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Nachricht vom 25.04.2021
Kultur
Buchtipp: „Sand im Dekolleté“ von Micha Krämer
Der Autor und Musiker aus dem Westerwald schreibt faszinierende Kriminalromane. Im Ostfrieslandkrimi: „Sand im Dekolleté" stellt die Reisegruppe des Betzdorfer Kegelclubs „Rumkugeln“ die Verbindung zwischen dem Westerwald und der Insel Langeoog her.
Buchtitel. Motiv: VerlagDierdorf/Hameln. Der etwas unwillig als Begleiter seiner Inge mitreisende Kriminaloberkommissar a. D. Hans Peter Thiel muss zugeben, dass die Insel ein herrliches Fleckchen Erde ist. Störend ist eigentlich nur seine eigene Reisegruppe mit ihrem lärmenden Frohsinn und den flachen Witzen der Dirndl-Trägerin Erna Kolchowsky. Die Dame mit der mächtigen „Krümelschublad“, wie der Kölner Installateur Martin von Schlechtinger das „Dekolldingens“ bezeichnet, feiert mit reichlich Birnenschnaps mit Schoko in ihren sechzigsten Geburtstag hinein. Ihr Geburtstagsgeschenk, ein Rubbellos mit Gewinn, steckt sie ins Dekolleté.

Als am nächsten Morgen Martin von Schlechtinger beim täglichen Nacktbaden die Geburtstagsfrau tot am Strand findet, ist allerdings nur noch Sand in ihrem Dekolleté. Dafür ist eine Zeugin zugegen, die die Situation falsch interpretiert und angreift, wodurch Martins Hund Lumpi wiederum eingreift. Die Inselpolizei in Personen von Polizeihauptmeister Onno Federsen und seiner Kollegin Lotta Dönges hat alle Hände voll zu tun. Sie hat viele Verdächtige - 22 Wäller Rumkugeln, einen Nacktbader, einen Barkeeper, andere Inselbesucher - und keine Beweise.

Alle Alibis werden überprüft. Die Spurensuche auf Langeoog gestaltet sich abenteuerlich, denn die trinkfesten Wäller schrecken auch vor einer Schlägerei im Watt nicht zurück und schließlich geht noch einer beim Streit über Bord. Der Reiseleiter ist zunehmend verzweifelter, denn diese Wäller Rumkugeln scheinen das Unheil ja quasi anzuziehen.

Im Westerwald leistet Martins Stieftochter, Kriminalhauptkommissarin Nina Moretti von der Betzdorfer Polizei Amtshilfe. Recherchen nach der Vergangenheit der Toten führen ins Hamburger Rotlichtmilieu und bringen weitere Ungereimtheiten zutage. Sicher ist für die Ermittler nur eins: Es war Mord!

Die Protagonisten sind tolle Typen mit einer Agilität, die selbst Hans Peter Thiels Lebensgefährtin Inge schließlich so peinlich ist, dass sie sich vornimmt, mit diesen Rumkugeln nirgendwo mehr hinzufahren. Auch die Insulaner sind rau, herzlich und originell. Handlungen und Dialoge sind zum Schreien komisch und spannend zugleich.

Micha Krämer ist ein grandioser Erzähler. Nebenbei macht er Lust auf die Ostfriesischen Inseln, speziell auf die Nordseeinsel Langeoog. Und auf sein nächstes Buch, in dem er seine musikalische Seite besonders zum Schwingen bringt. Es ist Nina Morettis 12. Fall: „666…der Tod des Hexers“.

„Sand im Dekolleté“ von Micha Krämer ist erschienen im Verlag CW Niemeyer, ISBN 978-3-8271-9584-5. htv
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