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Kultur
Die neue "Giebelwaldklinik" lud zur Sprechstunde
Ein Jahr Pause liegt hinter der Theatergruppe Mudersbach, die jetzt allerdings mit der neuen Aufführung für Furore sorgte. Wer nicht in der "Giebelwaldklinik" zur Aufführung war, der hat etwas verpasst. Lachen ist immer noch die beste Medizin, für die richtige Dosis sorgte das Ensemble. Trotz gesetzlich verordneter Nachtruhe (22 Uhr), gelang es das Theaterstück mit viel Erfolg über die Bühne zu bringen.
Schwester Lisa (Sarah Stettner, links) und Schwester Senta (Mechthild Wagener) planen ihre Rache an Dr. Keller. Fotos: Nadine BuderathMudersbach. Lachen ist die beste Medizin. Dies bewies die Theatergruppe Mudersbach mit der Aufführung ihres neuen Stücks "Wer krank ist, muss kerngesund sein".
Wenn „Bodenmasseuse“ Else während des Staubwischens mal einen Blick in Krankenakten riskiert und Schwester Senta ihren Patienten im Moorbad vergisst, dann wird schnell klar: wer in der „Giebelwaldklinik“ krank ist, muss kerngesund sein.
In eben jenes Krankenhaus, das wohl keine Qualitätskontrolle übersteht, lud jetzt die Theatergruppe Mudersbach ihr Publikum. Für die Patienten gibt es dort in der Tat weniger zu lachen, für die Zuschauer in der restlos gefüllten Mehrzweckhalle dafür umso mehr. „Halbgötter in Weiß“? Die überlässt man getrost dem Schmalzfernsehen.
Das Personal der „Giebelwaldklinik“ hingegen ist schon sehr speziell. Da ist der Leiter des Krankenhauses, auf den der Begriff „zerstreuter Professor“ leider nur zu gut passt, da ist Chefarzt Keller, der sich seine Patientinnen am liebsten nach dem Aussehen aussucht und natürlich die berüchtigte Schwester Senta, die so manche „Sonderbehandlung“ auf Lager hat. Wenn dann noch die resolute Dame von der Krankenkasse hereinschaut und Sekretärin Berger, tatkräftig unterstützt von Else und den Krankenschwestern, Rache an Macho Keller nimmt, ist das Chaos perfekt…

Von den Problemen mit dem modernen Gesundheitssystem bis zu den typischen Elementen einer Verwechslungskomödie – die Laiendarsteller aus Mudersbach boten zwei Stunden Spielfreude pur und es dauerte nicht lange, bis der Funke auf das Publikum übersprang. Lachsalven und reichlich Szenenapplaus waren der Lohn für die Theatergruppe, die auf Grund eines fehlenden Aufführungsortes im vergangenen Jahr pausieren musste. In diesem Jahr hatte man dann einige Ausgaben zu stemmen, um die Kulissen der neuen Halle anzupassen, aber die Mühe hat sich gelohnt, schienen sich die Darsteller doch schon „wie zu Hause“ zu fühlen.
Besonders Mechthild Wagener als Schwester Senta hatte die Lacher auf ihrer Seite und Yvonne Schneider bewies große Wandlungsfähigkeit in ihren Rollen als graue Maus Ariane Berger und als verführerische, wenn auch falsche, Sizilianerin Gina Mozzarelli. Der gelang es sogar, den arroganten Dr. Keller (überzeugend: Axel Stettner), der unter heftiger „Ehe-Allergie“ leidet, gehörig in Panik zu versetzen.
Doch auch das wirkliche Leben setzte bei der Aufführung am Freitagabend einige Akzente, die Mechthild Wagener vor der Vorstellung erläuterte. Wegen der Beschwerde eines Anwohners musste eine Pause gestrichen werden, um den engen Zeitplan auch wirklich einzuhalten. Heißt es doch ab 22 Uhr nicht in der „Giebelwaldklinik“, aber doch in der Giebelwaldhalle: strikte Nachtruhe! Und das, so Wagener, wo man doch mit viel Mühe um ein bisschen Kulturleben in Mudersbach kämpfe.
Aber wenn die Situation schon nicht zu ändern ist, so machte die Theatergruppe das Beste daraus und nahm so manchen Seitenhieb auf den betreffenden Nachbarn mit in ihr Stück auf, was beim Publikum erst recht für Amüsement sorgte. (bud)

 
Nachricht vom 27.11.2011 www.ak-kurier.de