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Region
LEADER-Projekt soll Tourismus im AK-Land auf breite Basis stellen
Einzelkämpfer sind in der Tourismusbranche nicht gefragt. Eine Region kann sich nur erfolgreich vermarkten, wenn alle Akteure an einem Strang ziehen. Der Kreis Altenkirchen hat sich, mit einem LEADER-Projekt im Rücken, aufgemacht, die Basis zu schaffen, um Besuchern umfassende und aus einem Guss daherkommende Angebote zu unterbreiten.
Der Druidenstein bei Kirchen-Herkersdorf gehört zu den touristisch interessantesten Zielen im AK-Land. (Foto: Felix Knopp/Naturregion Sieg)Kreis Altenkirchen. Andere Landstriche in der Republik haben längst diesen Weg eingeschlagen: Sie präsentieren sich als Einheit bei der Vermarktung in touristischen Dingen. Im Kreis Altenkirchen wird dank eines LEADER-Projektes dieses Ziel nunmehr viel stärker ins Auge gefasst. Eine engere Vernetzung zwischen den sechs Verbandsgemeinden (VGs) und dem Kreis, die Optimierung der Strukturen und der effizientere Einsatz der Ressourcen sind als Vorhaben definiert, um das noch schlafende touristische Potenzial der Region Westerwald-Sieg, des Landkreises Altenkirchen, voll auszuschöpfen, wie in einer Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses dargestellt wurde. „Im Optimalfall ergibt sich ein Zusammenschluss verschiedener VGs zu einer touristischen Einheit, einem sogenannten Touristischen Service Center. Die VGs müssen dies aber selbst beschließen und einen Mehrwert darin sehen. Einen solchen Prozess kann der Kreis nur anregen und unterstützen, aber nicht vorgeben“, erklärt Jana Dott als Sachbearbeiterin im Kreishaus.

Das Unterfangen, das unter „Weiterentwicklung der Tourismusstrukturen im Landkreis Altenkirchen“ firmiert, ist auf zwei Jahre begrenzt, kostet insgesamt 327.925 Euro, wovon nach Abzug der Förderung (75 Prozent) 81.982 Euro vom Kreis zu tragen sind. Geschaffen wurden extra anderthalb Stellen, die Dott (Vollzeit) und Andrea Leicher (19,5 Stunden/Woche) seit September/Oktober 2020 innehaben. Basierend auf Gesprächen mit Vertretern aller VGs sowie den Vermarktungsorganisationen und aufbauend auf den Tourismusleitfäden des Landes und der Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz 2025 kristallisierten sich drei Handlungsfelder zur Optimierung der Tourismusstrukturen heraus.


Kreisverwaltung eigenständiger Stützpunkt

Die Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz 2025 sowie auch schon die Tourismusstrategie 2015 sehen das Buchungssystem „feratel Deskline“ als Datenmanagementsystem flächendeckend in Rheinland-Pfalz vor. Alle touristischen Akteure (Unterkunftsbetriebe, Gastronomie und Sehenswürdigkeiten) müssen in diesem System gepflegt werden, „um im Tourismus in unserem Bundesland eine Rolle zu spielen und dessen Netzwerk anzugehören. Bisher waren die Daten der Region Westerwald-Sieg nur unzureichend in Deskline eingepflegt“, berichtet Dott. Deswegen ist die Kreisverwaltung Altenkirchen seit März 2021 eigenständiger Stützpunkt des Systems unter der Regionalagentur Westerwald Touristik-Service (WTS) und der Rheinland-Pfalz Tourismus. In Zusammenarbeit mit den VGs könne die Verwaltung jetzt als Datenhalter über die Daten der touristischen Akteure verfügen und die fehlenden Daten entsprechend pflegen und ergänzen. „Beim Thema ,Touristische Onlinesichtbarkeit durch das System ‚feratel Deskline‘ der Region Westerwald-Sieg ist noch sehr viel Aufholarbeit zu leisten, sodass dieses Teilprojekt voraussichtlich bis mindestens Herbst 2021 im Fokus steht“, blickt Dott voraus.

Kaum Routen eingepflegt

Eine weitere wichtige Datenbank für den rheinland-pfälzischen Tourismus ist die Plattform „Outdooractive“. Zu Beginn des Projektes waren kaum Routen (Wandern oder Fahrrad) eingepflegt. Das AK-Land war somit als touristische Region auf dieser überregional wichtigen Plattform kaum online sichtbar. Die Kreisverwaltung bot zusammen mit dem WTS und der Firma Outdooractive allen Touristikern der VGs Schulungen an. Die Routen werden sukzessive eingepflegt, um die touristische Sichtbarkeit des Landkreises zu erhöhen. Er wird nicht nur über den WTS, sondern zusätzlich über die Naturregion Sieg touristisch vermarktet. Die Informationen befinden sich gestreut auf den Homepages der Regionalagenturen, des Geoparks und auf den Webseiten der VGs. Um die gesamte Region digital sichtbarer zu machen, soll künftig eine gebündelte Internetpräsenz als Unterseite bzw. im Design des WTS unter dem Domainnamen www.westerwald-sieg.de entstehen, auf der alle touristischen Angebote des Landkreises zentral dargestellt werden sollen. Die Daten ziehen sich dabei aus Deskline und Outdooractive, zusätzlich geben individuelle Texte zu verschiedenen Themen wie „Raiffeisen“ oder „Industrie- und Bergbaukultur“ Auskunft über touristische Besonderheiten. Der Launch für die Homepage, die von der Agentur Page & Paper (Hachenburg) umgesetzt wird, ist für Mitte bis Ende April geplant. „Zukünftig werden die Inhalte in Zusammenarbeit mit den Verbandsgemeinden aktualisiert und bearbeitet“, erläutert Dott.

Seminarreihe wird fortgesetzt

Um die Tourismusstrukturen zu optimieren, soll ein nachhaltiges Tourismusnetzwerk aufgebaut werden. Als erster Schritt wurden per Online-Webinarreihe die Tourismus-Sachbearbeiter der VGs und der Kreisverwaltung von der Agentur Kohl & Partner (Bad Reichenhall) unterwiesen. Schwerpunkte waren die Themen „Touristinfo der Zukunft“, „Gastgebercoaching“ und „Tourismusmarketing“. Die Seminarreihe wird fortgeführt, um alle Touristiker regelmäßig fachlich und professionell zu unterweisen. Außerdem soll es einen monatlichen Arbeitskreis, bestehend aus Vertretern der VGs und des Kreises, geben. Im zweiten Schritt gilt es, ein Netzwerk zwischen den Kommunen und den touristischen Leistungsträgern zu etablieren. Vor diesem Hintergrund möchte der Kreis in den nächsten Monaten zusammen mit den VGs die einzelnen Akteure (Hoteliers, Gastronomen, tourismusrelevante Einrichtungen und Vereine) ansprechen, um diese in das System Deskline aufzunehmen und so ein Netzwerk aufzubauen. Daraus sollen weitere Arbeitskreise oder regelmäßige Stammtische entstehen.

Wanderwege auch demarkieren

Mit drei Prädikatswanderwegen (Westerwaldsteig, Natursteig Sieg, Druidensteig), mehreren Radwanderwegen (Westerwaldschleife, Westerwald-Lahn-Radweg, etc.) und einigen kleineren Rundwanderwegen sowie Radrouten ist der Kreis im Outdoorbereich bereits gut aufgestellt, aber, und diese Einschränkung macht Dott: „Gerade bei den Rundwanderwegen und Radrouten besteht noch Aufholbedarf. Um ein strukturiertes Bild dieser touristischen Angebote nach außen zu tragen, ist es wichtig, die attraktivsten Rundwanderwege und Radrouten der VGs und ggf. in die Marken der WTS wie ‚Kleiner Wäller‘ oder ‚Wäller Touren‘ oder in die der Naturregion Sieg, die Erlebniswege, einzugliedern, um eine überregionale Vermarktung zu gewährleisten.“ Andere, vor allem nicht nachhaltig gepflegte Wanderwege, sollten demarkiert werden, um einen Schilderdschungel in der Natur zu vermeiden. Um weitere touristische Produkte, vor allem auch online buchbare Pauschalprodukte zu entwickeln, wurde zudem die Agentur Kohl & Partner beauftragt, einen solchen Prozess zu gestalten und zu begleiten. Der erste Workshop fand im September 2020 statt. Durch den Lockdown konnten bislang keine weiteren stattfinden. Angedacht ist, sie ab Ende April online anzubieten.

Attraktive Angebote für die Region

So bleibt festzuhalten: Durch die Digitalisierung sollen die technischen Voraussetzungen zur Zusammenarbeit geschaffen (siehe „feratel Deskline“) und die gebündelte Sichtbarkeit der Region Westerwald-Sieg mit der Homepage dargestellt werden. Mit dem Aufbau eines touristischen Netzwerks zwischen den Kommunen selbst und zu den touristischen Leistungsträgern sollen die Kommunikation verbessert werden und doppelte Prozesse abgebaut werden. Mit der Produktentwicklung sollen attraktive, online buchbare Angebote für die Region geschaffen werden. (vh)
Nachricht vom 07.04.2021 www.ak-kurier.de