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Nachricht vom 17.02.2026
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Vorstellung bei „Rewe Petz Ladies Open“: Cheftrainer Beltz auch Teamkapitän
Die „Rewe Petz Ladies Open“ in Altenkirchen sind die ideale Bühne gewesen: Der Deutsche Tennis Bund stellte in Torben Beltz den neuen Teamkapitän der deutschen Billie-Jean-King-Cup-Mannschaft als Nachfolger von Rainer Schüttler vor. Seit etwas mehr als zwölf Monaten ist der 49-Jährige bereits als Chefbundestrainer der Frauen tätig.
Der neue Teamkapitän Torben Beltz wird „flankiert“ von Razvan Mihai (rechts) und Helmut Schmidbauer.  (Foto: vh) Altenkirchen. Es ist eine schöne Anerkennung für das große Engagement gewesen, das in Altenkirchen die „Rewe Petz Ladies Open“ zu einem Frauen-Tennisturnier gemacht hat, das sich gerade in der 13. Auflage befindet (noch bis Sonntag, 22. Februar) und das schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) stellte im Sporthotel Glockenspitze am frühen Dienstagnachmittag (17. Februar) in Torben Beltz den neuen Teamkapitän der deutschen Billie-Jean-King-Cup-Mannschaft (Pendant der Männer: Davis-Cup-Team) vor. Der 49-Jährige folgt auf den Ex-Profi und ehemaligen Weltranglisten-Fünften Rainer Schüttler, der sein Amt nach sechs Jahren im November des vergangenen Jahres niedergelegt hatte. Nunmehr ruhen zwei wichtige Aufgaben auf den Schultern von Beltz, der seit gut einem Jahr auch Chefbundestrainer der Tennisfrauen ist. „Mit dieser Entscheidung entwickelt der DTB seine Führungsstruktur im Frauentennis konsequent im Sinne des neuen Leistungssportkonzeptes ,Gemeinsam! Weltklasse! Entwickeln!‘ weiter. Ziel ist es, dass jede Woche im Nationalmannschaftsrahmen nicht nur dem sportlichen Abschneiden dient, sondern auch einen nachhaltigen Entwicklungsschritt für jede einzelne Spielerin ermöglicht. Wir werden die logischen Schritte weiter verfolgen“, erklärte Helmut Schmidbauer als DTB-Vizepräsident. Der Vertrag sei langfristig angelegt, ergänzte er, ohne eine bestimmte Laufzeit zu nennen. Es bedürfe zunächst einmal einer gewissen Entwicklungszeit. Schmidbauer sah das Geschehen „schon jetzt auf einem guten Weg“. Mit dem ersten Auftritt der Mannschaft Anfang April in Portugal verknüpfte er ein großes Ziel: den Wiederaufstieg in die Weltgruppe, die Deutschland im November des vergangenen Jahres nach zwölfjähriger Zugehörigkeit und Niederlagen gegen die Türkei und Belgien hatte verlassen müssen.

Keine neue Rolle
„Ich arbeite seit einem Jahr sehr intensiv mit unseren Spielerinnen. Die Aufgabe als Teamkapitän ist für mich deshalb keine neue Rolle, sondern die konsequente Fortführung unserer gemeinsamen Arbeit. Unser Anspruch ist es, dass jede Spielerin aus einer Billie-Jean-King-Cup-Woche sportlich und persönlich einen Mehrwert mitnimmt und dass wir uns gleichzeitig als Team weiterentwickeln“, beschrieb Beltz seinen Arbeitsansatz für den zweiten „Beruf“. Er freue sich total auf die Rolle und verspüre einen gewissen Druck, zumal es ohne Druck keine Leistung gebe. „Wir wollen ein tolles Team formieren, in dem auch die Chemie stimmt“, fügte er an und verdeutlichte, dass auch Co-Trainerin Jasmin Wöhr diesen Ansatz mittrage, die sich bereits um Nachwuchsspieler als DTB-Bundestrainerin kümmert. Beltz war viele Jahre als Trainer von Angelique Kerber auf der WTA-Tour tätig und führte sie zu zwei Grand-Slam-Titeln (Australian Open und US Open 2016) sowie an die Spitze der Weltrangliste. Seit Dezember 2024 verantwortet der gebürtige Itzehoer als Chefbundestrainer die sportliche Entwicklung im deutschen Frauentennis und arbeitet eng mit den Spielerinnen auf der Tour sowie im Nachwuchsbereich zusammen. Bereits vor einem Jahr war Beltz zum ersten Mal „Gast“ bei den „Ladies Open“ in der Kreisstadt, wo er vor der eigentlich Konkurrenz schon Trainingscamps verantwortet hatte. Er habe nicht lange überlegen müssen, ob er das Angebot annehmen solle. Beltz freut sich „drauf, im Team was zu bewegen, ich habe inzwischen auch alle Spielerinnen kennen gelernt“.

Den Umbruch gestalten
Ein besonderer Fokus seiner neuen Aufgabe liege auf der Gestaltung des Umbruchs und der systematischen Heranführung von Nachwuchsspielerinnen an das Nationalteam. Das Billie-Jean-King-Cup-Team solle künftig noch stärker als Entwicklungsplattform verstanden werden – für etablierte Spielerinnen ebenso wie für Talente aus dem Porsche Talent Team, betonte DTB-Vorstand Veronika Rücker. „Mit ,Gemeinsam! Weltklasse! Entwickeln’ haben wir klare Vorstellungen zur langfristigen Weiterentwicklung des deutschen Tennis bis ins Jahr 2032 formuliert. Die Bündelung der sportlichen Verantwortung im Frauenbereich bei Torben Beltz ist der nächste konsequente Schritt in Richtung dieses Ziels. Die Nationalmannschaft ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil eines durchgängigen Entwicklungsprozesses“, veranschaulichte sie. „Torben Beltz arbeitet seit einem Jahr erfolgreich mit unseren Spielerinnen, aber die Entwicklung im deutschen Frauentennis braucht Zeit. Wir sehen bei einzelnen Spielerinnen wie Ella Seidel oder Eva Lys klare Fortschritte und verfügen im Porsche Talent Team über eine Reihe weiterer Spielerinnen mit Potenzial. Unser Anspruch ist es, diesen Weg mit Klarheit und Konsequenz weiterzuführen,“ merkte Rücker an, die gerne sehen würde, wenn acht bis zehn Spielerinnen in der Weltrangliste sich unter den Top 100 etablierten. Sie bezeichnete die Berufung von Beltz als „exzellente Wahl“ und konstatierte, dass 2025 sportlich gesehen bereits ein erfolgreiches Jahr für den DTB gewesen sei.

International gut aufgestellt
Razvan Mihai, Turnierdirektor der „Rewe Petz Ladies Open“ und „Erfinder“ des Wettbewerbs (erste Austragung im Jahr 2014), wies darauf hin, dass der DTB eine gute Wahl getroffen habe. Beltz sei ein sehr erfahrener Trainer, der in der Welt gut dastehe. Mehr die Gesamtsituation im deutschen Frauentennis mit Hinblick auf die Turniere ins Auge fassend, freute er sich: „Der DTB ist international gut aufgestellt. Solche Turniere wie in Altenkirchen dienen als Sprungbrett für den Aufstieg in der Weltrangliste.“ Mihai, Sprecher der internationalen Frauenkonkurrenzen der ITF in Deutschland, zeigte sich stolz darüber, was „im DTB entstanden ist“. Dennoch sei die Finanzierung der Turniere das größte Problem. Sei eines einmal gestorben, sei es ungemein schwieriger, es wieder zu beleben. Rücker pflichtete ihm bei: „Wir hatten uns für 2025 zum Ziel gesetzt, zehn Turniere à la Altenkirchen zu organisieren. Zwei haben wir nur geschafft.“ In Italien sei das beispielsweise ganz anders. Dort gebe es von staatlicher Seite eine Förderung.

Der Billie-Jean-King-Cup
Der Billie-Jean-King-Cup (bis 1995 Federation Cup; bis 2020 Fed Cup) ist der wichtigste Wettbewerb für Nationalmannschaften im Frauentennis analog zum Davis Cup bei den Männern. Die ersten Überlegungen, einen solchen Vergleich zu organisieren, reichen bis ins Jahr 1919 zurück. Erst 1963, zum 50. Geburtstag des Tennis-Weltverbandes ITF, wurde die ursprüngliche Idee umgesetzt und der erste Federation Cup ausgespielt. Im Laufe der Jahre folgten mehrere Änderungen des Austragungsmodus, ehe zu Ehren von Billie Jean King der Wettbewerb am 17. September 2020 in Billie-Jean-King-Cup umbenannt wurde. Rekord-Champion sind die USA mit 18 Titelgewinnen. Deutschland konnte die Trophähe bislang zweimal gewinnen: 1987  im Hollyburn Country Club in Vancouver (Kanada) mit dem 2:1 über die USA in der Besetzung Steffi Graf, Claudia Kohde-Kilsch, Silke Meier, Bettina Bunge und Teamkapitän Klaus Hofsäss und 1992 in Frankfurt nach dem 2:1 gegen Spanien in der Besetzung Graf, Anke Huber, Barbara Rittner, Sabine Hack und Teamkapitän Hofsäss. Billie Jean King wurde am 22. November 1943 in Long Beach (US-Bundesstaat Kalifornien) geboren und gewann in den 1960- und 1970er-Jahren zahlreiche Tennisturniere – Grand Slam: 12 Einzel-, 16 Doppel-, 11 Mixed-Titel. Hinzu kommen allein 78 Siege in Einzel-Wettbewerben. Sie erreichte Platz zwei in der Weltrangliste. Bei ihrem letzten Turniersieg am 6. Juni 1983 war sie 39 Jahre alt; damit ist sie bis heute die älteste Einzelsiegerin auf der Tour. (vh)
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