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Nachricht vom 26.03.2026
Wirtschaft
Transformationsabend: Wirtschaft zwischen KI, Wandel und Energiefragen
Beim Transformationsabend im kulturWERKwissen wurde klar: Der Wandel ist nicht aufzuhalten – aber gestaltbar. Experten und Unternehmen zeigten, wie diesen Herausforderungen mit neuem Denken, gezielter Qualifizierung und regionaler Zusammenarbeit begegnet werden kann.
Landrat Dr. Peter Enders und Moderator Bernd Becker (alle Fotos: Samuel Schneider)Wissen. Der Transformationsdruck auf Unternehmen wächst – und er kommt aus vielen Richtungen zugleich. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI), demografischer Wandel und geopolitische Entwicklungen verändern Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse spürbar. Beim Transformationsabend am 24. März 2026 im kulturWERKwissen wurde ab 18 Uhr genau darüber diskutiert – praxisnah, kritisch und mit Blick auf die Region.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Neuen Arbeit Westerwald, dem Transformationsnetzwerk TraForce (Altenkirchen/Westerwald) sowie der Wirtschaftsförderung des Kreises Altenkirchen. Moderator Bernd Becker führte durch den Abend und band auch das Publikum aktiv ein.

Gemeinsame Strategien gegen wirtschaftlichen Druck
Zum Auftakt ordnete Landrat Dr. Peter Enders die aktuellen Entwicklungen ein. Sein Appell: KI müsse nüchtern betrachtet werden – dennoch dürfe man sich nicht davor verschließen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spürbar verändern. Themen wie Dekarbonisierung, verschobene Handelsströme und zunehmender internationaler Wettbewerb setzten auch regionale Unternehmen unter Druck. Umso wichtiger sei es, dass Wirtschaft, Institutionen und Netzwerke gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Einen strategischen Impuls setzte Björn Pulz von der Neuen Arbeit e. V. mit der Vorstellung der „Sieben Thesen zur Arbeitswelt 2030“ von Daniel Auwermann, Co-Founder, Organisationsberater und ehemaliger Marineoffizier. Unter dem Leitgedanken, Organisationen konsequent aus der Perspektive von Unsicherheit zu denken, wurde deutlich: Klassische Planbarkeit nimmt ab, während die Fähigkeit steigt, unter unklaren Bedingungen handlungsfähig zu bleiben. Transformation, so die zentrale Botschaft, ist kein Projekt – sondern eine dauerhafte Haltung.

Qualifizierung als Antwort auf den demografischen Wandel
Wie diese Veränderungen konkret in Betrieben umgesetzt werden können, zeigte Alice Greschkow von der Transformationsagentur Rheinland-Pfalz. Sie verwies auf die wachsende Bedeutung von Qualifizierung – nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels. In den kommenden Jahren werden zahlreiche erfahrene Fachkräfte aus dem Berufsleben ausscheiden, während gleichzeitig weniger Nachwuchs nachrückt. Parallel steigen die Anforderungen durch Digitalisierung, KI sowie globale wirtschaftliche Unsicherheiten.

Unternehmen seien daher gefordert, Weiterbildung strategisch zu verankern. Neben klassischen Schulungen gewinnen flexible Formate wie modulare Qualifizierungen an Bedeutung. Auch arbeitsintegrierte Ansätze wie „Job Enrichment“ oder „Job Enlargement“ sowie temporäre Einsätze in anderen Bereichen oder Standorten fördern gezielt den Kompetenzerwerb. Laut vorgestellten Zahlen unterstützten 43 Prozent der Betriebe in Rheinland-Pfalz Weiterbildungsmaßnahmen, während 27 Prozent der Beschäftigten im Jahr 2025 davon profitierten.

Einsatzmöglichkeiten und Grenzen künstlicher Intelligenz
Einen Einblick in die Entstehungsgeschichte und die Praxis der KI gab Dr. Sönke Knoch vom Regionalen Zukunftszentrum für KI und digitale Transformation. Er erläuterte die Funktionsweise moderner KI-Systeme und zeigte konkrete Einsatzmöglichkeiten für den Mittelstand – etwa bei der Analyse großer Datenmengen oder der Automatisierung von Prozessen. Gleichzeitig machte er die Grenzen deutlich: Kreativität, Empathie und ethische Entscheidungen bleiben menschliche Kompetenzen. Zudem seien fehlerhafte Ergebnisse – sogenannte „Halluzinationen“ – weiterhin eine Herausforderung.

Praxisnah wurde es im Beitrag von Michael Gulden, Personalleiter beim Unternehmen Karl Georg. Sein Fazit: „Hoffnung ist keine Strategie.“ Unternehmen müssten den Fachkräftemangel aktiv angehen und Ausbildung selbst gestalten. Vorgestellt wurden unter anderem ein Azubi-Stammtisch, neue Ausbildungsstrukturen sowie ein regionaler Ausbildungsaustausch. Dabei wechseln Auszubildende zeitweise in andere Betriebe, um zusätzliche Kompetenzen zu erwerben – ein Modell, das auf Vertrauen basiert und die gesamte Region stärkt. Konkurrenz um Nachwuchskräfte spiele dabei bewusst keine Rolle.

Kritische Reflexion über Energiebedarf und Sicherheit
In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden auch kritische Fragen aufgegriffen. So ging es unter anderem um Risiken durch KI-Anwendungen wie Voice Cloning, bei dem Stimmen täuschend echt nachgebildet werden können. Ebenso rückte ein oft weniger beachteter Aspekt in den Fokus: der steigende Energiebedarf von KI. Rechenzentren und datenintensive Anwendungen benötigen erhebliche Mengen an Strom – ein Thema, das im Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und Klimazielen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Frage der Ressourcenschonung wurde daher intensiv diskutiert.

Ein weiterer Punkt: Der Umgang mit KI setzt Wissen voraus. „Man kann keine Entscheidung über etwas treffen, das man nicht kennt“, wurde im Verlauf des Abends betont. Gleichzeitig sei klar, dass sich technologische Entwicklungen nicht zurückdrehen lassen. Umso wichtiger seien klare Rahmenbedingungen und die Verantwortung des Menschen im Umgang mit neuen Technologien.

Zum Abschluss nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch. Neben Gesprächen standen auch Informationen zu Fördermöglichkeiten im Fokus. Der Transformationsabend zeigte damit nicht nur Herausforderungen auf, sondern bot auch konkrete Ansätze – und machte deutlich: Die Transformation ist längst angekommen, auch im Landkreis Altenkirchen. Entscheidend ist nun, wie aktiv sie gestaltet wird.
       
       
     
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