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Nachricht vom 22.12.2019    

Buchtipp: „Inventarium dero Closterbücher so zu Siegen“ von Christian Brachthäuser

Sie gehören sicherlich zu den unbekannten Kapiteln der spätmittelalterlichen Geschichte und Klosterkultur, nicht nur der Stadt Siegen, sondern auch der Grafschaft Nassau: gemeint sind Bibliothek und Lebenswelten der Franziskaner mit ihrer Sammlung wertvoller Traktate, Predigttexte, Bibelkommentare und wissenschaftlicher Schriften.

Buchtitel. Foto: Verlag

Neunkirchen. Nur wenige Quellen zur Geschichte der Siegener „Barfüßer“, wie die Mönche wegen ihres strengen Armutsideals auch bezeichnet werden, sind erhalten geblieben. Umso bemerkenswerter erscheint der Fund, den der Neunkirchener Autor Christian Brachthäuser im Königlich Niederländischen Hausarchiv in Den Haag gemacht hat. In den Beständen befindet sich das bislang nicht näher untersuchte „Inventarium dero Closterbücher so zu Siegen“, niedergeschrieben am 16. Dezember 1591 von zwei gräflichen Beamten Graf Johanns VI. zu Nassau-Dillenburg (1536-1606). „In einer Art Bestandsaufnahme wurden rund ein halbes Jahrhundert nach Einführung der Kirchenreformation in Nassau sämtliche Bücher, die sich damals noch im Oberen Schloss von Siegen befanden, aufgelistet. Ein solches Dokument liefert wertvolle Erkenntnisse über die kirchengeschichtlichen, religiösen und naturphilosophischen Studien der Mönche. Besonders im Hinblick darauf, welche theologischen Inhalte der Bevölkerung vor der Reformation vermittelt wurden“, so der Mitarbeiter des Stadtarchivs Siegen.

Dies verdient vor allem Erwähnung, weil Siegerländer Heimathistoriker beispielsweise noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts glaubten, die Ordensbrüder hätten vor ihrer Ausweisung aus Siegen im Jahr 1534 den größten Teil ihrer Büchersammlung heimlich, still und leise weggeschafft und daher einen nur unbedeutenden Beitrag zum religiösen Leben in Siegen geleistet. „Genau das Gegenteil aber scheint der Fall gewesen zu sein. Vergleiche mit anderen Konventen legen sogar den Schluss nahe, dass die Franziskaner wegen ihres karitativen Engagements, ihres seelsorgerischen Beistands und ihren volksnahen Predigten auch von der Bevölkerung Siegens sehr geschätzt wurden. Und dass Ende des 16. Jahrhunderts immer noch 85 Bücher aus früherem Klosterbesitz in Siegen gehütet wurden, deutet vielleicht sogar darauf hin, dass es sich um einen einst viel größeren Bestand handelte“, so Brachthäuser.



Für seine gleichnamige Buchveröffentlichung „Inventarium dero Closterbücher so zu Siegen“, die in diesem Jahr im Ancient-Mail-Verlag in Groß-Gerau - ISBN 978-3-95652-271-0 - erschienen ist, hat sich der Siegener Buchautor auf eine spannende Spurensuche begeben. Erstmals werden in der rund 250 Seiten starken und reich bebilderten Neuerscheinung die Hintergründe, die schon Ende des 15. Jahrhunderts zur Entstehung des Siegener Franziskanerklosters in der Grafschaft Nassau geführt haben, erläutert. Die religiöse Erneuerungsbewegung „devotio moderna“ mit ihrer ausgeprägten Buchkultur spielt dabei ebenso eine wichtige Rolle wie das Repräsentationsbedürfnis und ein Stadtentwicklungsprogramm des regierenden Landesherrn Graf Johann V. zu Nassau (1455-1516). Klostergründung und Bibliotheksaufbau waren offenbar ein Prestigeobjekt, was sich auch in den nun gewissermaßen „wiederentdeckten“ Resten der Klosterbibliothek von 1591 zeigt: Großformatige Werke zu Kirchenrecht, Kirchengeschichte, Theologie, Philosophie und Ethik bildeten den Schwerpunkt, darunter Schriften prominenter Autoren und Kirchengrößen wie Thomas von Aquin, Nikolaus von Lyra, Vincenz von Beauvais, des heiligen Bonaventura oder des Erzbischofs Antoninus von Florenz. (Christian Brachthäuser)


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