverfahren und Berufszulassungen abgeschlossen würden.
Hallerbach erläutert, die Landrätekonferenz Nord fordere ebenso wie der Landkreistag Rheinland-Pfalz eine engere Verbindung zwischen Anerkennung, Sprachförderung und Qualifizierung. Auch die Unterstützung mittelständischer Arbeitgeber müsse darin eingebunden werden.
Klar verständliche Anforderungen, Vorprüfungen und ausreichende Bearbeitungskapazitäten sollen die Abläufe besser planbar machen. Fachliche Standards und der Schutz von Patientinnen und Patienten dürften dabei jedoch nicht beeinträchtigt werden.
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Fachkräftestrategie soll über Einwanderung hinausgehen
Nach dem Positionspapier reicht es nicht aus, eine Fachkräftestrategie allein auf die Einwanderung auszurichten. Bund und Land müssten auch für Beschäftigte attraktiv bleiben, die bereits hier lebten. Ebenso müssten Rückkehrende und hochqualifizierte Menschen berücksichtigt werden, die darüber nachdächten, das Land zu verlassen.
Für die Entscheidung über einen dauerhaften Aufenthalt seien neben beruflichen Möglichkeiten auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wichtig. Dazu gehörten beispielsweise funktionierende Verwaltungsverfahren. Auch das gesellschaftliche Klima beeinflusse die Attraktivität eines Standorts.
Weitere wichtige Voraussetzungen seien familienfreundliche Strukturen, Bildungsangebote, bezahlbarer Wohnraum und soziale Teilhabe. Hallerbach unterstreicht die im Positionspapier formulierte Haltung, Fachkräfte und ihre Familien benötigten verlässliche Perspektiven sowohl im Beruf als auch im Alltag.
Regionale Unterschiede bei der Planung berücksichtigen
Die Landrätekonferenz Nord spricht sich deshalb für Lösungen aus, die auf die jeweilige Region zugeschnitten sind. Fachkräfteeinwanderung müsse mit Wohnraumversorgung, Mobilität, Kinderbetreuung, Wirtschaftsförderung und Integrationsarbeit verbunden werden. Ein einziges Modell für sämtliche Regionen werde den unterschiedlichen Voraussetzungen nicht gerecht.
Von der Landesregierung erwarten die Landrätinnen und Landräte ein landesweites Lagebild zur Fachkräfteeinwanderung. Außerdem solle das Land die regionalen Beratungsangebote koordinieren.
Notwendig sei darüber hinaus eine finanzielle und personelle Unterstützung der kommunalen Stellen, die die Verfahren umsetzten und die Integration begleiteten. Auch bei den digitalen Möglichkeiten müssten diese Strukturen Unterstützung erhalten.
Gemeinsamer Pakt soll Bleiben und Rückkehr fördern
Um die Abwanderung von Fachkräften zu verringern und eine Rückkehr zu erleichtern, schlägt das Positionspapier einen gemeinsamen "Bleiben-und-Rückkehr-Pakt" vor. Daran sollen sich das Land, die Landkreise, Kammern, Hochschulen und Arbeitgeber beteiligen.
Göbel erläutert, die Grundlage dafür müsse eine belastbare Datensammlung zu Abwanderung und Rückkehr bilden. Als weitere Kernelemente nennt er zentrale regionale Anlaufstellen für Fachkräfte und deren Familien sowie schnelle, digitale und transparente Verwaltungsverfahren.
Ergänzend sollen Hilfen bei der Wohnungssuche, Kinderbetreuung und Mobilität sowie Angebote zur beruflichen Perspektive systematisch einbezogen werden. Eine gezielte Rückkehrkampagne soll ausgewanderte Fachkräfte ansprechen. Dafür sollen konkrete Stellenangebote und Zukunftsmöglichkeiten in Rheinland-Pfalz aufgezeigt werden.
Mit diesen Vorschlägen verbindet die Landrätekonferenz Nord die Erwartung, dass Bund und Land die gesetzlichen und verwaltungsbezogenen Voraussetzungen für eine funktionierende Fachkräfteeinwanderung schaffen. Abschließend erklärt Hallerbach, angestrebt werde eine Strategie, die vom ersten Kontakt bis zur langfristigen Bindung von Fachkräften reiche. Sie solle sowohl die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit als auch die kommunale Daseinsvorsorge in Rheinland-Pfalz stärken. (PM/bearbeitet durch Red)
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