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| Nachricht vom 14.03.2026 |
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| „Bröselmaschine“ in Altenkirchen: Alter schützt nicht vor klasse Rockmusik |
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| Der Name lässt schon aufhorchen: „Bröselmaschine“. Richtig, das hat nichts mit einem Gerät zur Herstellung von Brot- oder Brötchenkrumen zu tun. Sondern viel einfacher: Schon über 50 Jahre mit Unterbrechungen tourt die Formation durch die Lande und ist inzwischen Teil der deutschen Rockgeschichte, die sie seit 1968 mitgestaltet hat. |
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Altenkirchen. Die Rolling Stones machen es vor, „Bröselmaschine“ macht es nach und wandelt auf ähnlichen Spuren. Will nichts anderes heißen, als dass Alter nicht vor klasse Rockmusik schützt. Stehen die Mannen um Mick Jagger seit 1962 auf der Bühne, ist die in der Ära des Krautrocks gegründete Formation seit 1968 mit Unterbrechungen und unterschiedlichen Besetzungen am Start. Gründer Peter Bursch, der immer, wenn die Formation lebte und lebt, dazugehört, feiert im April immerhin seinen 77. Geburtstag. Das tut dem Auftritt im Altenkirchener Kultur-Salon (Stadthalle) am Freitagabend (13. März) vor nur mäßig besetztem Haus keinen Abbruch. Die lange, beinahe weiße Haarpracht mit ausgeprägtem Mittelscheitel gereicht einem Alt-Rocker allemal zur Ehre, das mit zwölf großen Sonnenblumen bedruckte schwarze Hemd erinnert eher ein wenig an die Flower-Power-Zeit der späten 1960er- oder frühen 1970er-Jahre. Auch Gitarrist Michael Dommers macht im schwarzen Oberteil mit mehrfarbig bunten Kreisen plus ähnlicher Frisur wie Bursch ganz auf längst vergangenen Zeiten. Dass in die Gruppe während des rund zweistündigen Gigs eine Menge Bewegung kommt, dafür sorgt Sängerin Stella Tonon, deren Körper kaum ruhige Sequenzen benötigt. Sie ist „d u“, dauernd unterwegs. Mal explosiv, mal filigran, mal auf den Knien Schlagzeuger Manni von Bohr „anbetend“, mal in der Hocke ihre Stimme ins Publikum schleudernd. Und das alles absolviert sie barfuß, ohne Gedanken, dass vielleicht irgendwo auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ein kleiner Holzspan seinen Fühler in die Luft reckt und für blutige Schmerzen sorgen könnte. Abstecher ins „Gym“, um sich körperlich fit zu halten, braucht sie gewiss nicht. Komplett in Schwarz gewanded, verlässt sie hin und wieder die Bühne, um sich an einen freien Tisch im Auditorium zu setzen, ist aber immer rechtzeitig zurück, wenn es ihr Einsatz bedingt. Eher im Hintergrund agieren Keyboarder Tom Plötzer und „Basser“ Carlos Palmen, jeder für sich genommen ein ausgesprochener Experte seines Arbeitsgerätes, wie sich bei den auf den Leib geschriebenen Soli zeigt, was auch für Bursch, Dommers und vor allem für von Bohrs ultralangen „Alleingang“ gilt.
Reise durch die Bandgeschichte
„I feel fine“ lautet die Headline, unter der der Abend steht. „Bröselmaschine“ nehmen die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Bandgeschichte. Die Ära des Krautrocks ist nicht ganz vergessen, hin und wieder erinnern Passagen in ihren Songs an die Zeit, als westdeutsche Formationen sich experimentierfreudig zeigen und Elektronisches ihren Kompositionen beimischen. Bursch & Co. belassen es nicht beim einfachen und geraden Rock und ohne Schnörkel, in „Bliss“ sind Anleihen an relativ Melodisches gewollt, während sogar Nuancen des Folk eingebettet sind. Und auch Neueres gehört zum Repertoire. „Ich muss immer auf den Titel gucken, weil ich das noch nicht auswendig kann“, kündigt Bursch ein wenig schmunzelnd „Cosmic Roll“ an, das nur wenige Jahre auf dem Buckel hat. Tief ins Indische, sozusagen in einen Asram, einen Ort für Yoga, Meditation, Gebet und andere spirituelle Disziplinen, tauchen „Bröselmaschine“ über rund zehn Minuten mit „Indian Camel“ ein, wobei der geneigte Zuhörer sich durchaus zurücklehnen und eine gewisse Entschleunigung erfahren kann. „Hauptursache“ dafür ist Burschs Begleitung des sanften Stücks mit der bauchigen Sitar, der gezupften Langhalslaute, dem bekanntesten Melodieinstrument der klassischen nordindischen Musik mit dem so herausstechenden obertonreichen Klang, der auch anderen Stücken wie bei „Elegy“ jeweils eine sehr individuelle Note verleiht.
Anleihe bei T. Rex
Nochmals richtig rockig dank der kräftigen Stimme Tonons kommt „Children of the Revolution“ (Kinder der Revolution) daher, sogar eine Spur intensiver als das Original aus dem Jahr 1972 von T. Rex, der englischen Glam-Rock-Formation und geschrieben von Marc Bolan, der bereits 1977 im Alter von 29 Jahren stirbt. Dass der „Wirbelwind“ des Sextetts auch leiser, sanfter, einfühlsamer kann, macht „Pajaro“, zu deutsch „Vogel“, deutlich. Da steht die Harmonie über allem, wird in übertragenem Sinn die Feingliedrigkeit dieser Geschöpfe deutlich. Tonon belässt es bei der Sprache der iberischen Halbinsel, die teilweise für unsere Ohren sehr harmonisch klingt. So bleibt final noch ein Lied, das im Kopf von Bursch hängen geblieben ist, seit er es zum ersten Mal gehört hat. Ein Blues, eine Musikrichtung, mit der viele Schülerbands ihre Laufbahn beginnen würden, der ein Jahr vor der Gründung von „Bröselmaschine“ bekannt wird: „I’d rather go blind“ (Lieber würde ich erblinden) von Etta James, der US-amerikanischen Rhythm- and-Blues-Interpretin, die jedoch auch in Sachen Gospel, Soul, Rock-‘n’-Roll und Jazz zu Hause ist. So ist es Tonon vorbehalten, die mit ihrem grandiosen Organ und der fantastischen Begleitung „ihrer“ fünf Herren den Schlusspunkt eines Wohlfühl-Konzertes setzt, der besser nicht hätte daherkommen können und das die Felsenkeller-Kultur unter Helmut Nöllgen organisiert hat.
Cannabis zerkleinern
Den Namen „Bröselmaschine“ erklärt Wikipedia: „Die ,Bröselmaschine’ ging aus der 1966 gegründeten Folk-Band Les Autres (Die Anderen) hervor. Der Name geht zurück auf eine Cannabis-Zerkleinerungsapparatur und das Geräusch eines Motorrads, das einem Freund von Jenni Schücker (Sängerin) gehörte. Die Bandmitglieder lebten in einer Kommune im Duisburger Dellviertel und gehörten Ende der 1960er-Jahre zu den deutschen Rock-Gruppen der ersten Stunde.“ Wikipedia weiter: „Unter dem Genre Krautrock wurde ab Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre die Rockmusik primär westdeutscher Bands eingeordnet, die teilweise auch international bekannt wurden. Die britische Musikpresse hatte den Begriff Krautrock insbesondere für bestimmte Formen der Musik aus Deutschland geprägt. Allen klassischen Krautrockbands ist außer der geographischen Herkunft der Hang zur experimentellen improvisationsgeprägten Rockmusik gemein. Der Begriff geht auf das Wort Sauerkraut und die abgeleitete Bezeichnung ,Krauts’ für die deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg zurück.“ (vh) |
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