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| Nachricht vom 10.04.2026 |
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| Interkultureller Garten Altenkirchen: Neue Saison nimmt langsam Fahrt auf |
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| So langsam nimmt die neue Gartensaison Fahrt auf. Wie sich in dieser Jahreszeit das Wetter meistens gibt, wechseln regelmäßig schöne und warme mit kalten und ungemütlichen Tagen. Deswegen können die Anbauflächen hinter der Altenkirchener evangelischen Kindertagesstätte „Arche“ noch nicht so ganz daherkommen, wie es sich deren Bewirtschafter vorstellen. |
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Altenkirchen. Kühl und wolkenverhangen ist es an diesem Morgen, nichts mehr erinnert an die schönen und warmen Tage seit Wochenbeginn. Als Oberbekleidung haben gefütterte Jacken die bereits aus der Versenkung geholten und getragenen T-Shirts vorübergehend abgelöst. Auch Sonja Wenzel und Elena Wiens tragen mit Outfits, die eher in Richtung Herbst oder Winter abzielen, dem Wetterumschwung, der sich über Nacht eingestellt hat, Rechnung, als sie eine Runde im interkulturellen Garten von Altenkirchen hinter der evangelischen Kindertagesstätte „Arche“ im Kiefernweg drehen und feststellen, dass noch recht wenig zu sehen ist von den Dingen, die im Laufe der kommenden Monate geerntet werden sollen. Schon seit dem Jahr 2009 bestehen auf dem großen Areal, das rund 4000 Quadratmeter misst, für Menschen aus aller Herren Länder Möglichkeiten, Kartoffel, Salat & Co. unter eigener Regie anzubauen. „Derzeit werden 22 Parzellen unterschiedlicher Größe bewirtschaftet“, erläutert Wenzel, vier Beete könnten aktuell wieder neu vergeben werden. Sie ist die Vorsitzende des Vereins „Interkultureller Garten Querbeet“ der Kreisstadt und freut sich, dass momentan Hobbygärtner unter anderem aus Syrien, Russland und Kasachstan jeweils ihr kleines „Feld“ bestellen. Dass hin und wieder Bereiche frei werden, liege auch daran, dass Menschen wegziehen oder krank würden, die dann nicht mehr dieser (Freizeit)-Beschäftigung nachgehen könnten. Das Grundstück ist per Vertrag von der evangelischen Kirchengemeinde Altenkirchen gepachtet. Bei Bedarf besteht ob der Ausdehnung die Möglichkeit, an Interessierte weitere Flächen für den Anbau auszuweisen und zu vergeben. Die unmittelbare Nähe zur „Arche“ bedeutet zudem auch, dass für die Kids aus der „Nachbarschaft“ das eine oder andere Projekt mit Bezug zu Natur und Nahrung organisiert werden kann.
Zugang durch zwei Pforten
Die Gärtner haben grundsätzlich immer die Möglichkeit, an und auf ihren Beeten zu werkeln, wenn ihnen der Sinn danach steht. Der Zugang des komplett umzäunten Grund und Bodens (seit 2022 nach einem Vandalismusvorfall) ist über zwei Pforten möglich, die sich jeweils per Code öffnen und schließen lassen. Freitags zwischen 16 und 18 Uhr ist Gemeinschaftsarbeit angesagt, wenn gemäht, Hecken und Sträucher geschnitten und Unkraut entlang und auf den mit Split abgedeckten Wegen gejätet werden muss. „Dann wird oft Kaffee und Kuchen mitgebracht, so dass das Miteinander gepflegt werden kann“, erläutert Wenzel, wobei die Zahl derjenigen, die mitmachten, schwanke. An den Rändern der Anlage gedeihen in erster Linie Sträucher, die unterschiedliche Beerensorten tragen. „Deswegen dürfen auf den einzelnen Beeten solche Gewächse nicht gepflanzt werden“, ergänzt Wiens, die mit dieser Aussage einer der wenigen Regeln darstellt. Auch Obstbäume gehören zum „Inventar“, die von allen Mitgliedern des eingetragenen Vereins abgeerntet werden. 15 Euro pro Kopf beträgt der jährliche Obolus für die Zugehörigkeit zum Klub. Bänke zum Ausruhen, ein kleines Holzhaus zum Verstauen der Gerätschaften und Kompostmöglichkeiten zählen unter anderem zur Infrastruktur. Grundsätzlich würde nach ökologischen Gesichtspunkten gegärtnert, „gutes Saatgut wird gesammelt und dem Regionalladen Unikum in der Bahnhofstraße zur Verfügung gestellt, wo es gegen eine Spende erworben werden kann“, erklärt Wenzel.
Blick in den Garten werfen
Der Verein beschränkt seine Aktivitäten jedoch nicht nur auf die handwerklich ausgerichteten innerhalb der Umzäunung. So schwärmt Wenzel noch immer von der Teilnahme an „Kultopia“, dem „Fest der Kulturen“ in der Altenkirchener Innenstadt im vergangenen September, „bei wunderbarem Wetter, als ganz, ganz viele Nationen da waren und wir unsere Gemüsesuppe aus unserem ganz großen Topf angeboten haben“. Mitmachen werden die Gartenfreunde erneut beim „Tag der offenen Gartentür“ am 28. Juni, um zwischen 11 und 17 Uhr Einblicke in ihr Refugium zu gestatten. Obligatorisch sind eine Weihnachtsfeier, ein Sommerfest und, wie es sich für einen Verein gehört, eine Mitgliederversammlung. Die nächste ist am 16. Mai, in der auch der Vorstand für die nächsten beiden Jahre neu gewählt oder der amtierende bestätigt werden soll. In einem Info-Blatt beschreibt sich „Querbeet“ selbst – in Deutsch und darüber hinaus in zehn weiteren Sprachen. An der Spitze steht neben der „Chefin“ Cornelia Obenauer als zweite Vorsitzende. Wenzel hatte vor geraumer Zeit die Schönebergerin Erika Uber abgelöst, die seit dem Start die „Querbeet“-Geschicke gelenkt hatte.
Völkerverständigung fördern
Die „anstiftung“ beschreibt „interkulturelle Gärten“ als „Gartenprojekte, die sich mit der Integration von Migranten und Einheimischen auseinandersetzen und die Völkerverständigung fördern. Sie bieten eine Plattform für den Austausch von Wissen und Erfahrungen, ermöglichen die Bewirtschaftung gemeinsamer Flächen und fördern die Kulturvielfalt. Diese Gärten entstehen oft in städtischen Freiräumen und nutzen die Stärken der jeweiligen Gruppen, um eine produktive Beziehung zu sich selbst und zu anderen zu schaffen“. Das ist die „anstiftung“ mit Sitz in München nach eigener Darstellung auf der Homepage: „Wir fördern, vernetzen und erforschen Räume und Netzwerke des Selbermachens. Dazu gehören urbane Gemeinschaftsgärten wie interkulturelle Gärten, offene Werkstätten, Reparatur-Initiativen, Open-Source-Projekte ebenso wie Initiativen zur Belebung von Nachbarschaften oder Interventionen im öffentlichen Raum. Wir tun das, weil wir überzeugt sind, dass Selbermachen es Menschen ermöglicht, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und mit der Welt in Resonanz zu gehen.“ (vh)
Infos zu „Querbeet“ bei Sonja Wenzel, Tel. 02681/9839054, oder Cornelia Obenauer, Tel. 02688/988071. |
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