AK-Kurier
Ihre Internetzeitung für den Kreis Altenkirchen
Nachricht vom 03.01.2026
Region
„Simon & Garfunkel Revival Band“ begeistert mit vielen Welthits in Altenkirchen
Ein Abend voller Welthits und die mit ihnen verbundenen Erinnerungen an eine längst vergangene (bessere?) Zeit: Die „Simon & Garfunkel Revival Band“ würdigt bei ihrem Auftritt das Vermächtnis des kongenialen US-Folk-Rock-Duos, das vor vielen, vielen Jahren mit seinen Songs ein großes Kapitel Musikgeschichte geschrieben hat.
Sie gaben eine klasse Konzert im Kultursalon“ Stadthalle (von rechts): Michael Frank, Guido Reuter, Ingo Kaiser und Sebastian Fritzlar. (Foto: vh) Altenkirchen. Tja, „Old Friends“, also alte Freunde, sind sie inzwischen gewiss. Was liegt da näher, als mit dem gleichnamigen Song der US-amerikanischen Legenden Simon & Garfunkel das Wiedersehen zu eröffnen! Inzwischen sind es regelrechte Heimspiele für das Quartett aus Erfurt und Weimar, wenn es in Altenkirchen auf der Bühne steht. „Zum fünften oder sechsten Mal“, rekapituliert Helmut Nöllgen als Organisator des Konzertabends in der Stadthalle mit Blickrichtung der Zahl der Auftritte der „Vierer-Bande“, die als „Simon & Garfunkel Revival Band“ das musikalisch immens breite Erbe des Folk-Rock-Duos von jenseits des großen Teiches „verwalten“, mit rund 100 Gastspielen pro Jahr – auch im europäischen Ausland - am Leben erhalten. Wenn es denn ein halbes Dutzend Gigs bislang gewesen sind, so steht eines unumstößlich fest: Von Abnutzungserscheinungen kann auch an diesem Freitagabend (2. Januar) in der „guten Stube“ niemand sprechen. Nichts, aber auch gar nichts deutet auf das einfache Herunternudeln der Setliste – getreu dem Motto: „Die da unter im Publikum kennen uns ja“ – hin. Die Vorstellung kommt wie aus einem Guss daher, je länger sie dauert, um so mehr zieht sie die rund 300 im Auditorium in ihren Bann. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Publikum so richtig „aufgetaut“ ist, die Temperatur in der Halle kontinuierlich klettert – ganz im Gegensatz zu der außerhalb der Halle und des gerade niedergegangenen kräftigen Schneeschauers, der vorübergehend das Potential hatte, dem Gastspiel einen dicken weißen Strich durch die Rechnung zu machen. Bei „The Boxer“ zur Mitte der ersten „Halbzeit“ haben sich die ersten von ihren Plätzen erhoben und singen kräftig das „Lie-la-lie-lie-lie-lie-lie“ mit. Die Zahl derer, die im Stehen den Ohrwürmern aus den späten 1960-, den 1970er- und auch noch den 1980er-Jahren lauscht, steigert sich kontinuierlich, bis schließlich so gut wie alle offenbar „vergessen“ haben, dass sie für einen Sitzplatz ihren Obolus entrichtet haben. Ein fast nicht enden wollender Applaus begleitet die Zugabe, brandet Michael Frank, Guido Reuter, Sebastian Fritzlar und Ingo Kaiser entgegen, die sich mehrfach der großen Wertschätzung wegen vor den Augen- und Ohrenzeugen verneigen.

Lob für den „Kultursalon“
Ist es zunächst als ironische Fußnote gedacht, wird sich Reuter, der neben Frank die zweite Stimme ist, mit einer zeitlichen Differenz von rund zwei Stunden bewusst, dass sein „Scherz“ wohl bare Münze geworden ist. „Das beste Publikum des Jahres“, lobt er schon kurz vor der obligatorischen Pause und mit dem Wissen, dass es die erste Show überhaupt des neuen Jahres ist. Aber schließlich gibt Reuter, nicht nur Sänger, sondern auch der Mann fürs Schifferklavier, einen Satz unterschiedlich großer Flöten, die Geige und den Schellenkranz ist, seiner leicht ironisch gemeinten Bemerkung den Laufpass, weil er inzwischen erfahren hat, dass diese tollen Fans auch denen, die da oben auf der Bühne stehen, einen wundervollen Abend beschert haben. Und noch viel mehr ist er vom Ambiente des „Kultursalons“ und dessen Erbauers angetan: „Es ist beeindruckend, was der Helmut hier geschaffen hat. Die Messlatte liegt nun sehr hoch“, betont er und reiht sich in die Liste all derer ein, die seit Wiedereröffnung der Stadthalle im August 2025 die Ausgestaltung, die an das legendäre „Spiegelzelt“ erinnert, lieben gelernt haben und die ihresgleichen quer durch die Republik erst einmal finden muss. In sein Loblied (nicht aus der Feder von Simon & Garfunkel) bezieht er auch all diejenigen mit ein, die hinter den Kulissen wirken.

Auch nach eigenem Gusto
In den mehr als zwei Stunden wird die geballte musikalische Leistung der beiden Superstars (jeweils 1941 geboren) sozusagen im Zeitraffer deutlich, die an ihrem Werk doch mehr als zwei Jahrzehnte lang arbeiten. Es ist die Fülle an musikalisch unterschiedlich daherkommenden Evergreens, die das Berufsleben der Oldies widerspiegeln. Mal sanft wie mit „Scarborough Fair“, „Bright Eyes“ oder „Slip sliding’ away“, mal etwas rockiger wie mit „A Hazy Shade of Winter“ und mit „Sound of Silence“ oder mit der nach eigenem Gusto ein wenig abgewandelten „Cecilia“ beweisen die „Glorreichen Vier“, dass sie klasse Musiker sind. Mit „The Obvious Child“ verschafft Simon einst seinem Abstecher nach Südamerika Gehör, wobei im Original die Formation der Trommler von „Olodum“ viele hörenswerte Akzente setzt, die dank Kaiser (Schlagzeug und Percussion) und Fritzlar (Ukulele, Bass, Keyboard) an zwei unterschiedlich großen Drums dem Original sehr nahe kommen. Weitere Anleihen in der musikalischen Welt Südamerikas wie mit „El Cóndor pasa" oder in der Afrikas mit „Diamonds on the Soles of her Shoes“ stellen Simons Experimentierfreude dar, die schließlich auch mit Hitparadenplatzierungen belohnt wird und die natürlich zu solch einer Retrospektive dazugehören. „Bridge over Troubled Water“ lässt ein Duo alleine auf der Bühne zurück, wobei Frank (ohne Gitarre) lediglich von Fritzlar am Piano sachte unterstützt wird und der klasse Gesang des Bandgründers in der Vordergrund tritt. Bei der visuellen Konzentration auf die beiden Frontmänner hilft ein körperlicher Umstand, die Vision, die beiden „Originale“ hätten ihren Ruhestand für einen Trip in der Westerwald aufgegeben, ungemein. Wie im richtigen Leben überragt Garfunkel (Reuter) seinen Partner um die Länge eines halben Kopfes … So steht nach dem begeisternden Finale das Angebot Nöllgens als Geschäftsführer des Kultur-/Jugendkulturbüros Haus Felsenkeller an die Combo, gerne wieder, wenn es ihnen dann beliebt, in der Kreisstadt aufzutreten. Wann immer das sein wird, Frank, Reuter, Fritzlar und Kaiser werden mit der Hoffnung anreisen, wieder einmal „Old Friends“ zu treffen. (vh)
Nachricht vom 03.01.2026 www.ak-kurier.de