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Pressemitteilung vom 16.04.2026
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Erstmals Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der Uni Siegen
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe für KI-Forschung an der Universität Siegen. Unter Leitung von Jun.-Prof. Dr. Jovita Lukasik wird die Gruppe an effizienteren Methoden zur Entwicklung neuronaler Netze forschen. Die DFG fördert das Projekt mit insgesamt 1,6 Millionen Euro.
Jun.-Prof. Dr. Jovita Lukasik hat mit nur 31 Jahren bereits sehr viel erreicht. (Foto: Uni Siegen)Siegen. Großer Erfolg für die Siegener KI-Forschung: Die Juniorprofessorin Dr. Jovita Lukasik hat für die Universität Siegen eine Förderung im renommierten Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworben. Die 31 Jahre alte Informatikerin setzte sich damit in einem der angesehensten Nachwuchsförderprogramme Deutschlands durch – und das bereits kurz nach ihrer Berufung auf die Siegener Juniorprofessur für Visual Computing vor gut einem halben Jahr.

Im Rahmen des Programms richtet die DFG eine neue Nachwuchsgruppe unter Leitung von Jovita Lukasik ein. Es handelt sich um die erste Emmy Noether-Gruppe an der Uni Siegen überhaupt. Das Vorhaben wird mit rund 1,6 Millionen Euro gefördert. Insgesamt waren bei der DFG in dieser Ausschreibungsrunde 178 Projektskizzen für neue Emmy Noether-Gruppen im Bereich der Künstlichen Intelligenz eingereicht worden. Nur 15 davon wurden für die Förderung ausgewählt – darunter die Siegener Nachwuchsgruppe.

"Das ist eine tolle Chance – besser hätte es nicht laufen können", sagt Jun.-Prof. Lukasik. "Möchte man in der Forschung etwas erreichen, braucht es mehr als eine Person. Durch die Emmy Noether-Gruppe habe ich nun die besten Voraussetzungen, mein Forschungsgebiet – das automatisierte maschinelle Lernen – gezielt weiterzuentwickeln. Darauf freue ich mich sehr."

"Ich gratuliere Jovita Lukasik von Herzen zu diesem großartigen Erfolg. Das Emmy Noether Programm ist wahnsinnig kompetitiv, hier erfolgreich zu sein, zeugt von einer herausragenden wissenschaftlichen Leistung. Dies im Alter von nur 31 Jahren zu erreichen, ist wirklich beeindruckend", sagt Uni-Rektorin Prof. Dr. Stefanie Reese.

Das insgesamt fünfköpfige Team der Emmy Noether-Nachwuchsgruppe um Jun.-Prof. Lukasik wird künstliche neuronale Netze untersuchen: Solche Netze sind die zentrale Grundlage moderner Künstlicher Intelligenz, etwa bei der Bild- und Objekterkennung. Ziel des auf sechs Jahre angelegten Projekts "UniCoDe" ist es, eine Methode zu entwickeln, um neuronale Netze künftig effizienter und intelligenter zu bauen und zu trainieren. "Bisher erfolgt die Entwicklung eines neuronalen Netzes in zwei getrennten Schritten: Zunächst wird die Struktur des Netzwerks festgelegt. Im nächsten Schritt wird das Netz mit Daten trainiert", erklärt Jovita Lukasik. Die Idee von "UniCoDe" ist es, diese beiden Schritte automatisiert zusammenzuführen: Statt von Menschen mühsam konzipiert und anschließend trainiert zu werden, sollen sich die Netze künftig selbst bauen und dabei gleichzeitig optimieren – also ihre Parameter so anpassen, dass bestmögliche Ergebnisse erzielt werden. "Wir möchten eine Art 'All-in-One-System' entwickeln, das auf das Wissen von bereits bestehenden, trainierten Netzwerken zurückgreift und dieses integriert. So lassen sich neue Netze effizienter, schneller und kostengünstiger entwickeln", sagt Lukasik, die an der Universität Siegen eng mit dem Zentrum für Sensorsysteme (ZESS) zusammenarbeitet.

Vergleichbar ist das System mit einem Werkzeug, das sich automatisch an neue Aufgaben anpasst: Sei es die Analyse von Echtzeit-Videodaten, um beim autonomen Fahren Fußgänger oder andere Fahrzeuge zu erkennen, die Identifizierung von Tumorerkrankungen in MRT- oder CT-Aufnahmen oder die Erkennung von Defekten bei der industriellen Qualitätskontrolle. Wichtig ist dem Projektteam, dass die Systeme auch auf Geräten mit geringer Leistung wie beispielsweise Smartphones laufen. Sie sollen außerdem auch mit wenigen Trainingsdaten auskommen und robust sein – also auch bei schlechter Bild- und Datenqualität gute Ergebnisse liefern.

"Um KI-Systeme wie Chat GPT, die auf tiefen Netzen und riesigen Trainingsdaten basieren, gibt es ja seit einiger Zeit einen großen Hype. Mir geht es nicht darum, immer größere Netzwerke zu bauen. Mich interessiert eher, wie sich Systeme effizienter gestalten lassen. Darauf möchte ich mit der Emmy Noether-Gruppe einen Fokus setzen", sagt Jun. Prof. Lukasik, die parallel noch ein zweites Ziel verfolgt: "Ich möchte jungen Frauen Mut machen, im Bereich Informatik und KI zu forschen. Das ist ein spannendes Feld mit vielen Möglichkeiten."

Hintergrund
Die gebürtige Hamburgerin Jovita Lukasik studierte zunächst mathematische Finanzökonomie an der Universität Konstanz. An der Universität Mannheim schloss sie ein Masterstudium in Wirtschaftsmathematik an, bevor sie in den Bereich Informatik wechselte und ebenfalls an der Universität Mannheim promovierte, wobei sie ein Jahr am Max Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken tätig war. Jovita Lukasik kam 2023 zunächst als Postdoktorandin an die Universität Siegen. Seit September 2025 hat sie hier die Juniorprofessur für Visual Computing inne.

Das Emmy Noether-Programm ermöglicht herausragenden Nachwuchswissenschaftler den Aufbau und die eigenständige Leitung einer Forschungsgruppe. Die Siegener Nachwuchsgruppe umfasst insgesamt drei Doktoranden-Stellen und eine Stelle für einen Postdoktoranden. Die DFG fördert das Siegener Projekt zunächst für drei Jahre mit 957.000 Euro – nach positiver Zwischenevaluation gibt es noch einmal 657.000 Euro für weitere drei Jahre. (PM)
Pressemitteilung vom 16.04.2026 www.ak-kurier.de
Quelle: 1776297600