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| Nachricht vom 31.01.2026 |
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| Protest im Flammenschein: Weidetierhalter im Westerwald fordern Schutz vor dem Wolf |
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| Der Wolf fühlt sich im Westerwald rudelwohl. Sämtliche DNA-Analysen zu den Übergriffen an verschiedenen Schafsherden im Oberwesterwald mit Aberdutzenden von Opfern um den Jahreswechsel herum wiesen den Wolf als Urheber nach. Jetzt stehen die Weidetierhalter auf und wehren sich gegen die ihrer Meinung nach von Umweltverbänden diktierte Politik. |
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Rehe. Der Nachweis eines neuen Rudels bei Herdorf zeigte, dass das Grenzgebiet zwischen Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen im hohen Westerwald ein länderübergreifender Hotspot des Wolfes ist. Ein Gebiet, in dem nicht nur viele Weidetierhalter ansässig sind, sondern das auch von vielen Erholungssuchenden besucht wird.
Inmitten eben dieses Hotspots wurde ein großes Feuer entzündet und eine Mahnwache unter dem Motto "Weidetiere vor Wolf" abgehalten. Eine Grünfläche nahe der Grillhütte in Rehe diente als Veranstaltungsfläche, beleuchtet von Traktoren, Schwedenfeuern und Fackelträgern. Ein großer Turm aus Holz, aufgeschichtet wie ein Wigwam, wurde entzündet und leuchtete weit hinaus in die Täler, um aufzuzeigen, dass die Menschen im Westerwald endgültig genug haben von einer ihrer Meinung nach politischen Romantisierung des Wolfes. Trotz der eisigen Temperaturen kamen an die tausend Menschen aus dem gesamten Westerwaldgebiet, dem Sauerland, dem Siegerland und dem Lahn-Dill-Kreis, um geschlossen aufzustehen. Stundenlang harrten sie in der Kälte aus und applaudierten den Rednern, die von einer großen mobilen Bühne aus den Leuten aus der Seele sprachen.
"Auch Alpakas stehen beim Wolf auf der Speisekarte"
Die Veranstaltung wurde von einem breiten Bündnis aus Verbänden organisiert und zog auch politische Aufmerksamkeit auf sich. Die Initiatorin Bianca Belleflamme begrüßte die Teilnehmer und versicherte, alle drei Landkreise des Westerwalds würden die Veranstaltung mittragen. Sie teilte mit, dass unter den Zuhörern auch Landespolitiker, darunter Matthias Reuber und Hendrik Hering, seien, die jedoch keine Reden halten würden, weil es eine Mahnwache und keine politische Debatte sei. Auch zahlreiche Weidetierhalter seien vor Ort, darunter Halter von Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden, Gehegewild und Alpakas. Sie alle sind über das Phänomen der Wolfsattacken tief besorgt. Ohne praktikable Lösungen verlieren immer mehr Betriebe ihre Perspektive und damit auch die artenreiche Kulturlandschaft in den Mittelgebirgen. Gemeinsam fordern sie eine reguläre Bejagung des Wolfes, um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern, und insbesondere die schnelle Entnahme auffälliger Wölfe. Der aktuelle Zustand sei von den Weidetierhaltern nicht nachvollziehbar. Mühsam und teuer hergestellte Zäune würden ein Tier wie den Wolf nicht abhalten, in die Gehege einzudringen. Wohl aber würden sie verhindern, dass die Weidetiere sich in Sicherheit bringen könnten. Im Falle eines Angriffs sind sie gefangen und dem Räuber ausgeliefert. Auch die Rudelerfassung der einzelnen Bundesländer müsse mehr vernetzt werden. Das Problem endet ja nicht an der Landesgrenze.
"Die Artenvielfalt verschwindet mit dem Wolf"
Lars Erich Broch von der Weidezone Deutschland wies deutlich darauf hin, dass diese Mahnwache kein gemütliches Lagerfeuer sei, sondern ein Zeichen des Widerstands. Es gehe nicht um Beschwerden, es gehe nicht um Geld, es gehe um das Trauma, das Tierhalter erleiden, wenn sie ihre verletzten Tiere von den Qualen erlösen müssen.
Das Gefühl der Sicherheit sei verloren gegangen, und die Politik könne sich Illusionen zur Abwehr des Wolfes nicht mehr leisten. Solange Umweltverbände die Tierhalter anprangern und ihnen vorwerfen, eine schützenswerte Art ausrotten zu wollen, werde sich nichts ändern. Broch betonte, dass nicht der Wolf für Artenvielfalt stehe, sondern diese vielmehr durch seine Anwesenheit bedroht werde. Mit dem Rückzug der Weidetierhalter verschwänden auch Arten, Kulturlandschaften und die Bodenqualität. Der Wolf jedoch bleibe in den Wäldern und treffe dort immer häufiger auf Erholungssuchende und Wanderer. Deshalb sei es entscheidend, die Politiker zu erreichen. Broch beendete seine Rede mit dem Aufruf "Werdet laut!" unter lautstarker Zustimmung und Applaus.
Erfahrungsbericht: "Der Puls stieg"
Christian Amend, ein erfahrener Schäfer aus Hof, hält rund 100 Mutterschafe. Am Morgen nach einem Wolfsübergriff fand er drei seiner Tiere tot auf der Weide vor - ihre Hälse aufgerissen. Fast ein Dutzend weiterer Schafe hatte Verletzungen erlitten. Besonders belastend war der Anblick eines schwer verletzten Tieres, das lange leiden und später von einem Tierarzt eingeschläfert werden musste.
Amend betont die Bedeutung der Schafe für die Landschaftspflege und erklärt, dass es nicht möglich sei, sie ständig im Stall zu halten. Um seine Herde zu schützen, errichtete er einen 1,6 Meter hohen elektrischen Schutzzaun. Trotz der geringen finanziellen Unterstützung durch das Land investierte er viel Mühe in den Bau.
Nach vier Wochen Prüfung erhielt Amend keinen finanziellen Schadensersatz. Grund dafür war ein fehlender Eisenstab im Zaun, der laut Vorschrift erforderlich war. Amend äußerte seinen Unmut darüber: "Wenn dann die KLUWO offiziell meldet, dass kein ausreichender Schutzzaun vorhanden gewesen sei, fühlt man sich vorgeführt."
"Herdentiere verbessern die Bodenqualität"
Matthias Müller, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Westerwald, zeigte sich betroffen über den Bericht. Er betonte den Wert der rechtlichen Absenkung des Schutzstatus von "streng geschützt" auf "geschützt". Die Landesregierung müsse jetzt einen Richtungswechsel in der Wolfspolitik umsetzen. Weil Problemwölfe, wie der berüchtigte als 1896 klassifizierte Wolf nicht erlegt werden dürfen, lernen andere Wölfe dazu. Im Westerwald würden vor allem kleine Herden gehalten, die auch wertschöpfend für das Grünland seien. Zäune alleine seien jedoch keine ausreichende Lösung.
"Tierleid ist Menschenleid"
Marco Weber, Präsident des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V., wünscht sich eine gefahrlose Tierhaltung, ohne dass Halter und Tiere derart schlimme Erfahrungen machen müssen. Wölfe, die einmal Herdentiere gerissen hätten, würden damit nicht aufhören. Dass immerhin die Bundespolitik inzwischen reagiert, merkt auch er positiv an. Eine rechtssichere Entnahme solcher Wölfe müsse möglich sein, und Jäger bräuchten gesellschaftliche und politische Rückendeckung.
"Die Kommunalpolitik ist hier"
Landrat Achim Schwickert zeigt Verständnis für die Sorgen der Herdentierhalter im Westerwald. Er betont, dass er mit den Landräten der Kreise Neuwied und Altenkirchen gesprochen habe und die gesamte kommunalpolitische Spitze der Region hinter den Tierhaltern stehe. "Wir wollen am Ende den Westerwald nicht einzäunen müssen", so Schwickert.
Die Strukturen im Westerwald unterscheiden sich deutlich von denen in Brandenburg. Während in Mainz argumentiert wird, dass es in anderen Bundesländern mehr Wölfe gebe, seien die ländlichen Strukturen im Westerwald kleinteiliger. Nach 20 Jahren der Rückkehr des Wolfes nehmen die Probleme laut Schwickert zu. Es gehe nicht um eine Ausrottung der Wölfe, wie von Wolfsschützern oft befürchtet, sondern um eine Lösung zur Bewältigung der Herausforderungen, welche die Anwesenheit der Wölfe mit sich bringt.
"Wölfe, die über den Zaun gehen, gehören weg"
Schäfer Werner Neumann, der eine Herde von 500 Tieren betreut, erinnert sich an ein Gespräch mit nicht näher benannten Politikern in Mainz. Bei diesem Treffen wurde deutlich, dass man dort davon ausgeht, der Westerwald könne 80 Wölfe verkraften. Diese Einschätzung stieß bei den anwesenden Landbewohnern auf Unverständnis.
Neumann fordert, dass zukünftige Forschungsgelder des Landes nicht mehr in den Wolfsschutz, sondern in den Herdenschutz investiert werden sollten. Er kritisiert zudem die Umweltverbände, die regelmäßig auf das Fehlen wolfsabweisender Zäune hinweisen. "Leute, redet doch mit uns und nicht nur über uns. Wir sind doch nicht zu blöde, um Zäune zu bauen", sagte Neumann.
Der rheinland-pfälzische Landtagspräsident Hendrik Hering hörte sich vor Ort trotz der beißenden Kälte die Reden bis zum Schluss an. Die Veranstalter und Teilnehmer hoffen nun, dass er das klare Signal mit nach Mainz nimmt und den Menschen in der Stadt die Situation auf dem Land näherbringt. Werner Neumann kommentierte dazu abschließend: "Die Mainzer können den Wolf gerne haben." (TS) |
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