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Nachricht vom 22.01.2026
Politik
Fortschritt statt Formulare: Politikgespräch zur Landtagswahl in Altenkirchen
Am Dienstag, 20. Januar, fand von 14 bis 17 Uhr bei der Firma WERIT in Altenkirchen ein Politikgespräch der IHK mit Landtagskandidaten statt. Im Fokus: Bürokratieabbau, Gewerbeflächen und verkaufsoffene Sonntage – mit klaren Forderungen aus der Wirtschaft.
Fotos: Samuel SchneiderAltenkirchen. Unter dem Motto „Fortschritt statt Formulare“ lud die Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz gemeinsam mit dem IHK-Regionalbeirat sowie den Wirtschaftsjunioren Sieg-Westerwald am Dienstag, 20. Januar, von 14 bis 17 Uhr zu einem Politikgespräch im Vorfeld der Landtagswahl 2026 ein. Gastgeber war die Firma WERIT Kunststoffwerke in Altenkirchen. Eröffnet wurde die Veranstaltung von IHK-Regionalgeschäftsführerin Kristina Kütting.

Anwesend waren die Landtagskandidaten Philip Schimkat (SPD), Dr. Matthias Reuber und Johannes Behner (CDU), Placido Grigoli (Bündnis 90/Die Grünen), Jörg Berges (AfD), Thomas Kölschbach (FDP) sowie Claudius Spahr und Julien Fleckinger (Die Linke). Im Mittelpunkt standen drei zentrale Themen: Bürokratieabbau, Gewerbeflächen und verkaufsoffene Sonntage.

Bürokratie als Wachstumsbremse
Das Thema Bürokratie zog sich wie ein roter Faden durch alle Diskussionsrunden. Die IHK forderte deutlich: „Bürokratie muss dienen, nicht lähmen.“ Unternehmer schilderten, wie aufwendige Genehmigungsverfahren Investitionen verzögern und die Wettbewerbsfähigkeit schwächen.

Kerstin Dorn, Geschäftsführerin von WERIT Deutschland, berichtete von der Installation einer Photovoltaikanlage, in die ein sechsstelliger Betrag investiert wurde. Trotz fertiger Anlage dauerte es aufgrund komplexer Genehmigungsprozesse deutlich länger als nötig, bis sie in Betrieb gehen konnte. Solche Hürden führten dazu, dass Unternehmen zunehmend über eine Verlagerung ins Ausland nachdenken.

Trotz unterschiedlicher Akzente waren sich die Parteien in der Zielrichtung weitgehend einig. Die SPD betonte, dass zunächst passende Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten, damit Bürokratieabbau überhaupt funktionieren könne. Die CDU forderte, den Abbau von Bürokratie in allen Verwaltungen konsequent voranzutreiben – verbunden mit mehr Vertrauen in die Unternehmen.

Die Grünen machten deutlich, dass es weniger Diskussionen und mehr Umsetzung brauche: Wenn etwas sinnvoll sei, müsse man es anpacken und umsetzen. Die AfD kritisierte, dass Geld auf Baustellen und in Betrieben verdient werde – nicht mit unnötigem Papierkram.

Die FDP sah das zentrale Problem darin, dass Bürokratie in vielen Bereichen weiter aufgebaut statt abgebaut werde. Die Linke wies darauf hin, dass Bürokratie auch zwei Seiten habe: Sie könne zwar schützen, belaste Unternehmen jedoch ebenfalls.

In einer gemeinsamen Frage machten die Unternehmer deutlich, dass sie sich künftig stärker in politische Entscheidungen einbezogen fühlen möchten. In diesem Punkt zeigten sich die anwesenden Politiker parteiübergreifend weitgehend einig.

Gewerbeflächen: Bedarf trifft auf Hürden
Moderiert von Thomas Bellersheim (Geschäftsführer Bellersheim Neitersen) ging es im zweiten Themenblock um die Entwicklung von Gewerbeflächen. Laut einer IHK-Umfrage planen viele Unternehmen in der Region kurz-, mittel- und langfristig Erweiterungen für Lager, Büros oder Stellplätze. Das Landesentwicklungsprogramm (LEP IV) beeinflusst die Planungen und wird von Unternehmen teilweise als hinderlich empfunden.

Johannes Behner (CDU) berichtete von jahrzehntelangen Bemühungen, ein Gewerbegebiet in Betzdorf zu realisieren. Er forderte mehr Planungshoheit für Kommunen. Die Grünen betonten, dass neue Flächen mit Augenmaß entwickelt und vorhandene Areale besser genutzt werden müssten. Die AfD sprach sich gegen eine Gewerbeflächenverknappung aus und plädierte für kommunale Entscheidungsfreiheit. Die FDP regte interkommunale Zusammenarbeit an. Claudius Spahr (Linke) forderte mehr Beteiligung der Menschen vor Ort. Die SPD verwies auf Hamm (Sieg), wo sich gewerblich kaum noch etwas ansiedeln könne.

Kerstin Dorn machte deutlich, dass WERIT in Altenkirchen bleiben wolle, aber dringend Erweiterungsmöglichkeiten benötige. Lärmschutzgutachten würden jedoch von Behörden in Koblenz entschieden, die die örtlichen Gegebenheiten nicht kennen. Auch Moritz Schumacher von der Group Schumacher betonte, dass Unternehmer Projekte zu Ende bringen wollen – ohne unnötige Hürden.

Ein weiteres zentrales Thema war der Ausbau der B8 und B414. Unternehmer kritisierten die schlechte Verkehrsanbindung und warnten vor Fachkräftemangel durch unzureichende Infrastruktur.

Verkaufsoffene Sonntage: Seit Jahren Streitpunkt
Im dritten Themenblock ging es um verkaufsoffene Sonntage in der Adventszeit. Einzelhändler aus Altenkirchen fordern seit rund 15 Jahren einen vierten Sonntag im Dezember – bislang ohne Erfolg. Während dies in anderen Bundesländern wie NRW und Hessen möglich ist, stoßen entsprechende Anträge in Rheinland-Pfalz auf rechtliche Hürden.

Seitens der CDU wurde betont, dass entsprechende Anträge bislang an der Ampelkoalition gescheitert seien und das Antragsverfahren weiterhin mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden sei. Man sei jedoch dicht an dem Thema dran und setze sich für eine möglichst schnelle Umsetzung ein.

Die AfD sprach sich klar für mehr Flexibilität aus, sofern Arbeitgeber und Arbeitnehmer einvernehmlich handeln. Die Grünen warnten vor möglichen negativen Auswirkungen auf das Familienleben bei zu vielen verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr, zeigten sich jedoch grundsätzlich offen für einen weiteren Termin in der Adventszeit. Eine klare Ablehnung sprach keine der vertretenen Parteien aus.

Politische Schlussworte der Kandidaten
Zum Abschluss des Politikgesprächs benannten die Landtagskandidaten, wofür sie sich in der kommenden Legislaturperiode besonders einsetzen wollen und welche Themen ihnen persönlich besonders wichtig sind.

Die Linke stellte den Erhalt der Demokratie und ein friedliches Miteinander in den Mittelpunkt. Die SPD betonte die Bedeutung einer wirtschaftlich starken Region. Die CDU setzte dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die Sicherung der Gesundheitsversorgung. Die Grünen sprachen sich ebenfalls dafür aus, die Region weiter zu stärken. Die AfD stellte das Ziel in den Mittelpunkt, der jungen Generation die Zukunft zu geben, die sie verdient. Die FDP forderte mehr Rückenwind für Menschen, die sich durch Leistung etwas aufbauen wollen.

Mit einem Schlusswort von Kristina Kütting und einem anschließenden Get-together endete die Veranstaltung.
       
   
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