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Kultur | - keine Angabe -


Nachricht vom 01.08.2013 - 13:42 Uhr    

Mythos Rhein im Romanticum Koblenz

Im kürzlich eröffneten Kulturzentrum „Forum Confluentes“, das wie ein weißer Monolith am Zentralplatz liegt, sind das neue Mittelrhein-Museum, die Koblenzer Stadtbibliothek und die zentrale Tourist -Information untergebracht. Im Untergeschoss hat die Stadt Koblenz mit dem „Romanticum“ eine sehr sehenswerte interaktive Erlebnisausstellung zum romantischen Rheintal gestaltet.

Blick durch ein Bullauge in die MS Rheinromantik. Durch die Bugfenster sieht man in Echtzeit die Rheinlandschaft vorüberziehen. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Koblenz. Mit „Rheinromantik“ assoziiert man meist das Loreleylied, Weinseligkeit und William Turner. Diese Klischees werden in der 800 Quadratmetern umfassenden Ausstellung durchaus auch bedient, aber auf eine ganz besondere Weise, die Spaß bringt bei der Informationserfassung: Der Besucher findet sich als Passagier auf einem Rheindampfer wieder, in dessen Salon glitzernde Kronleuchter über sprechenden Biedermeier-Plüschmöbeln hängen. Auf einer Schattenwand flanieren Sophie von La Roche und die englische Königin Victoria vorbei.

In der Scherenschnittgalerie findet man berühmte Zeitgenossen der Queen wie Bettina von Arnim, Carmen Sylva, Clemens Brentano, Johann Wolfgang von Goethe und die Brüder Grimm. Mit viel Spaß erstellt ein Mädchen digital den Schattenriss seiner Oma sowie den eigenen, mit Zopf und Dutt dekoriert. Kurzfristig werden diese Portraits in die Galerie integriert, bis die nächsten Lichtmaler die kreative Spielerei nutzen. Die Ergebnisse können per Q-Code auf der Eintrittskarte abgespeichert werden. Alle Beiträge der zahlreichen Informationsstationen sind auf diese Weise computertechnisch aufladbar. Überhaupt bietet die Ausstellung reichliche Betätigungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, die die Technik sofort begeistert ausprobieren. Wer darin nicht versiert ist, darf auf die freundliche Hilfe der jungen Service-Dame vertrauen, die immer wieder unaufgefordert die technischen Möglichkeiten der Apparate erklärt.

Per Knopfdruck und Kopfhörer kann man sich in die Kunst, Kultur und die kulinarischen Genüsse der Region vertiefen. Ein Blick unter die Speiseglocke offenbart rheinische Spezialitäten wie Rieslingsuppe, Rheinzander und Mandelpudding in Rheinweintunke. Die Rezepte gibt es gratis dazu.

Die Weintradition spielt eine große Rolle im Rheintal. Die typische Steillagenbewirtschaftung mit Wingertsmauern aus Bruchsteinen sind optische und ökologische Besonderheit der Region. Die Gestaltung und Bewahrung der Kulturlandschaft ist gemeinsame Aufgabe von Forst, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Tourismusindustrie.

Der Tourismus lebt von den rund 40 Burgen, Schlössern und Festungen am Rhein, die schon vor langer Zeit Dichter und Maler animierten. Hier kommt dann auch der bekannte Engländer William Turner zum Zug, der seine Reiseeindrücke in atmosphärisch dichten Zeichnungen und Aquarellen festhielt. Ein Lied klingt um die Welt: Von Heinrich Heine erdichtet und von Friedrich Silcher vertont, ist das Loreleylied mit Richard Taubers oder Mireille Mathieus Stimme zu hören, aber auch auf Japanisch oder in einer selbst gesungenen Version.

Einige der vielen sagenumwobenen Burgen auf den Rheinhöhen kann man mit einer Balgenkamera anpeilen, um Namen, Entstehungsgeschichte und die damit verbundene Sage zu erlernen. So erfährt der Besucher, warum sieben gefährliche Felsen im Fluss liegen. Sogar eine eigene Burganlage lässt sich virtuell zusammensetzen. Die „MS Rheinromantik“ erlaubt eine Rheinreise in Echtzeit mit authentischer Sicht aus den Bugfenstern und Motorengeräusch im Hintergrund. Ein Ehepaar diskutiert, was jeweils zu sehen ist und freut sich über richtig erkannte Positionen.

Die Ausstellung macht deutlich, dass für die Rheinanwohner und die Schiffer der Rhein mehr ist als eine romantische Modelleisenbahnlandschaft, er ist der „Fluss aller Flüsse“. Schon vor rund 400 Millionen Jahren aus einem Meer entstanden und am Ende des Eiszeitalters als Tal ausgebildet, zog und zieht er immer wieder Reisende an.

Da alle optischen und akustischen Objekte konsequent zweisprachig gestaltet sind, bietet das Museum eine zeitgemäße neue Attraktion im Naturerbe Mittelrheintal. Helmi Tischler-Venter



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