Kulturpreis Westerwald: Kapellenverein Ruppach-Goldhausen als Sieger in Altenkirchen geehrt
Große Freude im Altenkirchener Kultursalon: Der Kapellenverein Ruppach-Goldhausen hat in der Pause des Pippo-Pollina-Konzertes den Kulturpreis des Jahres 2026 der Westerwälder Service-Clubs erhalten. Er ist mit 4000 Euro dotiert und wird seit 2014 alle zwei Jahre vergeben.
Westerwald. Eingebettet in das Konzert des italienischen Singer-Songwriters Pippo Pollina im Altenkirchener Kultursalon, der Stadthalle, ist am Freitagabend (6. November) vor rund 300 Zuhörern zum siebten Mal seit 2014 der mit 4000 Euro dotierte Kulturpreis Westerwald, den lokale Service-Clubs ins Leben gerufen hatten, ausgehändigt worden. Mit großer Freude nahmen die Vertreter des Kapellenvereins Ruppach-Goldhausen diese Auszeichnung entgegen. Der erste Anerkennungspreis (500 Euro) ging an „Paulus - Neue Wege gehen", einem Gemeinschaftsprojekt des Konzertchors Wirges 1978 und des Vox Humana Ensembles Westerburg. Geteilt wurde der zweite Anerkennungspreis (je 250 Euro) zwischen dem Druckerei-Museum von Reinhard Zado in Niederhofen (Verbandsgemeinde Puderbach) und der Ausstellungsreihe „Die Goldenen Zwanziger" im Montabaurer Kunst- und Kulturzentrum b-05. Die Geschichte des kleinen Gotteshauses in einem Teil des Dorfes mit knapp über 1200 Einwohnern in der Verbandsgemeinde Montabaur reicht bis ins Jahr 1786 zurück, als es zum ersten Mal erwähnt wurde. Nach Erweiterungen sollte die Kapelle mit Namen Mariä Himmelfahrt im Jahr 2022 aufgegeben werden, der (Förder-)Verein (gegründet 2001) hält sie seitdem offen mit Festen und Gottesdiensten. Unregelmäßig ist das Gebäude an der Hauptstraße 82 zudem Schauplatz von Konzerten. Das nächste ist am Mittwoch, 23. Dezember, 19.30 Uhr, mit Weihnachtsbläsern (Eintritt frei, Spenden willkommen).
„Ein besonderes Anliegen: Kunst und Kultur“
„Als Service Clubs haben wir uns dem Gemeinwohl verpflichtet. Unser Engagement reicht von sozialen Projekten über die Förderung von Bildung bis zur Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenslagen. Doch eine lebenswerte Gesellschaft braucht mehr als soziale Sicherheit“, sagte Beatrix Binder vom Lions Club Bad Marienberg als „Zeremonienmeisterin“ der Urkundenübergabe. Sie brauche auch Inspiration, Kreativität und Begegnung. Deshalb „ist uns die Förderung von Kunst und Kultur ein besonderes Anliegen. Kunst und Kultur sind keine Selbstverständlichkeit – auch weit mehr als ein Freizeitangebot“, ergänzte Binder. Sie stifteten Identität, würden Generationen verbinden, bewahrten Tradition und eröffneten neue Wege, „sie entstehen nicht von allein. Hinter jeder Ausstellung, hinter jeder Lesung, hinter jedem Konzert und jeder Theateraufführung stehen Menschen, die mit Einsatz planen, organisieren und gestalten. Künstler brauchen Veranstalter, Veranstalter brauchen Künstler. Es braucht gegenseitigen Respekt, Vertrauen und Wertschätzung“. Die Entscheidung der Jury sei alles andere als einfach gewesen. Die eingereichten Projekte hätten durch ein ausgesprochen hohes Niveau überzeugt, besonders spannend sei die Entscheidung um den ersten Platz gewesen. Zwischen dem Hauptpreis und dem ersten Anerkennungspreis habe am Ende nur ein einziger Punkt gelegen. „Mit dieser Auszeichnung würdigen wir das große Engagement für den Erhalt der Kapelle und die Pflege eines besonderen und unter Denkmalschutz stehenden Ortes unserer Region. Der Kapellenverein zeigt beispielsweise, wie wichtig es ist, solche Orte zu bewahren und damit ein Stück unserer regionalen Identität und unseres kulturellen Erbes für kommende Generationen zu erhalten“, nannte Binder einen Hauptaspekt für die Einstufung. Als Vorsitzender des Kapellenvereins freute sich Manfred Rütten, dass „die Ehrung bei diesem Anlass hier erfolgt ist“, ehe er ein wenig ins Detail ging, um die Arbeit innerhalb des Zusammenschlusses darzulegen. Er habe einen ehrenamtlichen Vorstand, „wo alle aktiv mitarbeiten und wo wir richtig was bewerkstelligen können, so dass wir das alles auf die Beine stellen können“.
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Blick zurück bis ins Jahr 2014
Mit der „Siegerehrung“ schloss sich zudem ein kleiner Kreis, denn Helmut Nöllgen, „Chef“ des Kultur-/Jugendkulturbüros Haus Felsenkeller in Altenkirchen und seit 40 Jahren Organisator der Kultur-Veranstaltungen in und rund um Altenkirchen (wie gerade die im Kultursalon), war vor zwei Jahren mit der Auszeichnung bedacht worden. Im Jahr 2022 hatte sie Emmanuel Graf Walderdorff als Betreiber der gleichnamigen Galerie in Molsberg (Verbandsgemeinde Wallmerod/Westerwaldkreis) mit Blickrichtung der geplanten Ausstellung mit Werken des inzwischen verstorbenen österreichischen Keramikkünstlers Franz Josef Altenburg erhalten, der seine Werke vorwiegend mit Westerwälder Keramik herstellte. Der Museumsverein „anno dazumal“ in Westerburg war im Jahr 2020 an der Reihe, ausgezeichnet zu werden. Das Trachtenmuseum wurde von Christine Klein aufgebaut und zeigt alte Trachten aus vielen Ländern - unter anderem aus Siebenbürgen (heute Rumänien). Die Konzertreihe „Lauschvisite“, die bei Veranstaltungen in Montabaur zeitgenössische Musik in den Mittelpunkt stellt, war im Jahr 2018 die Preisträgerin. Als Initiatorin gilt Akkordeonisten Eva Zöllner, deren Wurzeln in Oberirsen (Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld) zu finden sind. Aus 18 Bewerbern hatte sich zwei Jahre zuvor die Kleinstkunstbühne Montabaur als Topadresse herauskristallisiert, die Veranstaltungsreihe „Musik in alten Dorfkirchen“ nicht unerheblichen Anteil für diesen Erfolg. Als erster Preisträger überhaupt ging der Kammerchor Marienstatt vor nunmehr zwölf Jahren in die Geschichte ein. Die Jury bescheinigte ihm, dass er das kulturelle Leben in der Region in beispielhafter Weise nachhaltig bereichert habe und noch immer dazu beitrage.
Wer sich bewerben kann
Wer sich bewerben kann, erklärt die Homepage des Kulturpreises: „Der Kulturpreis Westerwald wird für Leistungen auf dem Gebiet der Literatur, der Musik, der Bildenden Kunst, des Theaters, in volkskundlichen Museen oder des sonstigen Kulturschaffens verliehen. Mit dem Kulturpreis soll eine durch Leben oder Werk der Region Westerwald verbundene natürliche oder juristische Person in Anerkennung kulturellen Schaffens motiviert und ausgezeichnet werden. Ein Augenmerk wird auf Nachhaltigkeit gelegt. Ebenso auf die Voraussetzung, dass das Geschaffene der Allgemeinheit dient und zudem die Kulturarbeit in der Region unterstützt. Vorgeschlagen werden oder bewerben kann sich jede Person, die mit einem eigenständigen Projekt, einer Aktivität oder Initiative das kulturelle Leben in der Region Westerwald in beispielhafter Weise bereichert hat und bereichern wird. Die Preisträger werden von einer hochkarätigen Jury ermittelt. Diese setzt sich zusammen aus je einem Mitglied der beteiligten Clubs sowie weiteren externen Juroren aus dem Kulturbereich.“ Die Bewerbungsfrist fürs Jahr 2026 endete am 30. April 2026. Zur Historie: „2013 riefen wir – die Lions Clubs Altenkirchen-Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Bad Marienberg, Montabaur-Hachenburg, Montabaur Mons-Tabor und Westerwald sowie die beiden Rotary Clubs Montabaur und Westerwald – den Kulturpreis Westerwald ins Leben.“ Seither wird er alle zwei Jahre ausgelobt. (vh)
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