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Kirchen auf dem Weg zur "bespielbaren Stadt"
Kirchen möchte kinderfreundlicher werden. In Zukunft sollen Kinder sich im Stadtgebiet wohlfühlen und sicher bewegen können. Das ehrgeizige Projekt wurde jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt.
Beigeordneter Werner Vollmer, Sven Wolff und Bernhard Tessari (von links) stellten das Zukunftsprojekt zur besseren Bespielbarkeit der Stadt vor. Foto: annaKirchen. Deutschland gilt nicht gerade als Kinderfreundlich, die Geburtenraten sinken stetig und für die, wenn auch immer weniger werdenden Kinder, wird nicht genug getan. War es in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch alltäglich und ein ganz normaler Anblick, dass Kinder in Dörfern und kleineren Städten auf den Straßen spielten, so ist dies heute kaum noch vorstellbar. Die Kinder wurden vom stetig wachsenden Fahrzeugaufkommen und der daraus folgenden Städteplanung an den Rand gedrängt. In der Stadt Kirchen möchte man nun wieder den umgekehrten Weg einschlagen. Kinder sollen sich auch im Stadtgebiet wohlfühlen und sicher bewegen können. Zusammen mit der Einrichtung "Kobra", dem Beratungszentrum für Bürgerbeteiligung, arbeitet Kirchen, daran die Stadt wieder bespielbar zu machen.

So sei es durchaus vorstellbar, in der Bahnhofstraße eine Spielmöglichkeit einzurichten. Spielplätze sollen für Kinder leicht erreichbar sein, sie brauchen Freiräume, sich zu bewegen und auszutoben. Der Beigeordnete Werner Vollmer und Sven Wolff von der Stadtverwaltung sowie Bernhard Tessari von "Kobra", stellten Mittwoch, 17. August, das Projekt der Öffentlichkeit vor. Schon vor drei Jahren habe man gemeinsam einen Kinderstadtplan für Kirchen entwickelt, erklärte Tessari. Dieser habe großen Anklang gefunden habe. Der Plan zeigt kindgerecht einen Überblick über die Stadt und die dazu gehörigen Ortsteile, zeigt Spiel- und Sportstätten auf, aber auch Freiflächen, auf denen Kinder ungestört spielen können. Damals wurden Fragebögen an die Kinder verteilt, in denen sie ihre Wünsche äußern konnten. Am häufigsten wünschten sich die Befragten auf den Spielplätzen ein Trampolin und eine Seilbahn, beide Wünsche wurden von der Stadt aufgegriffen und umgesetzt.

Die Ergebnisse der Fragebögen von damals werden auch in das neue Projekt einfließen. Nochmals werden die Ideen und Anregungen der Kinder ausgewertet, gleichzeitig finden derzeit Begehungen der 18 vorhandenen Spielplätze innerhalb der Stadt Kirchen statt und zwar mit den Kindern selbst. So machen sich Donnerstagmorgen, 18. August, mehrere Grundschulklassen auf den Weg, insgesamt sieben Spielplätze zu begutachten. An Hand eines vierseitigen Fragebogens können die Kinder die Plätze bewerten. Kriterien sind dabei zum Beispiel die Lages des Spielplatzes, ob der Platz eingezäunt ist, welche Spielmöglichkeiten es gibt und in welchem Zustand die Geräte sich befinden. Auch die Sauberkeit der Plätze steht zur Bewertung. Kinder, so Tessari, sähen solche Plätze mit anderen Augen als Erwachsene. So sei auch der Wunsch nach naturnahen Spielmöglichkeiten von vielen geäußert worden. Diesbezüglich sieht Tessari in der Auenlandschaft der Sieg durchaus Kapazitäten, dort einen entsprechenden Spielplatz einzurichten. Dafür könne die Kommune dann sogar auch noch Fördergelder vom Land erhalten. An Hand des Stadtteiles Schwelbel erläuterte Tessari, dass dieser mit Spielmöglichkeiten unterversorgt sei. Auf Grund der dort bisher vorhandenen Bevölkerungsstruktur sei seitens der Stadt nicht viel unternommen worden. Nun habe sich die Zahl der Kinder durch Zuzug mehrerer Familien aber stark erhöht, so dass dort ein Bedarf an Spielplätzen bestünde und sich auch schon eine Bürgerinitiative diesbezüglich gebildet habe. Diese Leute hätten auch ihre Bereitschaft zur Mitarbeit angeboten und Tessari riet der Stadt, das Bürgerengagement zu nutzen. Daraus könne auch ein verstärktes Bewusstsein im Hinblick auf den Erhalt und die Pflege der Anlage erwachsen.

Am Freitag, 16. September, wird im Ratssaal der Verbandsgemeindeverwaltung Kirchen um 16 Uhr eine Spielplatz-Konferenz durchgeführt. Hieran können alle interessierten großen und kleinen Bürger teilnehmen, auch Jugendliche sind ausdrücklich erwünscht, denn auch deren Wünsche zur Freizeitgestaltung möchten sich die Organisatoren anhören. Alle zusammen getragenen Informationen werden in einer Dokumentation zusammengeführt. Im Oktober oder November soll ein detaillierter Abschlussbericht vorgelegt werden, wonach die Stadt Kirchen dann in die Fachplanung einsteigen kann. In Zeiten der leeren kommunalen Kassen wird das Projekt nicht von der Stadt Kirchen allein zu stämmen sein, erklärte Wolff. Da hofft man seitens der Stadt zum einen auf Fördergelder, wie sie für einen naturnahen Spielplatz zu bekommen wären, andererseits hofft die Verwaltung auf Sponsoren, wie zum Beispiel Firmen, die einzelne Projekte finanziell unterstützen. (anna)
Nachricht vom 17.08.2011 www.ak-kurier.de