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Nachricht vom 12.01.2026
Wirtschaft
Fallstrick Free-to-play: Risiken kostenloser Videospiele
ANZEIGE 18+ | Hinweis: Dieser Artikel ist für ein erwachsenes Publikum bestimmt und behandelt Themen (beinhaltet ggf. Links), die sich an Personen ab 18 Jahren richten. Free-to-play ist ein Geschäftsmodell, das Videospiele kostenlos zum Download anbietet. Durch Werbung, In-App-Käufe oder Abonnements werden Einnahmen erzielt. Obwohl Free-to-play den Eindruck erweckt, kostengünstig zu sein, übersteigen die Ausgaben mancher User Vollpreistitel – und zwar jeden Monat aufs Neue. Welche Gefahren lauern hinter der F2P-Maske?
AI generated ImageTypische Spielsituation: In-App-Kauf oder Warten
Prinzipiell sind Free-to-play-Spiele kostenlos spielbar. Entwickler führen aber absichtlich Spielsituationen herbei, die zum Kaufen animieren sollen. Wer in einem Strategiespiel Gebäude ausbaut, muss ein paar Stunden warten – oder kostenpflichtige Ressourcen investieren. In einem Kartenspiel ist für jedes Level ein Leben zu investieren. Diese laden sich mit der Zeit auf – oder alternativ mit echtem Geld.

Events sind zeitlich begrenzte Aktionen, die besondere Belohnungen mit sich bringen. Hierfür ist entweder viel Zeit aufzuwenden – oder ein In-App-Kauf zu tätigen. Kostenlose Prämien, die etwa im monatlichen Battle Pass schlummern, sind von geringem Wert. Parallel schiebt sich ein Premium-Pass dazwischen – für jene, die im Spiel spürbar vorankommen wollen.

Wie stark ein Free-to-play-Spiel diese Praktiken einsetzt, hängt vom Geschäftsmodell ab. Dies ist für User vor dem Herunterladen nicht ersichtlich. Deutlich einfacher ist bei Online Casino Vergleichen vorzugehen. Richtig ist: Slots sind im Casino kostenlos abrufbar. Für echte Gewinne ist aber eine Einzahlung zu leisten. Hier werden Kosten nie verschleiert. Kontostände werden in Euro angegeben, während ein vorgebliches Free-to-play-Spiel oft mit mehreren virtuellen Währungen hantiert.

Mikrotransaktionen verschleiern entstandene Kosten
Gegenstände, Kostüme für Charaktere und Spielfortschritt stehen bei Free-to-play zum Verkauf. Mikrotransaktionen wurde als Begriff gewählt, um die normalerweise niedrigen Kosten herauszustellen. Durch den niedrigen Kaufpreis sinkt die Hemmnis, sich auf Mikrotransaktionen einzulassen. Werden wieder und wieder kleine Zahlungen getätigt, könnte am Ende des Monats unversehens ein dreistelliger Betrag zu Buche stehen. Teurer als brandneue AAA-Titel: Und das, obwohl das Spiel von sich behauptet, kostenlos zu sein.
Manche Free-to-play-Spiele vertrauen auf personalisierte Rabatte. Je nach bisherigem Spiel- und Kaufverhalten werden In-App-Käufe angepasst. Bei Mikrotransaktionen wird echtes Geld oft in andere Währungen – Diamanten und anderes Kleinod – gewechselt. Hintergrund: Meist bleiben nach dem Kauf Edelsteine oder Münzen übrig. Um die Währung nicht zu verschwenden, ist das Konto erneut aufzuladen. Auch verschleiert die Anzeige, dass echtes Geld zum Einsatz kommt.

Von Lootboxen und fantasierten Rabatten bei Käufen
Lootboxen sind virtuelle Schatztruhen, die zufällige Belohnungen bergen. Level-Aufstiege, absolvierte Quests oder besiegte Gegner werden mit einer Lootbox zelebriert. Alternativ wird die Beutekiste gegen Kauf angeboten. Welcher Gegenstand in der Lootbox steckt, ist unbekannt und unkontrollierbar. Für gewöhnlich wird das Öffnen von bunten Farben und einer auffälligen Soundkulisse begleitet, auf die das Gehirn positiv reagieren soll.

Nützliche Gegenstände werden mit einer niedrigen Wahrscheinlichkeit gezogen. Wie viel Glück benötigt wird, verstecken die Hersteller hinter Textwänden. Im Spielmodus Ultimate Team wies Electronic Arts erst ab FIFA 19 auf die Unwahrscheinlichkeiten beim Kauf neuer Packs hin – nachdem Lootboxen im Jahr zuvor heftig kritisiert worden waren. Infolge dieser Debatte hatte Belgien Lootboxen 2018 effektiv verboten. Zwar dürfen Publisher Lootboxen weiter vertreiben. Doch hierfür wäre eine Lizenz gemäß belgischem Glücksspielrecht zu erwerben. Hiervon haben selbst riesige Publisher wie EA abgesehen – und Packs für Belgier stattdessen entfernt.

Weltweit werden Lootboxen diskutiert. Im Herbst 2025 hat Brasilien ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Verkäufe an Minderjährige untersagt. Psychologisch erinnert die Lootbox mit ihren vermeintlichen Beinahe-Gewinnen und dem Zufallsmechanismus an Spielautomaten. Deshalb ist nachvollziehbar, dass Kritiker auf eine Regulierung bestehen. Schließlich muss umgekehrt jedes Casino eine Lizenz erlangen, bevor Slots offeriert werden.

Psychologische Tücken: Suchtgefahr und Dark Patterns
In der Regel sind Free-to-play-Spiele darauf ausgelegt, endlos – oder zumindest für lange Zeit – gespielt zu werden. Gacha-Games wie Honkai: Star Rail und Genshin Impact erstrecken sich über Hunderte Spielstunden. Dazu kommen Events und Login-Belohnungen, die zum täglichen Anmelden animieren. Andere Lebensbereiche drohen, durchs viele Spielen in Mitleidenschaft zu geraten.

Typisch für Free-to-play sind Dark Patterns, manipulative Spielmechaniken, die zum Ziel haben, Kaufoptionen zu beeinflussen. Zum Beispiel könnten Events absichtlich so konzipiert sein, dass eine kostenlose Teilnahme zwar möglich, aber unrealistisch ist. Ablehnende Kaufoptionen werden visuell gern verborgen. Laufend wird die Fear of missing out (FOMO) angestachelt. Auf Dauer könnte das Voranschreiten an In-App-Käufe geknüpft sein. Manche Publisher ordnen einem unerfahrenen Spieler beim Matchmaking starke und erfahrene Gegner zu, die sich eine bestimmte Waffe per Mikrotransaktion angeeignet haben. Dies soll den Wunsch entfachen, selbst an diese Waffe zu gelangen. Publisher Activision Blizzard besitzt seit 2017 ein Patent für genau diese Vorgehensweise.

Einzige Lösung: Vor dem Spielen genau informieren
Wie stark kostenlose Games den Spielablauf stören, um Verkäufe anzukurbeln, ist höchst unterschiedlich. Wer keine In-App-Käufe tätigen möchte, sollte sich vor dem Download genauer informieren. Zum Beispiel herausfinden, ob Items in Lootboxen „Pay-to-win“ unterstützen, also unfaire Vorteile gewähren. Faire Free-to-play-Spiele verkaufen oft Skins, die bloß das Aussehen verändern.

Idealerweise sollten Spielinhalte kostenlos – und ohne übertriebenen Zeitaufwand – zugänglich sein. Ob dies der Fall ist, lässt sich am besten anhand von Reviews erahnen. Bei neuen Free-to-play-Games wird häufig hervorgehoben, wie das Spiel monetarisiert ist. Oftmals entbrennen in Foren und sozialen Medien Diskussionen, ob ein Titel F2P-freundlich sind. Games können zuerst unproblematisch wirken, aber nach einiger Zeit unüberwindbare Wände hochziehen – dies würde von Community negativ quittiert.
Am fairsten sind Free-to-play-Spiele wie Warframe oder Path of Exile, die auf „Player versus Environment“ pochen. Bei PvE kämpft der Spieler gegen die Umgebung, statt einander zu bekriegen (PvP). Titel mit einem hohen Geschicklichkeitsanteil wie die Multiplayer Online Battle Arena (MOBA) League of Legends sind ebenso einen Blick wert. Hier verdient der Hersteller am Verkauf neuer Champions, während in den Partien Strategie und Reaktionszeit von elementarer Bedeutung sind. (prm)

Hinweis zu den Risiken von Glücksspielen:
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst und nutzen Sie bei Bedarf Hilfsangebote wie die Suchtberatung (Link: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - Glücksspielsucht).
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