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| Nachricht vom 18.03.2026 |
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| Wirtschaft |
| Die Sicherheit von Zuggästen hat zukünftig höchste Priorität |
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ANZEIGE 18+ | Hinweis: Dieser Artikel ist für ein erwachsenes Publikum bestimmt und behandelt Themen (beinhaltet ggf. Links), die sich an Personen ab 18 Jahren richten. Der Angriff auf einen 36-jährigen Zugbegleiter in einer Bahn in Kaiserslautern erschüttert das Land. Dieser wurde durch Faustschläge gegen den Kopf schwer verletzt und starb an einer Hirnblutung. Bei dem Täter handelte es sich um einen Fahrgast. Anlass für den Angriff war offenbar eine fehlende Zugfahrkarte.
Die Kollegen des Zugbegleiters zeigten sich erschüttert und riefen zu einer Spendenaktion für die Familie auf. Gleichzeitig werden die Stimmen, die nach mehr Sicherheit für die Bahnbediensteten rufen, immer lauter. Sie haben eine Diskussion um die Sicherheit von Fahrgästen und Zugpersonal in Gang gebracht. |
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Mehr Personal gefordert
Diese verlangen mehr Personal und bessere Sicherheitsvorkehrungen im öffentlichen Zugsverkehr von Rheinland-Pfalz. Immerhin werden immer mehr Mitarbeiter Ziel von Übergriffen. So wurden laut einer Anfragebeantwortung im Deutschen Bundestag im Vorjahr insgesamt 2.700 Fälle von Körperverletzung oder Bedrohungen gegenüber Mitarbeitern der Bahn gezählt.
Diese Entwicklung führt jetzt zu einer Diskussion um eine Doppelbesetzung der Zugbegleiter, in der sich auch die Politik zu Wort meldet. So fordert das Mobilitätsministerium von Rheinland-Pfalz auf manchen Strecken mehr Zugbegleiter. Damit unterstützen die Verantwortlichen die Stimmen von Fachleuten, die schon länger vor mangelnder Sicherheit der Fahrgäste warnen. Schließlich zeigt sich, dass immer mehr Regionalzüge ohne Personal unterwegs sind.
Das Mobilitätsministerium reagiert
Die zuständige Ministerin Katrin Eder von B‘90/Grüne will daher jetzt handeln. Für sie habe die Sicherheit von Zugbegleitern und Fahrgästen höchste Priorität, sagte sie nach einem runden Tisch, der aufgrund der aktuellen Situation einberufen wurde. Sie versprach als Sofortmaßnahme mehr Bodycams für das Zugpersonal und eine personelle Verstärkung für die Mitarbeiter durch Doppelbesetzungen. Dies würde vor allem dort umgesetzt, wo es erfahrungsgemäß häufiger zu Konflikten im Zug käme. Doch ist dies kurzfristig realistisch umsetzbar?
Daran zweifeln Beobachter, schließlich entscheiden dies die Eisenbahnverkehrsunternehmen und nicht das Ministerium. Die Dienstpläne der Verbände werden in der Regel mit einem Jahr Vorlaufzeit erstellt. Gleichzeitig stellt sich die Kostenfrage. Denn eines ist klar: Das Personal für Doppelbesetzungen steht nicht auf Abruf zur Verfügung.
Die neue Einteilung könnte daher sogar das Gegenteil erreichen und die Sicherheit für die Fahrgäste reduzieren. Wird das bestehende Personal umgeschichtet, könnte dies in der Folge dazu führen, dass der Anteil jener Züge ohne Zugbegleiter steigt. Das würde zwar die Sicherheit der Zugbegleiter verbessern, jedoch jene der Kunden verringern. Das musste auch die Ministerin auf Nachfrage von Journalisten einräumen.
Unrealistische Forderungen?
Damit zeigt sich wieder einmal, dass die rasche Umsetzung von Reformen, keine Schnellschüss verträgt. Dies gilt vorwiegend dann, wenn der Druck der Öffentlichkeit steigt. Das muss derzeit auch die österreichische Bundesregierung in vielen Bereichen zur Kenntnis nehmen. So versucht die Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos gerade das Glücksspielgesetz zu reformieren und scheitert dabei nicht nur an den eigenen Ansprüchen, sondern auch an der Kritik von Experten.
Ausländische Online Casinos mit Bonus ohne Einzahlung drängen seit Jahren erfolgreich auf den geschützten Markt und sichern sich so Marktanteile von bis zu 70 Prozent. Das möchte die Bundesregierung zukünftig verhindern, doch die vorgeschlagenen technischen Maßnahmen werden von Experten als wenig wirksam beurteilt. Sie schlagen vielmehr eine Marktöffnung mit begleitenden strengen Spielerschutzmaßnahmen vor. Doch die ideologisch unterschiedlichen Parteien können sich vorerst nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen, das lässt vorerst nicht auf eine realistische Reform hoffen.
In Rheinland-Pfalz stoßen die politischen Forderungen ebenfalls an ihre realistischen Grenzen. Zwar würden die aktuellen Verkehrsverträge zumeist eine Besetzung von 100 Prozent durch Zugbegleiter fordern, doch die Daten aus dem Ministerium zeigen ein anderes Bild. In der Nacht wird diese Vorgabe erfüllt, doch tagsüber ist die Situation eine andere. Dann fährt lediglich in elf von insgesamt 27 Netzen in jedem Zug auch ein Zugbegleiter mit. Wie in dieser Situation eine Doppelbegleitung umgesetzt werden soll, ist daher fraglich. Schließlich fährt in manchen Regionalnetzen nur in jedem zweiten, manchmal sogar nur in jedem zehnten Zug ein Zugbegleiter mit.
Abends und am Wochenende steigt die Gefahr
Dies betrifft nicht nur Züge in der Voreifel oder dem Ahrtal, sondern auch Verbindungen zwischen dem Saarland und der Pfalz und die Stadtbahnnetze in Karlsruhe und Ludwigshafen. Laut Aussage der Eisenbahnunternehmen kommen die Übergriffe hauptsächlich in den Abendstunden und am Wochenende vor. Daher wird in jenen Zeiträumen auch die Zahl der Zugbegleiter aufgestockt.
Diese Fakten sorgen naturgemäß für viel Kritik. Experten gehen davon aus, dass die verstärkte Präsenz von Zugbegleitern entscheidend für die Sicherheit der Fahrgäste sei. Diese habe eine deeskalierende Wirkung. Würde diese Präsenz reduziert oder gar wegfallen, dann würde auch die Gefahr steigen. Dann seien die Fahrgäste ganz auf sich allein gestellt.
Personalaufstockungen bisher aus Kostengründen abgelehnt
Die Fahrgastverbände fordern daher eine durchgängige Begleitung auf allen Zugstrecken und Verbindungen. Die Gewerkschaften schließen sich diesen Forderungen an, denn laut ihren internen Daten würden rund zwei Drittel der Übergriffe während der Ticketkontrolle passieren. Doch die Verantwortlichen in den Gesellschaften und im Ministerium hätten bisher eine Aufstockung des Personals aus Kostengründen abgelehnt.
Dem halten manche Verkehrsexperten jedoch entgegen, dass es keine Untersuchungen gäbe, die einen Anstieg der Sicherheit durch mehr Personal in den Zügen belegen würden. Sie schlagen stattdessen vor, die Zugbegleiter verstärkt durch Sicherheitspersonal zu ersetzen. Dieses könnte dann auch die Ticketkontrollen übernehmen.
Die zuständige Ministerin Katrin Eder möchte jetzt zwar neben der Doppelbesetzung des Zugpersonals auch mehr Sicherheitspersonal finanzieren, wie viel Geld dafür zur Verfügung steht, konnte sie bisher jedoch nicht genau bekannt geben. Die Summe soll sich jedoch im mittleren einstelligen Millionenbetrag bewegen. (prm)
Hinweis zu den Risiken von Glücksspielen:
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst und nutzen Sie bei Bedarf Hilfsangebote wie die Suchtberatung (Link: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - Glücksspielsucht). |
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| Nachricht vom 18.03.2026 |
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