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Nachricht vom 03.10.2013 - 13:07 Uhr    

Herdorfer demonstrierten in Mainz

Die Herdorfer machten ihre Ankündigung, in Mainz gegen die Zwangseingliederung zu demonstrieren, wahr. Mit weiteren Demonstranten aus dem ganzen Land, darunter auch ein Daadener, ging es vom Hauptbahnhof zum Landtagsgebäude. Dort wurde die rund 1200 Demonstranten von den Regierungsparteien und ihren Vertretern allerdings völlig ignoriert.

Jan Hillebrand von der BI Herdorf übergibt die Unterschriftenmappe an MdL Christian Baldauf (CDU), links steht Bürgermeister Uwe Erner. Fotos: anna

Mainz/Herdorf. Schon Ende Juni, als die Herdorfer sich zur Bürgerversammlung im Hüttenhaus einfanden, wo Bürgermeister Uwe Erner die Kommunalreform erläuterte, wurden Stimmen laut, nach Mainz zu fahren und dort für die Unabhängigkeit der verbandsfreien Stadt zu demonstrieren.

Mittwoch, 2. Oktober war es so weit, die Stadt hatte zwei Reisebusse vom Reisebüro Muhl gechartert, in jedem Bus hatten 50 Personen Platz, und beide Busse waren voll. Weitere Demonstranten bildeten Fahrgemeinschaften und fuhren mit ihren Autos nach Mainz, um 10 Uhr ging es am Rathaus los. Gut gelaunt und frohen Mutes, aber keineswegs blauäugig, starteten die Demonstranten, Ziel war der Mainzer Hauptbahnhof.

Dort angekommen, wartete schon eine große Gruppe der BI Budenheim auf weitere Mitstreiter. Auch die Budenheimer sind von einer drohenden Zwangsehe betroffen und wollten ihrem Unwillen ebenso wie die Herdorfer Luft machen. Stephan Hinz ist Pressesprecher der BI Budenheim und hatte die Demo organisiert. Am Hauptbahnhof Mainz trafen dann noch weitere Demonstranten aus den Orten Heidesheim, Kröv-Bausendorf, Manderscheid, Krähenberg und Wallhalben ein, so dass letztlich rund 1.200 Demonstranten ihrem Unmut über die Politik der Landesregierung von Mainz lautstark kund taten.

Daadens Bürgermeister war dabei
Unter all den vielen Unbekannten wurde aber plötzlich ein den Herdorfer Bürgerinnen und Bürgern sehr bekanntes Gesicht entdeckt. Wolfgang Schneider, VG-Bürgermeister von Daaden hatte den Weg nach Mainz nicht gescheut, um ebenfalls gegen die Zusammenlegung der Orte zu demonstrieren. Trotz mehrfacher Aufforderung an die Bürger des Daadener Landes, hatte sich von denen keiner dem Bürgermeister angeschlossen, wie er selbst erzählte. Dabei haben sich doch alle Gemeinderäte gegen die Fusion ausgesprochen. Zum Demonstrieren fehlte aber wohl der Mut.

Für die Herdorfer nur ein weiterer Beweis, dass die Mentalitäten einfach zu verschieden sind. Somit schloss Schneider sich den Herdorfern an und marschierte mit durch Mainz. Etwa 2,5 Kilometer lang war die Strecke, die vom Hauptbahnhof bis zum Landtagsgebäude führte. Bevor es los ging machte Hinz alle Teilnehmer darauf aufmerksam, sich streng an den vorgegebenen Weg zu halten und auf gar keinen Fall die Bannmeile am Landtag zu durchbrechen. Zu der Bannmeile gehörte auch der Bürgersteig auf Landtagsseite, gegenüber der Wiese, wo sich die Demo zur Schlusskundgebung einfand.

Die Demonstranten aus Budenheim marschierten der Demo voran und hatten einen Sarg gebaut, mit dem sie symbolisch den Bürgerwillen beerdigten. Trillerpfeifen, Kläpperchen und Tröten sorgten akustisch für Aufmerksamkeit, dazu skandierten die Demonstranten immer wieder, dass sie Eigenständigkeit für ihre Heimatorte forderten. „Wir sind das Volk“, „Bürgerwille ist Demokratie“ und „Keine Zwangsfussion“, wurden ebenso immer wieder gerufen. Auf dem Wiesengelände, schräg gegenüber vom Landtag, wurde der Sarg dann feierlich aufgebahrt.

Erster Abgeordneter vor Ort war Michael Wäschenbach, der den Herdorfern einen kurzen Besuch abstattete und ebenso schnell wieder verschwunden war, denn im Landtag selbst lief währenddessen die Haushaltsdebatte für die kommenden zwei Jahre. „Malu schick den Lewentz raus“ und „Wir wollen Roger sehn“, riefen die Demonstranten, was auf Grund der Entfernung und bei geschlossenen Fenstern im Landtag selbst kaum zu hören gewesen sein dürfte.

MdL Dorothea Schäfer (CDU) besuchte die Demonstranten ebenfalls, denn auch in ihrem Wahlkreis sind Orte von der Zwangsfusion betroffen. Die Demonstration sei der richtige Weg, so Schäfer. Es gehe nicht, dass von der Landesregierung der Wille des Bürgers nicht ernst genommen werde. Sie wolle den Innenminister auffordern hinaus zu kommen.
Danach sprach der stellvertretende Fraktionssprecher der CDU, Alexander Licht, zu den Demonstranten. Es freue ihn, dass diese mit der Demo deutlich ihre Meinung kundtun würden. In der laufenden Haushaltsdebatte habe die Ministerpräsidentin, trotz der Kenntnis der Demonstration, kein Wort zu der Zwangsfusion gesagt. Dabei hätten sich allein in Kröv-Bausendorf 97 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gegen die Zwangsfusion ausgesprochen. Das habe dem Landtag aber nicht gepasst. Man müsse die Treppe von oben kehren, so Licht, um wirkliche Reformen und Sparmaßnahmen zu erreichen. Das bedeute Zusammenlegung von Ministerien, Ämtern, Kreisen und so weiter. Dies wäre der richtige Weg.

Dann gab es einen Anruf, der Innenminister werde nicht hinaus kommen. Wut und Enttäuschung machten sich breit und es wurde wieder laut. „Lewentz solle sich was schämen“, meinte Hinz. „Feige“, „Ignorant“, „Arrogant“, mit solchen Worten bedachten die Umstehenden das Verhalten des Innenministers. Niemand von den Regierungsparteien SPD und Grüne hielt es für nötig, mit den Demonstranten zu reden. Keiner hatte den Mut, geschweige denn sich eventuell sogar auf deren Seite und gegen die Partei zu stellen.

CDU unterstütze das Bürgeranliegen
Dafür ergriff ein weiterer CDU Politiker das Wort, Christian Baldauf war zu den Demonstranten gekommen. Er entschuldigte erst einmal Julia Klöckner und Anke Beilstein, die aus gewichtigen Gründen nicht zu den Demonstranten kommen konnten. Baldauf erklärte den Demonstranten, dass seitens der Landesregierung der Bürgerwille ignoriert werde, obwohl es doch immer die gewesen sei, die davon geredet habe, die Bürger in Entscheidungen einbeziehen zu wollen. Selbst dem mehrfach von der CDU beantragten Moratorium habe die Regierung nicht stattgegeben. Die Demonstration sei ein klares Signal und die Union trete für die Interessen der Demonstranten ein. Baldauf rief die Anwesenden dazu auf, in zwei Jahren bei der nächsten Landtagswahl der SPD und den Grünen die Quittung für ihr Verhalten zu geben.

Die Delegation aus Herdorf war nicht mit leeren Händen angereist. Jan Hillebrand, Sprecher der BI Herdorf hatte eine Mappe dabei mit rund 2.300 Unterschriften gegen die Zwangsfusion, dazu Fotos von der Demonstration in Herdorf, sowie eine DVD mit der Rede von Ehrenbürger Erni Schlosser. Dies übergab Hillebrand an Baldauf mit der Bitte die Mappe an den Innenminister weiter zu reichen. Danach kamen noch die Bürgermeister zu Wort. Alle waren dafür den Protest fortzusetzen, man dürfe sich nicht alles gefallen lassen und gegebenen falls werde man für seine Rechte vor Gericht gehen. Der Weg zu den Bussen nahe des Main führte die Demonstranten von Herdorf dann doch über den Gehweg entlang des Landtages, der Versuch, dort eines der Protestschilder hoch zu halten, wurde sofort von der Polizei unterbrochen. (anna)

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Demo Mainz 2.10.2013 (19 Fotos)


Kommentare zu: Herdorfer demonstrierten in Mainz

4 Kommentare

Ich kann den Kommentar von Frau Bellinger nicht nachvollziehen! Im gewissen Sinne ist es schon richtig das der Gesetzgeber einiges durchsetzen muß wie z.B.Steuern.Sind nicht aber diese Politker z.B.jetzt im Landtag nicht Abgesandte des Volkes, die ihre Interessen zu vetreten haben? Wie leben in einer Demokratie nicht in einer Diktatur, wir sind das Volk nicht die da in Mainz sitzen.Ich liegt eindeutig ein Verstoss gegen die Demokratie, sprich das Grundgesetz vor.Herdorfer Bürger wurden zur Fusion nicht gefragt.
Erst nennt man es Fusion, aber da irgendwer die Verwaltung nicht in Herdorf haben will wurde schnell hinter den Kulissen was gedreht ist zu vermuten.Da heißt es auf einmal Eingliederung der Stadt Herdorf in das Dorf Daaden, ein Ort der mindestens doppelt so groß ist und Stadtrechte besitzt.Soll jetzt Daaden Stadtrechte erhalten-das wäre wohl der größte Witz!Die Verwaltung gehört wegen der bisherigen Vorgaben in die größte Ortsgemeinde und das ist nunmehr Herdorf! Dann jammern wohl die anderen? Herdorf wehrt Euch!!Ein Tipp: Wer das Gejammere Herdorfs nicht ertragen kann sollte weghören oder die Ohren zumachen!!
#4 von Ferdinand Larenberg, am 05.10.2013 um 12:49 Uhr
Man muss öfters im Leben mit Entscheidungen des Gesetzgebers leben, die nicht unbedingt eine Streicheleinheit darstellen und vielleicht unbequem sind. Wann wird denn der Bürger gefragt, ob er gerne oder viel Steuern bezahlt oder als Anlieger für Ausbaubeiträge zur Kasse gebeten wird? Ich kann das Herdorfer Gejammere nicht mehr lesen und daher nur beipflichten: Fusion Jetzt! Ein zwei Jahren redet niemand mehr darüber.
#3 von Christa Bellinger, am 05.10.2013 um 11:15 Uhr
Demografischer Wandel scheint heutzutage das "Zauberwort" zu sein um Einsparungen den Bürgern zu erklären.In vielen Zeitungen kann man aber nachlesen das es Bevölkerungszuwachse gibt in vielen Gemeinden und Kreisen-
von Demografischer Wandel kaum eine Spur-was in 40-50 Jahren ist, braucht doch jetzt schon kein Thema sein, man kann ja was tuen für die Geburtensteigerungen aber das scheint ein Tau- Thema zu sein.Wo bleiben denn die Zuwanderer jeglicher Art mit den vielen Kindern-Demografie ade.
Was heißt hier die Daadener waren vernünftig geblieben.Dem Herrn Bollmann (Kommentar 1) scheint es nicht schnell genug zu gehen das Herdorf zu Daaden kommt.Ich weiß wie man die Daadener in Bewegung bringen kann, in dem die Verwaltung nach Herdorf kommt was richtig wäre angesichts der größten Ortsgemeinde der neuen VG, wie es ja zuerst vorgesehen war!!
Scheinbar hat Herr Bauckhage aus Daaden was dagegen ansonsten verstehe ich die Änderungen nicht-da kann man nur den Kopf schütteln....!!!!
#2 von Ferdinand Larenberg, am 04.10.2013 um 10:05 Uhr
Offensichtlich waren nur die Daadener Bürger vernünftig geblieben, denn die sind zu Hause geblieben. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Gesetzgebungsverfahren nun zügig durchgeführt wird. Es würde ja mal interessieren, wie die so verständnisvollen CDU-Parlamentarier zukünftig angesichts des demografischen Wandels die Verwaltungseinheiten wirtschaftlich funktionsfähig halten wollen.
#1 von Markus Bollmann, am 04.10.2013 um 07:41 Uhr

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