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Nachricht vom 26.02.2020    

Kleine Geschichte des Kartenspiels in der Region

Das Kartenspiel hat im deutschen Raum eine lange Tradition. Schon seit Jahrhunderten vertreiben sich die Menschen damit am Stammtisch oder im Wohnzimmer die Zeit. Heutzutage haben sich einige wenige Spiele international durchgesetzt. Sie werden in den USA ebenso gespielt wie in ganz Europa. Das war nicht immer so. Noch im 19. Jahrhundert hatten viele Regionen ihre eigenen Kartenspiele. So auch das Rheinland, das sich dieses Stück Kulturgut allerdings nicht erhalten konnte. Ganz anders verhält es sich etwa in Bayern, wo das Spiel Schafkopf sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Ist es Zeit, sich auch im Westen Deutschlands auf die Tradition zurückzubesinnen? Oder haben sich moderne Kartenspiele zu Recht durchgesetzt, weil sie einfach besser unterhalten?

Foto und Quelle: PDPics | pixabay.com

Kartenspiel heute: Skat, Bridge und Poker
Heutzutage werden zwei Arten von Kartenspiel in der Region ernsthaft betrieben. Das sind zum einen Spiele wie Skat und Bridge, die oft im Verein gespielt werden. Im Ort pflegt etwa der Bridgeclub Altenkirchen dieses Hobby. Diese Spiele sind weltweit sehr beliebt, und es werden regelmäßig überregionale Turniere ausgetragen. Auch das Tischspiel im Casino erfreut sich großer Beliebtheit, und das obwohl die nächste Spielbank nicht gerade ums Eck liegt. Dieser Trend dürfte vielmehr dem Boom der Online Casinos zu verdanken sein, die in den letzten Jahren den Spielemarkt aufgemischt haben. Besonders beliebt ist bei dieser zweiten Art des Kartenspiels das Pokern, aber auch Blackjack oder Baccarat haben eine Fangemeinde.

Juckerspiel: ein vergessenes Kulturgut
Das Juckerspiel hingegen ist heutzutage ausgestorben. Im 19. Jahrhundert erfreute es sich hingegen großer Beliebtheit in der Region, wie zahlreiche Erwähnungen in Schriften aus dieser Zeit belegen. Zum ersten Mal taucht der Name in einem Taschenbuch auf, das 1848 veröffentlicht wurde. Aber auch im frühen 20. Jahrhundert finden sich Erwähnungen, wie etwa in einem „Rheinischen Wörterbuch“, das 1928 erschien. Leider sind die Regeln dieses Spiels nicht überliefert. Bekannt ist nur, dass der Bube bei diesem Spiel mehr zählt als das Ass und dass es galt, Stiche mit möglichst hoher Punktzahl zu bilden. Möglicherweise handelt es sich bei dem Spiel „Euchre“, das heutzutage noch in Amerika und England gespielt wird, um einen Nachfolger des Juckerspiels.

Vereinigungsspiel: Eine Deutsch-Französische Freundschaft
Ein anderes Spiel, das im 19. Jahrhundert weit verbreitet war, ist das Vereinigungsspiel, auch Réunion genannt. Wie die beiden Namen vermuten lassen, wurde es sowohl rechts als auch links des Rheins im Elsass gespielt. Damals wie heute gab es einen regen Austausch zwischen den Gebieten an der Grenze. Das Vereinigungsspiel wird mit 32 Karten gespielt ähnelt einer vereinfachten Version des Skat. Die erste Erwähnung findet sich um 1830 in der Literatur, aber auch in neueren Büchern zum Kartenspiel werden die Regeln immer wieder beschrieben. Das Vereinigungsspiel ist zwar selten geworden, im Gegensatz zum Juckerspiel ist es aber nicht völlig verschwunden.

Dass die traditionellen Kartenspiele der Region in Vergessenheit geraten sind, ist schade. Zumindest das Vereinigungsspiel lässt sich mit einer Runde Gleichgesinnter wieder zum Leben erwecken, denn die Regeln sind überliefert. Vielleicht kann ja sogar ein Sportverein überredet werden, einmal ein Turnier auszutragen. Für die Kulturpflege der Region wäre das jedenfalls ein Gewinn. (PRM)



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