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Nachricht vom 01.04.2026
Region
Wählergruppe Käppele kann sich Regioklinik auch in Altenkirchen vorstellen
Regiokliniken sollen in Rheinland-Pfalz die vor allem auf dem Land entstandenen Lücken in der stationären Gesundheitsversorgung ergänzen. Wie so ein Hospital funktioniert, ließ sich eine Abordnung der mit einem Sitz im Altenkirchener Kreistag vertretenen Wählergruppe Käppele in Hermeskeil erläutern. Das so gut wie stillgelegte Krankenhaus in der Kreisstadt könnte mit Blick auf die „Regio“-Idee wiederbelebt werden.
Gunnar und Sabine Lindner (von links) zählten auch zu den Gästen aus dem Westerwald, die von der Spitze der Regioklinik informiert wurden. (Foto: privat)Hermeskeil/Altenkirchen. Noch ist die rheinland-pfälzische Landesregierung aus SPD, FDP und Bündnisgrünen im Amt und mit ihr auch Genosse Clemens Hoch als Minister für Wissenschaft und Gesundheit. Inwieweit seine Überlegungen, die arg gebeutelte stationäre Gesundheitsversorgung vor allem auf dem Land neuerlich zu stärken, noch Gültigkeit haben, wenn CDU-Mann Gordon Schnieder das neue Kabinett führen wird, bleibt einmal dahin gestellt. Und damit sind auch Hochs Äußerungen, von 2027 an Regiokliniken schaffen zu wollen, mit Vorsicht zu genießen. Das hinderte die Wählergruppe Käppele, die mit einem Sitz im Altenkirchener Kreistag vertreten ist, nicht daran, sich in der derzeit ersten und einzigen Regioklinik zwischen Mudersbach und Zweibrücken, im St.-Josef-Krankenhaus des Marienhaus-Campus Hermeskeil, über das Konzept einer solchen Einrichtung zu informieren. Ziel des Austauschs war es, Impulse und Anregungen für eine mögliche Regioklinik in Altenkirchen zu erhalten. Alexandra Gebel als kaufmännische Direktorin und gleichzeitig auch Standortleiterin des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Hermeskeil, betonte, wie wichtig der Marienhaus-Gruppe eine verlässliche medizinische Versorgung im ländlichen Raum sei: „Es ist uns ein Herzensanliegen, die Gesundheitsversorgung in der Region langfristig sicherzustellen. Mit der Eröffnung der Regioklinik im Herbst 2024 haben wir in Hermeskeil ein neues Kapitel für die Gesundheitsversorgung in der Umgebung aufgeschlagen“.

Von 140 auf 20 Betten reduziert
Neben Chirurgie, Innerer Medizin und einer psychiatrischen Tagesklinik bietet das Haus eine 24/7-Notfallversorgung. Dr. Eva Ewers, ärztliche Direktorin, erläuterte das Konzept dieser Versorgung, das auf sogenannte „Alltagsnotfälle“ ausgerichtet ist. Diese machten den größten Anteil der Notfallaufnahmen aus. Für weitergehende Behandlungen und Fälle, die intensivmedizinisch betreut werden müssten, bestünden Kooperationen mit Partnern in der Region. Vor der Umstrukturierung verfügte das Marienhaus-Klinikum St. Josef in Hermeskeil über etwa 140 Betten inklusive erforderlicher Infrastruktur. Im Zuge der Reform zur Regioklinik wurde die Anzahl auf 20 Betten reduziert. Auf die Frage aus Reihen der Wählergruppe, ob ein Haus dieser Größe wirtschaftlich betrieben werden könne, antwortete Christina De Francesco-Kasper (Leitung des zentralen Medizincontrolling aus der Trägerzentrale): „Allein kann ein solches Haus nicht kostendeckend arbeiten.“ Entscheidend sei ein Netzwerk aus Kooperationspartnern, die die Infrastruktur gemeinsam nutzten – etwa ein MVZ, Pflegeeinrichtungen oder niedergelassene Ärzte, die die OP-Säle mitnutzten. „Nur in einem solchen Verbund kann eine solche Einrichtung – vormals als kleines Grund- und Regelversorger gelebtes Krankenhaus, umgewandelt zu einer Regioklinik – bestehen.”

Große Chancen für Altenkirchen
Im Gegensatz zur Situation in Altenkirchen kooperiert die Regioklinik mit dem Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier sowie mit weiteren Klinik-Standorten der Marienhaus-Gruppe in St. Wendel, Saarlouis und Bitburg. Sabine Lindner von der Wählergruppe Käppele sah und sieht eine große Chance für Altenkirchen: „Wenn der Kreis Altenkirchen die medizinische Versorgung der Bevölkerung wirklich sicherstellen will, ist die finanzielle Unterstützung einer Regioklinik eine wichtige Grundlage und ein starkes Zeichen für mögliche Kooperationspartner.“ De Francesco-Kasper, die auch als Austauschpunkt zwischen der Marienhaus GmbH und der Deutschen Krankenhausgesellschaft fungiert, fasste zusammen: „Wenn es gelingt, die wichtigen Akteure vor Ort zu gewinnen und zu binden, kann eine sektorenübergreifende Einrichtung funktionieren. Aber es ist kein Selbstläufer.“ Die Wählergruppe Käppele will nun genau diese Akteure für eine Kooperation in Altenkirchen gewinnen. Neben der Politik müsse die Diakonie in Südwestfalen, die die Hospitäler in Kirchen und Altenkirchen unter ihre Fittiche nahm, zur Tätigkeit in Richtung Regioklinik motiviert oder notfalls ein Träger gefunden werden, der, wie in Hermeskeil, mit dem notwendigen Engagement hinter dem Projekt Regioklinik stehe. Gunnar Lindner (Wählerguppe Käppele) betonte, dass angesichts der schwierigen Vergangenheit der Altenkirchener Krankenhauspolitik auch eine kommunale Trägerschaft neu diskutiert werden müsse.

Nicht für schwere Notfälle
Vor gut einem Jahr hatte Hoch seine Überlegungen zur Zukunft der stationären Gesundheitsversorgung dargestellt: Sogenannte Regiokliniken und Telemedizin sollten in der künftigen Krankenhauslandschaft in Rheinland-Pfalz eine wichtige Rolle spielen. An allen der derzeit 126 Krankenhausstandorte solle es auch künftig ein medizinisches Angebot geben, hatte Gesundheitsstaatssekretärin Nicole Steingaß (SPD) im Landtags-Gesundheitsausschuss ergänzt: „Aber es wird sich auch an jedem Standort etwas ändern müssen." Regiokliniken, so Steingaß, könnten sich aus MVZ (in Altenkirchen mit zwei Arztsitzen derzeit vorhanden) entwickeln und sollten eine flächendeckende Grundversorgung garantieren. Sie würden individuell konzipiert werden, entsprechend der Bedürfnisse einer Region. Ambulante Operationen, Kurzzeitpflege, Reha-Angebote, Geriatrie und intravenöse Medikamentenangabe könnten etwa dazugehören. Sie sollten aber kein Anlaufpunkt für schwere Notfälle sein. Ob das medizinische Personal rund um die Uhr vor Ort sei, hänge von der Region ab. Wie viele Regiokliniken es geben wird, sei noch unklar. Zudem solle die Telemedizin intensiviert werden, ergänzte Steingaß. „Telemedizin kann den Fachärztemangel ein bisschen beheben", erläuterte Gutachter Matthias Schatz vom Unternehmen PD. Grundlage für den neuen Krankenhausplan, der 2027 in Kraft treten soll, ist das 327 Seiten starke Gutachten von PD zum Ist-Zustand in Rheinland-Pfalz. Dieses basiert auf Fallzahlen von 2019 - also aus der Zeit vor Corona - bis 2023. Neuere Zahlen gibt es nicht. Die mehr als 23.300 Krankenhausbetten seien zu 67 Prozent ausgelastet gewesen und damit schwächer als im Bundesdurchschnitt (71 Prozent). Rund 50 Prozent der Standorte hatten weniger als 150 Betten. In einigen Regionen wie Koblenz/Neuwied und einigen medizinischen Disziplinen sei eine Zentralisierung sinnvoll, heißt es in der Ausarbeitung.

Das Sterben eines Krankenhauses
Der Rückblick im Zeitraffer: Seit nunmehr zwölf Jahren (2014) wird am Krankenhaus Altenkirchen herumgedoktert. Zunächst war eine Verschmelzung mit dem Hospital in Hachenburg angedacht, dann sah der Träger, die DRK gemeinnützige Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz mbH, von einer Fusion ab. Nach und nach sickerten die Pläne für den Bau eines Westerwaldklinikums durch, das unter großem Einsatz führender Politiker aus dem ehemaligen Oberwesterwaldkreis in der Peripherie von Hachenburg im „Stadtteil Müschenbach“ gebaut werden sollte. Insolvenzen verschiedener Gesellschaften des Trägers folgten, schließlich zog sich der DRK-Landesverband Rheinland-Pfalz ganz als Betreiber von Kliniken zurück und hinterließ verbrannte Erde. Nach und nach wurde, auch mithilfe der Landesregierung in Mainz, das medizinisch ambulante und stationäre Angebot in Altenkirchen immer weiter zurückgefahren. Inzwischen hat die Diakonie in Südwestfalen die Häuser in Kirchen und Altenkirchen übernommen, das Hospital in Hachenburg ist beinahe als orthopädische Fachklinik nunmehr in Händen des evangelischen Krankenhauses Dierdorf/Selters. In Altenkirchen wurden dem Betreiber von der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz zwei Arztsitze genehmigt, die Schmerzambulanz von heute auf morgen geschlossen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist nach wie vor geöffnet. (vh/dpa/PM)
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