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| Nachricht vom 20.01.2026 |
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| Pflegekammer Rheinland-Pfalz unter Druck - Mitgliederbefragung soll Klarheit bringen |
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| Die Zukunft der Pflegekammer Rheinland-Pfalz steht auf dem Spiel. Im Jahr ihres zehnten Bestehens sieht sich die Kammer massiver Kritik ausgesetzt. Sowohl Pflegeeinrichtungen als auch Mitarbeitende hinterfragen ihre Rolle und den Nutzen. |
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Mainz. In diesem Jahr feiert die Pflegekammer Rheinland-Pfalz ihr zehnjähriges Bestehen, doch von Feierlaune ist wenig zu spüren. Die Kammer, die als erste ihrer Art bundesweit gegründet wurde, sieht sich Vorwürfen gegenüber, sie sei von der Branche entfremdet. Kritiker zweifeln an ihrem Sinn und Zweck. Mehrfach kam es bereits zu Demonstrationen, und am Dienstag findet in Koblenz eine Podiumsdiskussion statt. Die Kammer mit Sitz in Mainz vertritt Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger, möchte deren Interessen in politische Entscheidungen einbringen und Berufsstandards sichern.
Pflichtbeiträge im Fokus der Kritik
Trotz einiger Erfolge, wie dem Aufbau eines vollständigen Registers von Pflegefachpersonen und der Entwicklung einer Berufsordnung, sehen viele Pflegende die Kammer als unzureichend an. Sie kritisieren die Pflichtmitgliedschaft und die damit verbundenen Beiträge, die durchschnittlich bei knapp 140 Euro jährlich liegen. Alexandra Schug, Leiterin eines Seniorenzentrums in Baumholder, erhebt schwere Vorwürfe: "Das ist nichts, was wir uns gewünscht haben." Sie spricht von einem Abkassieren ohne Gegenleistung.
Kritiker sprechen von Zermürbungsstrategie
Michael Pauken, Leiter eines Seniorenzentrums in Kell am See, berichtet, dass viele Pflegekräfte keine Mitglieder sind und neue Mitarbeitende gar nicht mehr gemeldet werden. Kai Boeddinghaus vom Bundesverband für freie Kammern kritisiert die Mitgliedsbeiträge als versteckte Sonderabgabe und spricht von einer Zermürbungsstrategie durch Mahnungen und Zahlungserinnerungen. Er betont, dass andere Kammern Befreiungsmöglichkeiten bieten, was bei der Pflegekammer Rheinland-Pfalz nicht der Fall sei.
Minister: Geht nur mit Beitragspflicht
Gesundheitsminister Clemens Hoch hält die Pflichtmitgliedschaft für notwendig. Eine erfolgreiche Selbstverwaltung setze voraus, dass alle verpflichtend mittragen. Transparenz und nachvollziehbare Entscheidungen seien entscheidend, so der SPD-Politiker.
Kammer: "Nehmen Kritik ernst"
Die Pflegekammer zeigt sich offen für Kritik und sieht diese als wichtigen Impuls zur Weiterentwicklung. Die Vertreterversammlung biete Raum für Diskussion und Mehrheitenbildung. Doch laut Kai Boeddinghaus scheitert dies an einer "Wagenburgmentalität".
Mitgliederbefragung als Lösung?
Eine geplante Mitgliederbefragung soll ein Meinungsbild liefern und Verbesserungsbedarf aufzeigen. Die Kammer erhofft sich dadurch, ihre Arbeit stärker an den Bedürfnissen der Pflegefachpersonen auszurichten. Michael Pauken fordert jedoch mehr Engagement von der Landesregierung und kritisiert, dass die Kammer die Befragung selbst durchführen soll. Dies sei, als würde man den Wolf beauftragen, die Schafe zu zählen. (dpa/bearbeitet durch Red) |
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